Der Wasserleitungsverein in Lauthausen

Heinz Peters

Beo der Suche nach den Ursprüngen der Wasserversorgung des Dorfes Lauthausen müssen wir uns mangels schriftlicher Unterlagen auf die mündliche Überlieferung verlassen, der zufolge nachstehende Ausgangslage gegeben war:

Das Wasser des Selbaches, heute eine stinkende Kloake, war bis ins 19. Jahrhundert hinein für Mensch und Tier genießbar. Selbst das Wasser der Sieg ist um die Jahrhundertwende noch so makellos rein gewesen, dass man ihm eine besondere Heilkraft bei der Erkrankung der Augen beigemessen hat. Gleichwohl haben abseits gelegene Häuser schon früh die ergiebigen unterirdischen Wasseradern in der Ortslage mit Hilfe von Ziehbrunnen angezapft, so die Häuser Sauer, Peters, Dargatz (früher Brochhausen bzw. Honrath), Sommerhäuser (früher Brochhausen) und Nüm. Die anderen Häuser des Ober- wie auch des Unterdorfes haben zur gleichen Zeit ihr Trinkwasser aus dem Brunnen (Pütz) am Pützberg schöpfen und über Fußwege bis zu 400 m weit heranschleppen müssen, eine Arbeit, die tagsüber, wenn die Männer im Wingert und auf den Feldern werkten, von den Frauen bewältigt werde musste.

Das Vieh der vielen kleinen Gehöfte wurde wintertags zu den Tränken an Bach und Fluss geführt, sommertags versorgten sich die Tiere selbst beim Hüten auf den absoluten Grünlandflächen, darunter die Allmende in der Gewanne „Auf den Lauthausener Steinen“, die in der bis Dondorf reichenden Mäanderschleife der Sieg lag.

Um die Jahrhundertwende schufen sich die Brunnenbesitzer durch Installierung von Handpumpen eine gewisse Arbeitserleichterung; andere rammten durchlöcherte Stahlrohre in den Boden - die Rohre wurden „geheit“ -, bis sie fündig wurden und pumpten dann das Wasser so lange hoch, bis sich am Ansaugstutzen eine kleine Grube gebildet hatte, aus der dann größere Mengen klaren Wassers jederzeit hochgefördert werden konnte. Allein das Gros der Haushaltungen war und blieb auf den Gemeinschaftsbrunnen am Pützberg angewiesen.

Die Idee, das Wasser droben in der Hanglage zu sammeln und den Bedarfsstellen im Dorf zuzuleiten, wurde sicherlich nicht nur aus den Zwängen arbeitswirtschaftlicher Art geboren, sondern auch aus den vielfältigen Angeboten einer aufstrebenden Industrie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, als man aus bestimmten Metalllegierungen verschraubbare Leitungsrohre herstellte und sonstiges Material, das für derartige Wasserversorgungsanlagen geeignet war. Damals war die Sache aber nicht spruchreif, weil unsere Vorfahren mit ihren landwirtschaftlichen Kleinbetrieben nahezu ausschließlich auf Selbstversorgung ausgerichtet waren; die allgemeine Armut war dementsprechend groß. Den Plan für den Bau einer zentralen Wasserversorgungsanlage haben dann wohl jene Männer des Dorfes gefasst, die aus dem (großen) Kriege 1914 - 1918 heimgekehrt waren. Sie hatten die völkermordenden Schlachten bei Verdun, an der Marne oder in Flandern in großer Drangsal überstanden, sie würden die mit dem Bau einer Wasserleitung verbundenen Mühen und Sorgen ebenfalls durchstehen können, dessen waren sie sich sicher. Es kam hinzu, dass die Kommunen für derartige Zwecke zinsgünstige Darlehen und sogar Beihilfen und verlorene Zuschüsse anboten. Hiervon machten alsbald so viele Gemeinden Gebrauch, dass um 1932 nahezu alle Dörfer und Flecken des damaligen Siegkreises über selbsttätige Wasserversorgungsanlagen verfügten.

Während die meisten Dörfer das wertvolle Nass nur in den Siefen und Schlenken ihrer Umgebung vorfanden - von dort musste es mit Motorkraft in die Hochbehälter gepumpt werden -, lag die Lauthausener Quelle so hoch über dem Dorf, dass hier lediglich das Sammeln des Quellwassers und Ableiten mittels Rohre unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles über einen Hochbehälter zu bewerkstelligen war.

Hatten die Römer vor nahezu 2000 Jahren nicht nach dem gleichen Prinzip ihre Stadt und Feste Colonia Agrippinensis über Aquädukte hinweg mit Eifelwasser versorgt?

Gedacht - getan. Im April 1924 erfolgte ein loser Zusammenschluss der Dorfbewohner in einem nichtrechtsfähigen Verein mit dem allgemeinen Ziel, alle nur denkbaren und notwendigen Vorbereitungen zum Bau einer Wasserversorgungsanlage zu treffen. Dass hierzu auch gehörte, die Dörfler auf große Geldopfer vorzubereiten, versteht sich von selbst.

Zum 14. September 1925 wurden die Bürger des Dorfes Lauthausen zur ersten konstituierenden Versammlung für die Gründung eines rechtsfähigen Vereins einberufen, wie das Versammlungsprotokoll vom gleichen Tage ausweist; hierzu heißt es:

„Nach einer rechtzeitig vorher durch schriftliche Einladung einberufenen Generalversammlung wurde heute der Wasserleitungsverein Lauthausen mit dem Zweck des Baues einer Wasserleitung für das Dorf Lauthausen gegründet. Die Wahl des Vorstandes erfolgte durch Zuruf und besteht derselbe aus folgenden Personen:

 

Peter Peters, I. Vorsitzender                                        (Landwirt)
Heinrich Nümm, stellvertr. Vors.                                (Schmiedemeister)
Peter Fischer, I. Schriftführer                                       (Eisenbahn-Assistent)
Jakob Krohm, stellvertr. Schriftf.                                (Landwirt)
Heinrich Raderschadt, I. Kassierer                              (Landwirt)
Albert Hastrich, stellvertr. Kass.                                  (Fabrik-Arbeiter)
Peter Land, Beisitzer                                                        (Justiz-Inspektor)

 

Die Gewählten nahmen die Wahl an. gez. Peter Fischer, Schriftführer.“

Erst am 06.09.1926 beantragte der Vorstand des Wasserleitungsvereins bei Übergabe der Vereinssatzung die Eintragung in das Vereinsregister. Diesem Antrag wird vom zuständigen Amtsgericht Hennef durch „Bekanntmachung " vom 18.10.1926 entsprochen. Der Name des Vereins lautet nunmehr:

„Wasserleitungsverein Lauthausen e.V.'“

Die Satzung ist umfangreich. In ihr sind pedantisch die Höhe der Mitgliederbeiträge und deren Fälligkeit sowie viele, viele Einzelheiten über das, was die Mitglieder zu tun und zu lassen haben, aufgeführt. Außerdem ist nahezu der gesamte Paragraphenkatalog das BGB aufgezählt, soweit hierin das Vereinsrecht geregelt ist.

 

So nun gerüstet und von den Mitgliedern legitimiert, leitet der Vorstand Zug um Zug folgende Maßnahmen ein:

  • Ankauf der Quellenparzelle „In der untersten Sellbach“ in Größe von insgesamt 559 m2 zum Preise von 500.-- RM. Als Entschädigung für 'die 'Entwertung" der benachbarten "Fischzuchtanstalt' muß der Verein weitere 1.500.-- RM an den Verkäufer, den "Gastwirt und Postagent Josef Robert Quadt zu Bödingen", bezahlen. Der Verein ist bei Vertragsabschluss (28.10.1927) so liquide, dass der amtierende Notar "Justizrat Franz Wilhelm Hubert Lützeler" bescheinigen kann: "Der vorangegebene Kaufpreis und die Vergütung für die Entwertung sind heute an den Verkäufer bezahlt worden". Wahrscheinlich ist das Geld im' 'Strumpf' verwahrt worden, denn die zwei Sparbücher des Vereins weisen zum gleichen Zeitpunkt Guthaben von lediglich 364,64 RM und 56,86 RM aus.
  • Fragebogenaktionen der "Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene“ in Berlin-Dahlem. Darin wird der Wasserbedarf für 120 Einwohner, 38 Stück Großvieh und 25 Stück Kleinvieh berechnet, wobei man unter 'Kleinvieh" offen- sichtlich Kälber, Ziegen und Schweine versteht. (Zum Vergleich die Einwohnerzahl zum Stichtag 30.06.1989: 345 Einwohner incl. 12 Personen aus dem sogenannten Ausland).
    Weitere höchst interessante Vermerke:
    Die Einwohner von Lauthausen gehörten zu 2/3 (= 80 Personen oder 66,6 %) dem Kleinbauernstand an, zu 1/3 ( = 20 Personen oder 33,3 %) sind sie Industriearbeiter. (Zum Vergleich Aufteilung der Dorfbevölkerung zum Stichtag Mitte 1989: Von 345 Einwohnern gehören ca. 4 % der Landwirtschaft an, ca. 7 % sind den selbständigen Gewerbetreibenden zuzurechnen und ca. 89 % gehören der Gruppe der Nichtselbständigen an - Arbeiter, Angestellte, Rentner, Beamte, Arbeitslose -).
    Die Leistungsfähigkeit der Quelle wird mit (konstant) 45 m? Tagesleistung angegeben, der tägliche Bedarf beträgt (aufgeschlüsselt):
                   Brauerei Land: 3 m3
                   120 Einwohner a 50 l = 6 m3
                   38 St. Großvieh 50 l = 1,9 m3
                          
    25 St. Kleinvieh a 15 l = 0,375 m3
                          
    Verluste = 1,725 m3

 

insgesamt mithin ein Tagesbedarf von 13 m3.

  • Verdingung (Ausschreibung) der Arbeiten.
    Die durchzuführenden Arbeiten werden ausgeschrieben, ihre Veröffentlichung erfolgt in den Zeitungen
                   Kölnische Volkszeitung
                   Kölnische Zeitung sowie in der
                   Siegburger Zeitung

 

Urtext wie folgt:

 

  •  Einholung von Untersuchungsbefunden. Die Lauthausener müssen sich sehr sicher gewesen sein hinsichtlich der Qualität des Wassers aus dem Sellbachtal, denn alle Befunde, eingeholt vom “Preußischen Medizinaluntersuchungsamt" in Düsseldorf und vom Hygienischen Institut der Uni Bonn bescheinigen im Ergebnis, dass die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen völlig negative Resultate gezeigt hätten und das Wasser 'als vollkommen rein und für Trinkzwecke ausgezeichnet geeignet“ sei.
    Der Kreisarzt in Siegburg bescheinigt, 'dass die örtlichen Verhältnisse hygienische Bedenken nicht aufkommen lassen". Er verfügt allerdings, dass die „Heuwiese oberhalb der Quelle“ nur mit "künstlichem Dünger" gedüngt werden dürfe.
    Heute, 1990, wird gerade die künstliche Düngung als besonders schädlich angesehen. Baugesuch.
  • Der Bauantrag an das zuständige Kreisbauamt des Siegkreises wurde von dem damaligen Kreisbaumeister Höringklee bearbeitet. Dieser fertigte kurzfristig

a)      die Arbeitszeichnungen von der Quellfassung u. Hochbehälter

b)      eine Massen- und Kostenberechnung,

c)       eine Übersichtskarte,

d)      Situationszeichnungen der Hausanschlüsse und

e)      gemäß Nivellement eine Längsschnitt- und Höhenzeichnung im Maßstab 1 : 100 bzw. l : 1000.

  • Anpachtung der Parzelle für den Hochbehälter.
    Der Hochbehälter kam allen Berechnungen zufolge auf eine Parzelle zu stehen, die für den Verein nicht käuflich war. Also entschied man sich für ihre Anpachtung. Der schriftliche Pachtvertrag datiert vom 15. Mai 1929. Der Verpächter Peter Rings erhielt als Entschädigung etliche Ersatzgrundstücke zur pachtweisen Nutzung. Da man sich sicher war, dass diese Parzelle mit dem aufstehenden Hochbehälter in einem Flurbereinigungsverfahren dem Wasserleitungsverein zugeteilt werden würde, war die Vertragsdauer auf diesen (zunächst unbestimmten) Zeitpunkt abgestellt.

Die gesamten Kosten der Versorgungsanlage einschließlich Hausanschlüsse waren mit 17.500,-- RM veranschlagt worden. Wie es heute gang und gäbe ist, dass Kostenvoranschläge überschritten werden, so ging auch damals schon die Gesamtsumme der Baukosten über den Voranschlag hinaus und erreichte schließlich die stattliche Höhe von 20.957,62 RM. Ob dieser Betrag all jene Auslagen für Gutachten, Zins- und Bearbeitungsgebühren, für Veröffentlichungen und Entschädigungen beinhaltet, möchte ich füglich bezweifeln, wie ich auch Zweifel an der Höhe der tatsächlich aus- gezahlten Beihilfen `und Zuschüsse hegen darf. Mochten diese vom Landeshauptmann der Rheinprovinz, von der Kreisverwaltung, von der Gemeinde oder von der PROVINZIAL- Feuerversicherung angekündigt und meist von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig gemacht worden sein, mit letzter Sicherheit kann die Summe der gezahlten Gelder nicht festgestellt werden. Am Rande sei hier vermerkt, dass die Schreiben der Kreisverwaltung unter- zeichnet sind_ mit 'Herchenbach" und "beglaubigt" vom „Kreisausschuss-Obersekretär Clarenz“.

Ersterer war nach dem letzten Krieg lange Jahre Geschäftsführer der Milchverwertungsgenossenschaft Hennef. Letzterer war in der gleichen Zeit Oberkreisdirektor des Siegkreises.

Besonders erwähnenswert erscheint, dass die Firma Knüttgen aus Eitorf-Kelters den Löwenanteil aller Ausgaben erhielt, nämlich die stolze Summe von 15.860,78 RM. Zur Durchführung aller Arbeiten, die samt und sonders manuell zu verrichten waren, stellte Knüttgen die Arbeitswilligen aus dem Ort ein; sie er- hielten einen Arbeitslohn von sage und schreibe 1,-- RM je Stunde Arbeitszeit.

Über die Höhe der Haushaltsanschlussgebühren, die jedes Mitglied vorab zu zahlen hatte, berichten etliche Sitzungsprotokolle. Aus ihnen geht jedoch nicht hervor, wie hoch diese Gebühren für das Gros der Mitglieder waren; lediglich in drei Fällen ist diese Gebühr eindeutig beziffert, und zwar für die Brauerei Land mit 2.000,-- RM, für die Schmiede Nümm mit 175,-- RM und für das Miethaus des Johann Brochhausen mit 562,40 RM.

1929 gewährte die “Landesbank Rheinprovinz” in Düsseldorf ein Darlehen von 10.000,-- RM. Laut einem Vertrag mit dem Bödinger Darlehnskassenverein vom 01.02.1930 gewährt dieser unter gleich- zeitiger Übernahme obiger Verbindlichkeiten ein Darlehen von 14.600,-- RM; der Wasserleitungsverein übernimmt im Gegenzug die "selbstschuldnerische Bürgschaft" für das übernommene Darlehen. Die Frist zur Tilgung dieser Summe wird auf zwei Jahre festgesetzt. Alsbald erweist sich, dass der hiernach geforderte Monatsbeitrag von 10,-- RM je Haushalt von vielen nicht aufzubringen ist. Er wird deshalb neu fixiert auf 5,-- RM monatlich für land- wirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung und 2,50 RM für die übrigen Haushaltungen.

Das Trinkwasser kommt in die Häuser und Höfe

Wann nun das Trinkwasser aus dem Bödinger Berg in die Küchen und Ställe der Lauthausener Bürger geflossen ist, steht nirgendwo geschrieben, auch nicht in Form einer handschriftlichen Notiz. Unsere Mitbürgerin Anna Raderschadt weiß sich aber zu erinnern, dass ihre spätere Schwiegermutter, Frau Elisabeth Raderschadt geb. Sauer, lange in der Vorfreude über das Ende der Wasserschlepperei gelebt hat; dann aber sei sie bereits 15 Tage später nach diesem denkwürdigen Tag gestorben. Der Totenzettel weist das Sterbedatum aus: 17. Juli 1929. Das langersehnte Trinkwasser ist demnach am 02.07.1929, auf Bödinger Kirmes, erstmals aus den Wasserhähnen gezapft worden.

Nach Beendigung gewisser Restarbeiten wird mit den Unternehmern 1930/31 abgerechnet. Die Verrechnung der gewährten Zuschüsse und Beihilfen zieht sich bis 1932 hin. Danach stellt sich heraus, dass viele Einwohner auch den auf 5,-- RM bzw. 2,50 RM festgesetzten Mitgliedsbeitrag nicht zu zahlen imstande sind. Denn nicht von ungefähr droht die Bödinger Kasse im Jahre 1935 wie auch im darauf/folgenden Jahr 1936, die Einziehung der Beiträge nicht mehr bearbeiten zu wollen, schließlich sei der Wasserleitungsverein aufgrund der übernommenen selbstschuldnerischen Bürgschaft zur Begleichung aller Restschulden verpflichtet; allerletzter Tilgungstermin sei der 01.01.1937.

Das muß wohl gefruchtet haben, denn die Akten verraten nichts über ein ungutes Ende dieser Angelegenheit.

Wohl achtzehn Jahre hindurch hat die Wasserversorgungsanlage ohne besondere Wartung und Reparaturen alle Dorfbewohner mit Wasser versorgt. Selbst zu jener Zeit, als Lauthausen in der letzten Phase des Krieges 1939 - 1945 sechs Wochen lang Front- gebiet war und viele Häuser und Stallungen durch Beschuss zerstört wurden, hat die Anlage keinen Schaden genommen.

Erst 1946 macht sich der Wasserleitungsverein wieder in der Form bemerkbar, dass er einen neuen Vorstand wählt, bestehend aus:

Heinrich Sauer sen., 1. Vorsitzender
Heinrich Nümm, stellvertr. Vorsitzender
Peter Raderschad, 1. Schriftführer
Willi Raderschadt „Stinnes“, 2. Schriftführer
Johann Bönninghausen, l. Kassierer
Albert Hastrich, 2. Kassierer
Karl Fischer, Beisitzer

Auch wird ein neuer Mitgliedsbeitrag festgesetzt, und zwar in folgender Höhe:

Grundbeitrag: 0,50 RM, zusätzlich 0,75 RM bei einer Tierhaltung bis 3 Stück, oder 1,-- RM bei einer Tierhaltung von mehr als 3 Stück.

DM - Zeit

1951 werden Verzeichnisse erstellt über Hauseigentümer und Mieter, vermutlich zum Zwecke einer Kalkulation des Wasserbedarfs. Im gleichen Jahr wird abermals ein neuer Vorstand gewählt: Peter Land wird wieder Beisitzer, Willi Raderschadt wird 1. Kassierer, Peter Fischer übernimmt abermals den Posten als l. Schriftführer, sein Vertreter wird Heinz Peters, und den Vorsitz übernimmt Jakob Krohm.

Inzwischen geht das seit 1949 laufende Flurbereinigungsverfahren Bödingen seinem Ende entgegen. 1952 erfolgt die Zuteilung der Flächen. Hierbei schneidet der Verein insofern gut ab, als ihm im Verhältnis zu den eingebrachten Grundstücken weitaus mehr zugeteilt werden, nämlich:

Parzelle Gemarkung Lauthausen Flur 4 Nr. 67 „In der Läutenhard“, groß 3340 m2 (die Gemarkungsgrenze wurde an dieser Stelle verlegt, das Grundstück lag vorher in der Gemarkung Altenbödingen) und die Parzelle Gemarkung Lauthausen Flur 4 Nr. 113
Auf dem Silberlingshof, groß 700 HF (Parzelle mit Hochbehälter).

Durch die Einbeziehung der Fläche der früheren "Fischzuchtanstalt” in die Quellparzelle hat die Flurbereinigungsbehörde für den Wasserleitungsverein Wichtiges erreicht:

1.       Die Quellparzelle hat nunmehr einen rechtlich gesicherten Wegeanschluss;

2.       infolge der Parzellenvergrößerung wird die Art der Bewirtschaftung des nahen Umfeldes der Quelle und deren Reinhaltung, die in der Vergangenheit häufig zu Zweifel Anlass gegeben hatte, ganz in die Hände des Vereins gelegt;

3.       honoriert die Behörde mit dieser Flächenzuteilung die Aufgabenstellung und Arbeit des Wasserleitungsvereins, die aus- schließlich auf das 'Wohl der Allgemeinheit" ausgerichtet ist. Die Flurbereinigungskosten beziffern sich auf 771,35 DM, welche auf die Mitglieder umgelegt werden.

1954 beantragt der Sportverein Bödingen, der neben dem Sportplatz in Lauthausen ein Sportheim errichtet hat, den Wasseranschluß an das Dorfnetz.

In Anbetracht der bevorstehenden Fertigstellung der Trinkwasser- Talsperre im Wahnbachtal und der Sicherung des Wasserabsatzes plant die Gemeinde Lauthausen 1957 den Zusammenschluss aller dörflichen Wasserversorgungsanlagen zu einem Gruppenwasserwerk. Dies hat zur Folge, dass der Verein in Lauthausen unter dem 12. März 1957 an den Gemeinderat in Allner eine geharnischte Eingabe macht mit der Unterschrift aller Dorfbewohner:

 

Lauthausen wächst

Im gleichen Jahr macht sich in unserem Dorf eine allgemeine Baulust bemerkbar; es werden Anschlussanträge für die Häuser Peters, H. und L. Schmitz, Oetz/Lankes, P. Schmitz, Frings und für das neue Stallgebäude Sauer beantragt, später gehen weitere Anschlussanträge von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft für den Siegkreis für zwei Häuser mit zwölf Wohnungen sowie auch für das Haus Rosauer ein. Der Vorstand sieht sich vor die scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt, diesen Ersuchen gerecht zu werden. Genehmigt er sie, so könnte das zu einer Wasserverknappung führen, genehmigt er sie nicht, so würde das die Gemeinde im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht zum Eingreifen zwingen. Schließlich entschließt sich der Vorstand, allen Anträgen stattzugeben, um sich dann am 11.08.1958 mit einem Rücktritt aus einer prekären Situation zu retten.

Unter dieser Prämisse wird ein neuer Vorstand gewählt: Bis auf den 1. Kassierer sowie den zweiten Schriftführer scheiden alle übrigen Personen aus. In dieser Zeit des sich anbahnenden Umbruchs wird Peter Peters wieder zu

1. Vorsitzenden gewählt,
Fritz Hastrich wird sein Stellvertreter,
Heinz Peters wird 1. Schriftführer,
Erwin Oetz sein Vertreter,
Wilhelm Raderschadt bleibt 1. Kassierer, ‚
Albert Hastrich sein Vertreter,
Peter Rüttgen wird Beisitzer.

Noch in der gleichen Versammlung arbeitet der neugewählte Vor- stand ein Konzept zur Versorgung der Siedlung am Sportplatz aus; er beschließt:

a)      der Siedlung den Anschluss wie beantragt zu genehmigen

b)      den Ankauf einer brachliegenden Quellenparzelle, gelegen unterhalb von Altenbödingen im Grenzbereich der bekannten Gewanne In der Läutenhard.

Das Wasser wird knapp

Der zunehmenden Wasserknappheit versuchen etliche Mitglieder mit Wasseruhren beizukommen. Hiergegen wehren sich die Inhaber der Gehöfte mit Tierhaltung vehement. Schließlich kommt es zu einer Beitragsstaffelung, die zwischen 1,-- DM bis 2,50 DM monatlich liegt (ich kann vorwegnehmen, dass hierdurch keine Besserung in der Wasserversorgung eingetreten ist)

Der Ankauf der zweiten Quelle scheitert zunächst.an der Kaufpreisforderung, schließlich aber gibt der Wasserleitungsverein Altenbödingen das Grundstück zum Preis von 1.950,-- DM her. Der Kaufvertrag datiert vom 10.04.1959, er regelt den Übergang der Parzelle Gemarkung Altenbödingen Flur 7 Nr. 213, groß 445 m2, in das Eigentum des Wasserleitungsvereíns Lauthausen e.V.

Anschließend wird die Quelle von Otto Schneider unentgeltlich eingefasst, während gleichzeitig die Firma Andree, Dondorf, unter Mitwirkung von Männern des Dorfes die Verbindungsleitung zum Hochbehälter verlegt. Die Gemeinde, die den Ankauf der Quellparzelle wie auch die Folgekosten mit 3.000,-- DM bezuschusst hat, tut in Erfüllung ihrer Fürsorgepflicht alles, um die Siedlung am Sportplatz ausreichend mit Wasser zu versorgen. Allein der Anschluss der "neuen" Quelle sollte sich als Bumerang er- weisen

Bereits 1953 hatte das Kreisgesundheitsamt nach Besichtigung der Versorgungsanlage gewisse (kleinere) Mängel am Hochbehälter festgestellt und deren Behebung angeordnet, des Weiteren war die Weisung erfolgt, dass das "Bedienungspersonal" der Wasserversorgungsanlage - der l. Vorsitzende verrichtete alle erforderlichen Arbeiten persönlich - Schutzkleider zu tragen habe, die mit einer „1 %-igen Caporitlösung“ zu desinfizieren sei. Außerdem erging Order, die Quellsenke sowie den Hochbehälter unverzüglich zu reinigen und anschließend eine Grobdesinfektion mit einer 5%-igen Sagrotanlösung (5 Esslöffel auf ein Liter Wasser) mit einer Einwirkungsdauer von einer Stunde" durchzuführen. Diese Reinigung, so hieß es weiter, sei jährlich mindestens einmal zu wiederholen, und: "die laufende und ausreichende Chlorung des Wassers und Wartung des Chlorgerätes ist sicherzustellen". Im Schlusssatz aber »kommt es ganz dick: Es wird darauf aufmerksam gemacht, "dass alles Betriebs-, Reinigungs- und Rohrbruchpersonal jährlich zweimal den Nachweis zu erbringen hat, dass Stuhl- und Urinproben frei von krankmachenden Darmbakterien sind."

 

Diese und ähnliche Anweisungen empfanden die braven Vereinsmitglieder als Schikane.

Die Verwaltung ist um die Gesundheit der Menschen besorgt

Der Vorstand verspürt in 1959 den zunehmenden Druck der Kommune, der darauf abzielt, die kleinen Wasserversorgungsanlagen abhängig zu machen und so ein Anschlussbegehren zu beschleunigen; schließlich ist die Wahnbach-Talsperre nicht allein zur Versorgung der Städte Siegburg und Bonn geschaffen worden, sie will ihr gutes Wasser auch an die Landgemeinden des Siegkreises verkaufen.

So also gewarnt, entschließt sich der Vorstand kurz vor dem Anschluss an die "neue" Quelle, das Wasser der "alten" Quelle nochmals chemisch und bakteriologisch untersuchen zu lassen, und zwar sowohl durch das Hygiene-Institut der Uni Bonn als auch durch das Land NRW - Med. Laboratorium Dr. Reil, Siegburg -. Das Ergebnis der Untersuchung durch Dr. Reil lautet, auf einen Nenner gebracht, so: „Das Wasser ist als Trinkwasser geeignet“. Die Uni Bonn fasst zusammen: “Das Ergebnis unserer Untersuchung bietet keinen Anlass zu einer Beanstandung." Die Gemeindeverwaltung veranlasst danach beim Land NRW eine abermalige Untersuchung, um zu erfahren, "inwieweit die bestehenden Wassergewinnungsanlagen (gemeint sind die Anlagen von Happerschoß, Bröl und Lauthausen) in der Lage sind, in ihrem Aufgabenbereich ausreichend und hygienisch einwandfreies Wasser zu liefern und zwar auch-dann, wenn die im Leitplan ausgewiesenen Neubaugebiete voll bebaut sind."

Das Gutachten des Geologischen Landesamtes vom 4. Juni 1959, an den Wasserleitungsverein weitergereicht am 29.06.1959, fällt so aus: Nachdem einleitend die Ergiebigkeit der "alten" Quelle für die "200 Einwohner“ des Dorfes als nicht ausreichend bezeichnet wird, heißt es weiter: 'Der Wasserleitungsverein ist, offenbar nach entsprechend praktischen Erfahrungen, bereits bestrebt, ein weiteres Quellvorkommen in der nördlich benachbarten Hanglage anzuschließen. Eine Besichtigung ergab jedoch, dass hier lehmiger Hangschutt in großer Mächtigkeit lagert, der sich in der Mulde bis zur Ortschaft Altenbödingen hinaufzieht. Wegen der Verunreinigungsgefahr durch die Oberflächenwässer im Dorfbereich ist von der Wassergewinnung an dieser Stelle entschieden abzuraten."

Dass die Gemeinde den Ankauf dieser Quelle dennoch mit 3.000,-- DM unterstützte und den Anschluss an das Dorfnetz zuließ, erscheint völlig unverständlich.

Ein weiteres Gutachten von der "neuen" Quelle vom 15.07.1959 bedeutet praktisch bereits das "Aus”: Sowohl die chemische als auch die bakteriologische Untersuchung sind eindeutig negativ. Der Direktor des Untersuchungsinstitutes fügt an: "Nach dem Ergebnis der Untersuchung ist das Quellwasser sehr stark mit Oberflächenwasser verschmutzt. Der Nachweis von typischen Kolibakterien bereits in geringen Wassermengen muß mit der Möglichkeit rechnen lassen, dass auch krankheitserregende Darmbakterien jederzeit' den Weg zur Quelle finden können. Für eine zentrale Versorgung ist die Quelle ungeeignet."

Trotz dieser schlechten Zensuren wurde die "neue" Quelle angeschlossen und blieb es ohne gesundheitliche Folgen bis zum Anschluss an die Talsperre Anfang 1964!

Wegen eines Formfehlers wird eine Nachwahl zum Vereins-Vorstand erforderlich, durch die allerdings der geschäftsführende Vorstand. nicht berührt wird, lediglich die Stellvertreter des Vor- sitzenden «und des Kassierers sowie die Stelle des Beisitzers werden ersetzt durch Heinrich Sauer jun., Johannes Lankes und Fritz Hastrich.

Der neue Vorstand setzt die Anschlussgebühr für Häuser, die von Ortsansässigen erstellt sind, auf 150,-- DM fest, für Häuser der Ortsfremden auf 300,-- DM. Die Siedlungsgesellschaft mit ihren 12 Wohnungen am Sportplatz muß eine Gebühr von 1.200,-- DM zahlen. Zur Weihnachtszeit des Jahres 1959 bringt die Wasserleitung über Nacht kein Wasser mehr in die Häuser, der Hochbehälter ist leer. Vierzehn Tage hindurch wird per Sperrhahn für die Nachtzeit die Wasserzufuhr abgedreht, allein auch diese Maßnahme zeigte keinen nennenswerten Erfolg. Nachforschungen ergaben schließlich, dass zwischen den Höfen Müller und Krohm eine schadhafte Stelle im Rohrnetz vorhanden war, aus der das Trinkwasser in großen Mengen strömte. Nach erfolgter Reparatur "stieg das Wasser auf den gewohnten Stand", vermerkt der Schriftführer, und fügt an: "Das zum Befestigen des Hydranten verendete T-Stück war im Winkel abgebrochen. Ursache ???."

1961 gehen weitere Anschlussanträge für Häuser ein, die in der Hanglage gebaut werden sollen. Mitte 1961 drängt die Gemeindeverwaltung unter Hinweis auf die vorliegenden Untersuchungsbefunde darauf, dass sich der Verein zum Anschluss an die Talsperre entschließen soll; sie weist hin auf die Möglichkeit, die zugekaufte 'neue' Quelle schließen zu können. Als die Gemeinde den Abschluss eines Vorvertrages anbietet, lehnen dies die Mitglieder mehrheitlich ab, man will einfach „keine Katze im Sack“ kaufen, außerdem ist die Talsperre zu diesem Zeitpunkt zur Lieferung von Trinkwasser noch außerstande.

Noch einmal bäumt sich der Vorstand gegen das anscheinend Unabänderliche auf, indem er abermals eine fundierte Untersuchung, diesmal durch die Uni Köln, durchführen lässt. Das Resultat (11.09.1961) liest sich zwar so, dass „kein Anlass zu hygienischen Bedenken“ bestehe, gibt gleichzeitig jedoch zu verstehen, dass ein abschließendes positives Ergebnis nur im Rahmen einer Reihenuntersuchung wie auch erst nach einer Ortsbesichtigung möglich sei. Ungeachtet dessen ergeht seitens der Gemeindeverwaltung die harsche Anweisung, dass die Bauflucht der "Odenthal-Siedlung" nicht geändert werden dürfe (dies war notwendig geworden, weil der mittlere der drei Bauten auf die Hauptzufuhrleitung der Wasserversorgungsanlage zu stehen gekommen wäre).

Der entsprechenden Beschwerde durch den Vorstand hilft die Kreisverwaltung unbürokratisch durch mündliche Weisung ab, indem sie die Änderung der Bauflucht um 2,0 m zulässt.

Die Gemeindeverwaltung erlässt eine Ordnungsverfügung, wonach das Trinkwasser nur im abgekochten Zustand getrunken werden darf. Eine rigorose Anweisung jagte die andere - ein Tor, wer sich Böses dabei dachte. Die Presse berichtete unaufhörlich über das Anschlussersuchen einzelner Dörfer. Alle Durchhalteparolen und Aufrufe, die Dinge in Ruhe auszuhandeln, fruchteten wenig. In der zum 20.09.1961 einberufenen Generalversammlung entschied sich die Mehrheit der Mitglieder für den Anschluss an die Wahnbach-Talsperre. In der gleichen Versammlung, die hektisch verlief, wird ein neuer Vereinsvorstand gewählt, dem neben Fritz Hastrich als 1. Vorsitzender Johannes Rosauer als Schriftführer, Hubert Schmitz als 2. Schriftführer, die wiedergewählten Mitglieder Wilhelm Raderschadt und Johannes Lankes als Kassierer und Peter Rüttgen als Beisitzer angehören.

Es geht dem Ende entgegen

Des Vorstandes Zielsetzung war, die Wasserversorgungsanlage nicht zu verkaufen, sondern für eventuelle Notfälle intakt zu halten, aber auch um die noch notwendigen Verhandlungen mit den Behörden in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen. Im Rahmen mehrerer Verhandlungen mit Bürgermeister Horstmann und Gemeindedirektor Moß ist dies gelungen. Außerdem wurde dem Verein erlaubt, bis zum Tag des Anschlusses an die Talsperre alle Anschluss- und Wassergebühren für sich zu verbuchen. Am 14.03.1964, als der Anschluss vollzogen war, hatte der Verein ein Guthaben von mehr als 4.000,-- DM erwirtschaftet. Da keine Ausgaben mehr anstanden, wurden ca. 1.000,-- DM für die Instandsetzung der Kapelle verwendet, der große Rest kam den Vereinsmitgliedern unmittelbar zugute.

Rückblickend ist man versucht, jene Spannungen, die um den Anschluss an die Talsperre entstanden waren, in einem anderen Lichte zu sehen.

Fraglos stand damals der Gemeindedirektor unter starkem Druck, als er seine Ordnungsverfügung über das „15-minütige Abkochen“ des Trinkwassers mit dem Argument zu rechtfertigen versuchte, er wolle sich nicht dem Vorwurf der „fahrlässigen Körperverletzung“, gar der „fahrlässigen Tötung“ aussetzen. Sicherlich hatte sich der Vorstand selbst in Zugzwang gebracht, als er sich nicht dem Begehren der großen Siedlungen und sonstigen Antragstellern auf Wasseranschluß widersetzte und diese der Fürsorgepflicht der Gemeinde überließ (die ja für die Baugenehmigungen mitverantwortlich zeichnete und dabei die Wasserversorgung offensichtlich unbeachtet gelassen hatte). Der Vorstand sah es - gutgläubig und ohne Argwohn - als seine Pflicht an, alle neuen Bauten und die darin wohnenden neuen Bürger mit Wasser zu versorgen, koste es was es wolle.

Aber auch die Vereinsmitglieder hatten nicht Unrecht, als sie nach dem Kauf der „neuen“ Quelle eine Fehlinvestition argwöhnten und meinten, in die Falle gelockt worden zu sein. Kurzum: Alle gaben ihr Bestes, alle meinten es gut.

So milde und nachsichtig geworden, möchte ich diese leidige Angelegenheit beschließen mit dem weisen Spruch: Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet!

Neue Zeit - Neue Aufgaben

Vierzehn Jahre hindurch, nämlich bis zum Jahre 1978 geschah nichts. Als aber der Vereinsvorsitzende Fritz Hastrich gestorben war und der l. Kassierer Wilhelm Raderschadt wegen Dauererkrankung sein Amt niederlegen musste, wurde zum Zwecke der Berichtigung des Vereinsregisters eine Ergänzungswahl notwendig.

Anlässlich der Generalversammlung am 19.01.1979 wurde ein neuer Vorstand gewählt, der sich zum Ziel setzte, dem Verein auf kurz oder lang eine neue Aufgabenstellung zukommen zu lassen, die über die notwendige Aufrechterhaltung der Wasser-Notversorgung hinausgehen sollte. Der neue Vorstand setzte sich aus folgenden Personen zusammen:

Heinz Peters, 1. Vorsitzender
Willi Raderschadt, 2. Vorsitzender .
Johannes Rosauer, 1. Schriftführer .
Heinrich Sauer, 2. Schriftführer
Kurt Willi Baum, 1. Kassierer
Hans Lankes, 2. Kassierer
Josef Engels, Beisitzer

Ein langjähriger Meinungsbildungsprozess setzte ein, der bis zuletzt ein gewichtiges Argument nicht ausräumen konnte, welches da lautete, dass bei einer Öffnung des Vereins für jedermann die angestammten Rechte der "gewachsenen" Mitglieder einer unzumutbaren Einschränkung ausgesetzt seien. Weil dies nicht zu leugnen war, verhielten sich viele Mitglieder reserviert, sie wollten auf keinen Fall in einen Verkauf der Anlage an die Gemeinde ein- willigen, die wiederholt Kaufinteresse signalisiert hatte.

Nachdem man aber in Versammlungen immer wieder die Vor- und Nachteile einer Neuorientierung gedreht und gewendet hatte, trat nach und nach eine Umkehr ein, die konkrete Überlegungen zuließ. Schließlich erklärten sich die Mitglieder mehrheitlich bereit, auf liebgewonnene Privilegien zu verzichten und den Verein für alle Bürger des Dorfes attraktiv zu machen.

In einer Versammlung am 13. Februar 1986, zu der alle Dorfbewohner eingeladen waren, erhielt der Wasserleitungsverein Lauthausen den Namen DORFGEMEINSCHAFT LAUTHAUSEN und in der geänderten Satzung setzte er sich die Aufgabe, “ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke auf dem Gebiet der Umwelt-, Landschafts- und Denkmalpflege" zu verfolgen. Der in dieser Versammlung neu gewählte Vorstand setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Heinz Peters, 1. Vorsitzender
Willi Raderschadt, 2. Vorsitzender
Johannes Rosauer, 1. Schriftführer
Hans A. Dargatz, 2. Schriftführer
Manfred Löbach, Kassenführer
Karlheinz Hastrich, Beisitzer
Heinrich Klein, Beisitzer
Hans Lankes, Beisitzer
Edith Löhr, Beisitzer

Seiner neuen Aufgabe ist der Verein in der Vergangenheit vollauf gerecht geworden dadurch, dass er einen historischen Wanderweg durch die früheren Weinberganlagen angelegt und ausgebaut hat. Anschließend hat er mit Verve die Restaurierung der baufällig gewordenen Dorfkapelle betrieben und gleichzeitig den völlig verwahrlosten und zugewachsenen Stationsweg frei und begehbar gemacht (die Aufträge zur Fertigung der für die Stationshäuschen bestimmten Schmerzensbildnisse [Hochreliefs] `sind bereits vergeben und werden voraussichtlich im Mai dieses Jahres in die Stationshäuschen eingebaut).

Stationshäuschen und Kapelle stehen vor der Fertigstellung.

Seit jenem denkwürdigen Tag im Februar 1986 herrscht im Dorf Aufbruchsstimmung. Ich bin sicher, dass die Bürger auch nach der Fertigstellung dieser Kleinodien alles daran setzen werden, das Dorf Lauthausen und seine Umgebung schöner zu machen. Allen Frauen und Männern, die im "Wasserleitungsverein" wie auch in der "Dorfgemeinschaft Hennef 1 - Lauthausen e.V." uneigennützig gearbeitet haben, deren Handeln also am Gesamtwohl orientiert war, sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt.