Vereinsleben

Der Junggesellenverein:

Wie die Lauthausener die Geschicke unserer Heimatregıon maßgeblich mitbestimmt haben, so entwickelten. sie nach dem ersten Weltkrieg 1919 auch die Initiative zur Gründung eines Junggesellenvereins; der Name lautete: "Junggesellenverein Heiterkeit Lauthausen".

Die Ziele des Vereins waren in den Statuten klar umrissen: "Der Verein hat den Zweck, durch gemütlichen Zusammenhalt alle Unordnungen und Rohheiten zu vermeiden und die Kameradschaft zu fördern."

An Vereinsaspiranten wurde unmissverständlich die Forderung gestellt

·         Mindestens 16 Jahre alt und

·         Als "moralischer Jungmann" bekannt zu sein. (4)

Wer also keinen guten Leumund hatte, der wurde erst gar nicht in den Verein aufgenommen.

 

Die Vereinsgründer im Jahre 1919 (von rechts nach links): Vorsitzender Johann Baum, Fritz Broichhausen, davor Adolf Monrath, Johann Broichhausen, davor (sitzend mit Schärpe) Heinrich Rings, Fähnrich Peter Peters, Franz Rings, Hannes Koch, davor (sitzend mit Schärpe) Heinrich Raderschadt, Heinrich Könsgen, Heinrich Baum

Jeweils im Frühjahr zur Maienzeit trat der Verein mit der Mailehnversteigerung an die Öffentlichkeit. Dieser Maibrauch hatte ganz ohne Frage eine ehestiftende Funktion; zumindest offenbarte die Prozedur der Versteigerung, wer zu wem gehörte bzw. wer zu wem gehören wollte - mit anderen Worten, man brachte seine Sympathie wechselseitig zum Ausdruck und bei den Verliebten hörte endlich die Heimlichtuerei auf. Endlich durfte man Flagge zeigen, denn die Statuten schrieben den allwöchentlichen Besuch beim ersteigerten Mädchen vor. Und weil dieser Besuch nach Feierabend, also ebenda stattfand nannte man ihn burschikos Komm- und Kreiovend (frei übersetzt Komm- und-kriege-mich-Abend).

Das Mädchen mit dem Höchstgebot wurde Maikönigin. Jene, die nicht ersteigert wurden (nach den beiden großen Kriegen waren die Mädchen stets in der Überzahl, kamen ins Rötzchen (=Rest)

Meistens erbarmte sich ein stiller Gönner und Förderer des Vereins des Rötzchens und kaufte es sozusagen en bloc, natürlich gegen "Mengenrabatt". Heute würde dies sicherlich als Diskriminierung empfunden werden.

Eine sportliche Komponente hatte der Junggesellenverein insofern, als er bei Festveranstaltungen durch den Vereinsfähnrich hervortrat. Solche Veranstaltungen genossen einen hohen Zuspruch, denn aus nah und fern kamen die Fähnriche mit ihrem Anhang uni ließen sich von diesem feiern, wenn eine Siegprämie errungen worden war. Eins steht fest: wer Sieg und Lorbeer nach Hause bringen wollte, der musste das Spiel mit der Fahne (Fähndelschwenken) ständig hart trainieren.

An Vereinsvorsitzenden mit ihren Fähnrichen möchte ich paarweise erwähnen: Johann Baum mit Peter Peters, Heinrich Sauer jr. mit Fritz Hastrich, Josef Raderschadt mit Willi Baum.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Einzugsgebiet des Junggesellenvereins Lauthausen auf die gesamte Pfarrei Bödingen ausgedehnt, was zur Folge hatte, dass die Mitgliederzahl erheblich anstieg.

 

Froh und ausgelassen gaben sich die Mitglieder des Junggesellenvereins nach dem Krieg bei Veranstaltungen, allen Widernissen zum Trotz und obwohl das Land noch aus vielen Wunden blutete(Flüchtlingsstrom, Soldaten in Gefangenschaft, zerstörte Städte, auseinandergerissene Familien). Auf einem Foto aus jener Zeit kann man folgende Personen erkennen: (von links n. rechts) E. Oetz mit Akkordeon, H. Nießer, A. Pick, K. Brass, R. Hüller, K. Derenbach, L. Koch, W. Baum, darüber mit Zylinder J. Breuer, W. Sauer, A. Krohm, Maikönigin H. Derenbach mit Maikönig P. Brambach, dahinter P. Land, G. Baum, G. Rings, M. Walgenbach, H. Krohm, H. Baum, K. Hagen, A. Kraheck, Fähnrıch F. Hastrich, U. Raderschad u.v.a.


 


Da im Kriegsjahr 1944 das 25. Stiftungsfest nicht stattfinden konnte, wurde es 1946 gefeiert als der Krieg über ein Jahr beendet war und die meisten Soldaten in ihre Heimat zurückgefunden hatten.

An der Ostfassade des Refektoriums der früheren Klosteranlage in Bödingen stellten sich 1946 die Mitglieder des Junggesellenvereins dem Photographen für ein Erinnerungsfoto. Ich führe wie nebenstehend die weiblichen Mitglieder mit ihrem Mädchennamen auf; die mit einem Kreuzchen versehenen Namensträger sind m.W. verstorben (v. links n. rechts):

1. Reihe:

Henni Nümm, Heinz Dzur, Irmgard Derenbach, Paul Walterscheid, Maria Walgenbach, Peter Brambach, Lotte Koch, Oskar Müller+.

2. Reihe:

Ursula Voigt, Else Könsgen*, Christel Schneller, Josef Müller+, Alois Brass, Christel Kraus, Josef Breuer, Heinz Leven, Johannes Brass, Margarete Walterscheid, Heinz Land, Hilde Walterscheid.

3. Reihe:

Rudi Hastrich, Paul Land, Karl Hagen, Gertrud Koch, Kurt Stephuhn, Anneliese Walgenbach, Albert Hastrich, Marlies Derenbach, Fähnrich Willi Baum, Gertrud Rings, Bilde Oetz, Paul Sauer, Elli Hecking.

4. Reihe:

Ernst Behrens, Anneliese Steckelbach, Willi Sauer, Änni Kraheck, Grete Land, Maria Broichhausen, Christel Nießer, Maria Weber, Albertine Fischer, Marlies Zimmermann, Tinni Koch, Gerta Peters, Ernst Weißkirchen, Heinz Dettmert, Friedel Derenbach.

Der Sportverein:

Auch der Sportverein Bödingen hatte seinen Anfang in Lauthausen. In der Weimarer Zeit wurde der erste Sportplatz von den aktiven Mitgliedern auf der anderen Sieg- und Bahndammseite angelegt (heutiges Kiesloch in der alten Mäanderschleife der Sieg).


 

Auf diesem alten Foto aus jenen Tagen sind die damaligen aktiven Fußballsportler zu sehen, stehend v. links n. rechts: Schiedsrichter, Adolf Schuster, Josef Lütz, Heinrich Raderschad (genannt Schomm, bis zu seinem Tod vor etwa einem Jahr aktives Mitglied in unserem Verein), Peter Eisenhut, Albert Scheffler, Fritz Schwarz, Johann Fröhlich; sitzend: Gottfried Schmitz, Alois Gilliam, Josef Wissmann.

Der Verein wurde später in "Sportverein Bödingen e.V." umbenannt, die Sportanlagen blieben dagegen in Lauthausen.

Der Ernteverein Lauthausen:

Das Dorf Lauthausen war bis in die Jahre 1955 - 1960 äußerst stark mit der Landwirtschaft verbunden. Nahezu alle Familien lebten, wenn auch nicht hauptberuflich, vom Landbau. Etliche Inhaber von Kleinbetrieben - ein Begriff, der zu relativieren ist - standen als Arbeiter in nicht-selbständiger Tätigkeit oder übten ein Handwerk aus als Schreiner, Schmied oder Schuster. Noch zu Beginn der Industrialisierung verdienten sich Dorfbewohner ein Zubrot durch Fischfang in der Sieg sowie als Samtweber. Im gewerblichen Bereich stand aber die Brauerei Land stets obenan. Das gesellschaftliche Leben wurde nach dem ersten Weltkrieg maßgeblich durch den Ernteverein bestimmt. Während der Junggesellenverein vorwiegend durch die Aktivitäten des jungen Mannsvolkes in Erscheinung trat, beteiligten sich im Ernteverein nahezu alle Familien, weil sie, wie oben angedeutet, mittel- oder unmittelbar mit der Landwirtschaft Berührung hatten. Die Frauen hatten an der Ausrichtung der Erntefeste erheblichen Anteil. Der Lauthausener Tradition entsprechend trugen sie, auch schon zu Weimarer Zeit, eine schlichte Bauerntracht, bestehend aus einem leichten Sommerkleid in einheitlichem Farbton und Musterung sowie einem Kopftuch.

Regelmäßig wurde ein Erntezug veranstaltet mit sieben bis zehn Erntewagen. Das Gros dieser Wagen stellte unser Dorf. Je einer kam aus Altenbödingen, aus Oberauel und aus dem Klostergut Eich. In lebhafter Erinnerung sind noch die vom "Peters Pitter" entworfenen Wagen der Jahre 1937 bis 1940, die die Vorteile einer Flurbereinigung herausstellten, sowie die Wagen mit den Mühlen-Motiven.

 

Die Frauen des Dorfes Lauthausen in ihrem Trachtenkleidern stehend v. links n. rechts: Mina Baum, Katharina Raderschad, Maria Koch, Kath. Müller, Magdalene Frings, Kath. Dappert, Kath. Sauer, Barbara Engels, Anna Nümm, Gertrud Krohm, Elisabeth Müller; kniend v. links n. rechts: Elisabeth Peters, Maria Löbach, Anna Raderschadt, Elisabeth Krohm, Grete Nümm spätere Frau Juchant, Unbekannt, Elisabeth Höhner, Kath. Schmitz; sitzend v. links n. rechts: Henni Nümm spätere Frau Will, Käthe Sauer spätere Frau Dreckmann, Grete Sauer spätere Frau Meier.

Bezeichnend für die Lauthausener Mentalität war, dass die Ideen für das Erntefest und den Erntezug meist in der Schmiede des alten Heinrich Nümm ausgeheckt wurden. Hier traf man sich nahezu täglich, hier konnte man ungeniert klönen und tratschen, hier konnte man gewiss sein, dass Nümm für die Anliegen eines jeden Besuchers eine Lösung parat hatte. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die seinerzeit gängige Redensart: "En de Schmed, an de Kerch on op de Fahr (Fähre), do wüt me alles jewahr“. Auch der alte Rings, ortsansässiger Schreiner, hatte alle Hände voll zu tun, um die Erntewagen in Gang zu bringen. Er soll einmal gesagt haben_ als seine Söhne das Holz bereits maschinell bearbeiteten: "Ech hen met menge Hang mie jemaat wie die Jonge met all de Maschine."

 

Die Mitglieder des Erntevereins ließen sich damals schon durch die Damen und Herren der Landwirtschaftsschule Hennef beraten( der "Reichsnährstand" förderte die Ertragssteigerung auf Acker und Grünland, beriet in der optimalen Nutzung der Hausgärten, der Konservierung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sowie in der Geflügelhaltung). Bei einem Besuch in Lauhausen im Jahre 1957 stellten sich die Berater und Einheimische vor der Gaststätte Land dem Photographen; untere Reihe v. links n. rechts: Dr. Wilhelm Schmitt, Mina Baum, Unbekannt, Elisabeth Muller, Anna Nümm, Frau Van den Driesch, Elisabeth Höhner, Maria Broichhausen und auf der Treppe: Frau Hahn, J. Krohm, G. Krohm, Heinrich Sauer u.v.a.


Damit möchte ich meinen Streifzug durch die Dorfchronik beenden. Vielleicht findet sich später jemand, der Einzelheiten noch tiefer auszugraben vermag. Vielleicht helfen uns dabei die Alten, die in einem weiteren Heft - 1990 - zu Wort kommen sollen. Sie werden möglicherweise wunderschöne Dorfepisoden zu Tage fördern, von denen wir noch nichts gehört haben. Auch der Brauerei werden wir dann ein sanftes Rückerinnern widmen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir auch den Wasserleitungsverein mit seiner höchstinteressanten Gründungsgeschichte beleuchten und in einer Ruckblende dartun, wieviel Arbeitserleichterung und Segen gerade die damalige Wasserversorgung dem Dorf gebracht hat. Gerade dieser Verein war uns allen richtungsweisend bei der Gründung des Nachfolgevereins DORFGEMEINSOHAFT HENNEF-LAUTHAUSEN E.V. vor drei Jahren. Noch eins: Mit diesem Heft "Heimatgeschichte(n)" will der Verein nicht nur Heimatkundliches vermitteln und die vergessenen und vergrabenen Vorkommnisse und Anekdoten aus alter Zeit im neuen Glanze erscheinen lassen, er will mit dem Reinerlös der verkauften Hefte vor allem helfen, die notwendige Restaurierung unserer Kapelle mitzufinanzieren. - Zuletzt bleibt mir noch, Dank zu sagen für Ihre Treue und Verbundenheit zu unserem Verein DORFGEMEINSCHAFT LAUTHAUSEN!

Heinz Peters

(1)                      Überlieferung durch Wilhelm Beiert und seiner Tochter, Frau Margarete Will geb. Beiert, Bödingen

(2)                      Vergleiche mit Anhang zu „Kloster und Kirche Bödingen" i. d. Heft

(3)                      Ossendorf „Weınbau“ S. 63,73

Festschrift zum 25-jährigen Stiftungsfest v. Sept. 1946