"Et wieße Kröx"

(JR)

Geht man am Lauthausener Sportplatz vorbei den kürzesten Weg zur Sieg, so gelangt man nach knapp 200 m an eine Wegegabelung, an der ein etwa 1,30 m hohes steinernes Kreuz steht; "et wieße Kröx", so bezeichnen es die Lauthausener. Aus welchem Grund dem Kreuz das Adjektiv wieß(weiß) angefügt wurde, wissen die Dorfbewohner nicht zu sagen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass der frischbehauene Stein - ein Trachyt - in den Anfangsjahren ein helles Aussehen hatte und daher das Kreuz zur Unterscheidung von den anderen Kreuzen in der Umgebung den Namen "et wieße Kröx" erhielt. Die Farbe hat sich im Laufe der Jahrzehnte durch Witterungseinflüsse gewandelt, der Name ist geblieben. Der im nahen Weldergoven wohnende Heimatforscher Helge Göhring ist der Geschichte des Kreuzes nachgegangen und hat hierüber einen hochinteressanten Aufsatz geschrieben. Diesen möchten wir unseren Lesern nicht vorenthalten, weil er aufräumt mit den vielen Schauermärchen die um das Kreuz kursieren: Göhring schreibt unter der Überschrift "Et Steenekrüxche" (und meint damit 'et wieße Kröx‘)

Eine verborgene Kostbarkeit an der Sieg und ihr historischer Hintergrund.

An der Sieg gegenüber Weldergoven steht ein Steinkreuz aus dem Jahre 1809, das im Volksmund "Steenekrüxche" genannt wird und, in der Zeit in der die Sieg noch Badefreuden geöffnet war, den Kindern als Orientierungsmarke diente. Bei diesem Kreuz, um das sich allerlei Legenden ranken, handelt es sich um eine spätbarocke Kostbarkeit. In der Mitte dieses kleinen Monumentes ist der Gekreuzigte dargestellt, während die ganze übrige Fläche mit Schrifttext gefüllt ist, der da lautet:

DER WOHLACHTBARE PETER BIRCKHAUSER, PODINGERHALFEN AUS DER GEISBACH, ER STARB AN EINEM STICKFLUS AN DER SIEG GEGEN WEIEERHOFEN IM 85. JAHR, IM 47. GEEÜHTEN EHESTANDES MIT DEN SAKRAMENTEN VERSEHEN UND GOT SELIG DEM HERN ENTSCHLAFFEN. 1809 D 5. MAEI, DES MITDAGS VOM H PIST (Pfingsten) 12. GG.D.S. (Gottes Gnade Deiner Seele).

 Die Inschrift stimmt mit den Angaben im Geistinger Kirchenbuch überein, das zur Todesursache mitteilt: "Apoplexia Sufforatus et Senio Confectus", also daß Peter Birckhäuser nach einem Schlaganfall und an Altersschwäche gestorben ist. Offenbar war er nicht allein unterwegs, als ihn dieses Schicksal ereilte. Seine Begleitung konnte noch einen Pfarrer herbeiholen, der die hl. Sakramente spendete, wie es der Text mitteilt. Der Verstorbene war Halfe[1] auch Villicus genannt, auf dem Bödingerhof in Geisbach, heute zu Hennef gehörig, der als Gutspächter den wohlhabenden Landwirten zuzurechnen war.

Der Bödingerhof ist aus verschiedenen Schenkungen an das Kloster Bödingen zusammengewachsen, deren erste durch Ludwig von Lülsdorf und seine Frau Catharina auf den 12. März 1408 datiert ist. "Bei der Säkularisation 1803 wurde diesem Hof der höchste Ertragswert zuerkannt, nämlich 292 Rthlr (Reichsthaler), 52 Stb(Stüber)", teilt Pager Gabriel Busch in seinem Buch über Bödingen mit.

Die weiteren Nachrichten zur Familie Birckhäuser sind teils dem Kirchenbuch von Geistingen zu entnehmen, teils zu errechnen, weil das Buch zwischen 1697 und 1748 eine Lücke aufweist und, wie man weiß nicht immer ganz exakt geführt worden ist.

Peter B. muss etwa 1725 geboren sein und heiratete um 1761/62 in Geistingen die Maria Gertrud Krätz, etwa 1739 geboren und am 19.12 1806 in Geisbach gestorben. Aus dieser Ehe sind zwischen 1762 und 1782 neun Kinder nachzuweisen, fünf Mädchen und vier Jungen. Davon sind zumindest zwei Mädchen schon als Säuglinge gestorben. Vier Kinder haben geheiratet und zwar: Maria Adelheid den Johann Klein aus Siegburg, Maria Catharina den Wilhelm Kaus und Anna Elisabeth den Peter Kaus, "Frohnhalfen zu Seven". Der Sohn Johann Adolph Heinrich heiratete wohl um 1800 die Anna Maria Hintzen. Peter Birckhäuser muss ein verehrter Patriarch gewesen sein, denn sonst hätten ihm die Nachkommen sicherlich kein so außergewöhnliches Denkmal gesetzt

Helge Göhring



[1] Dr.E.Zitzen: Scholle und Strom (Boden u. Früchte), Seite 57: Halfen. Wer ein von einem Grundherrn überlassenes Gut gegen den halben Ertrag bewirtschaftete, hieß Halbmann, Halbwinner oder Halfen" JR