Unsere Böden

Ulrich Niehörster

Mit einsetzender Verwitterung, mit dem Wirken von Temperaturschwankungen, Wasser, Luft und Wind auf die Erdoberfläche finden sich Pflanzen und Tiere ein, die diese Vorgänge unterstützen und fördern. Es bilden sich Pflanzenstandorte, "Böden", auf und in denen Pflanzen und Tiere, angepasst an die Lebens- und Umweltbedingungen ("Ökosysteme') leben. Den Menschen wollen wir in seinem Einwirken nicht vergessen. Er sollte sich - eigentlich - kraft seiner geistigen Fähigkeiten und seiner Möglichkeiten, Vorgänge der Natur zu erkennen und zu kennen, so auf sie einstellen, dass er die Natur nicht zerstört, sondern für seinen Lebens- bedarf nutzt und nicht verbraucht oder nicht so umgestaltet, dass die~ sich dann einstellende Natur den Lebenserfordernissen des Menschen entgegensteht.

Betrachtungen über Bodenbildung und Bodenentwicklung unterstellen Zeiten der Ruhe zwischen den geologischen Vorgängen wie z.B. Heben, Senken und Falten der Erdoberfläche, Erosion, Ablagerung und Überlagerung von verwittertem Material. Im Boden (Bodenprofil) sind es entsprechende Vorgänge physikalischer und chemisch- er Art, die die Bodenbildung, Bodenentwicklung und Bodenalterung kennzeichnen.

Die Bodenkunde beschreibt diese Vorgänge und teilt die Böden in Gruppen ein z.B. Rohböden: Ranker; Braunerden; Grundwasserböden: Gleye; Bleicherden: Podsole mit vielen Übergangsformen, bei uns insbesondere den staunassen Böden (Pseudogleye). Das Zusammenwirken der mineralischen Bestandteile (Bodenskelett, Bodenarten) mit der organischen Substanz (Humus), die Durchfeuchtung und Durchlüftung, die Verlagerung der feinsten Teilchen (Tonverlagerung), die Entkalkung, die Verlehmung (Tonneubildung) die Oxydations- und Reduktionsvorgänge, die Auswaschung von Nährstoffen und andererseits der Eintrag von organischer Substanz (Durchwurzelung) und deren “Lebendverbauung" (Regenwürmer) führen je nach Tiefgründigkeit zu mehr oder weniger "wertvollen' Böden.

Gesteinsrohböden (Ranker), jüngste Entwicklungsstufen auf bei uns devonischem Ausgangsgestein treffen wir nur am Nordufer der Sieg in den ehemaligen Weinbaulagen, wo an vereinzelten steilen Stellen von der Hochfläche zwischen Bröl und Sieg der abgetragene Schutt und Lehm (Hangschutt, Fließlehm) nicht liegen geblieben sind. Sowohl auf der Höhe um Altenbödingen und Bödingen wie auch im Siegtal liegen an der Oberfläche Schichten von Lehmen über Ablagerungen der Haupt-, Mittel- und Niederterrasse. Daraus haben sich Braunerden entwickelt, meist mittelgründige, entkalkte feinsandige Lehme mit mehr oder minder hohem Kies- und/oder Sandanteil. Diese jüngeren Ablagerungen insbesondere im Siegtal mit seinen Auenlehmen stellen ein Gemisch verschiedenster Ausgangsmaterialien dar. Entscheidend für den hohen Anteil an fein- sandigen Lehmen ist bei uns der Löß, eine Windablagerung der Eiszeit über der Hauptterrasse. In ursprünglicherer Lagerung, wenn auch entkalkt und weniger mächtig treffen wir ihn noch auf dem “Silberling' südlich von Bödingen an. Im Taleinschnitt des Selbaches, in den Gründen der angrenzenden Erosionsrinnen und kleinen abflusslosen Mulden und im Siegtal (über tonigen Ablagerungen) sind staunasse Böden (Pseudogleye) nicht selten. 

Auf den Höhenrücken zwischen Bröl und Sieg und im Siegtal ist großflächigere Flächennutzung möglich. Landwirtschaft herrscht hier vor mit dem bisherigen Trend zum Ackerbau, sofern nicht die Hanglage, die stauende Nässe oder die Überschwemmungen der Sieg zur Grünlandwirtschaft zwingt. Letztere lohnt sich heute nur bei genügend großem 'Milchkontingent', eine Folge landwirtschaftlicher Überproduktion im In- und Ausland. Auf den Südhängen zur Sieg ist früher Weinbau betrieben worden. Viele verfallene, eingewachsene Bruchsteinmauern und terrassenförmige Anlagen geben es zuerkennen. Noch vor ca. 100 Jahren waren es etwa 18 ha bestockte Weingärten, soviel wie heute im Siebengebirge in Königswinter unterhalb des Drachenfels bis Oberdollendorf. Klimatisch liegt Lauthausen also noch recht günstig, hat noch Teil an der geschützten Lage der Kölner Bucht.

Die Ertragsfähigkeit des Besitzes, der Böden, war schon immer ein Maßstab für Leistungen an die Landesherren, für Steuern und Abgaben des Staates. So beschreiben die preußischen Grundsteuerreinertragsschätzungen aus 1862 auch die Bodenverhältnisse in diesem Raum. Es wurden die Nutzungsarten Acker (A), Wiese (W), Weinberg (Wg), Obst (O) und Garten (G) beschrieben bei einer Klassenspanne von I (beste Böden - Standorte -) bis X (schlechteste Standorte). Überwiegend wurde hier in die Klasse V und VI eingestuft, wie es aus alten Karten ersichtlich ist:

Bessere Acker (A IV und A V) im Siegtal 'auf der Wingertseite', bessere Grünlandlagen (W IV) in der Auelshecke wechseln in den Hanglagen vom Wingert (Wg V und Wg VI) im Auelshecker Weinberg und Weisenberg bis zu Wg II, WG III beziehungsweise O II und O III im Gottgelob und Priors Huddel, bis zum W VI in der “saure Wies' oberhalb des Schreiert.

Wenn man die Örtlichkeit kennt, eine recht grobe Einteilung, die manche Unterschiede des Standortes nicht erfasste, eine grobe Einschätzung in typisierte Grundsteuerreinertragsklassen.

Erst ab 1935 hat man sich durch das Bodenschätzungsgesetz vom 16. Oktober 1934 von dieser Art der Bonitierung gelöst. Der beschreibende Teil ist seitdem genauer: Bodenart, Zustandstufe (Entwicklungsstufe), geologische Entstehung, Wasserverhältnisse bei Grünland, Hängigkeit und andere Besonderheiten und das Klima führen zu Reinertragsverhältniszahlen von 1 bis 100, ursprünglich Bodenklimazahlen genannt, jetzt Acker- bzw. Grünlandzahlen. Diese Ergebnisse der Bodenschätzung werden für alle landwirtschaftlich genutzten Böden als Ertragsmeßzahlen im Liegenschaftskataster ausgewiesen. Sie dienen als Grundlage für die Einheitsbewertung des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens, Grundlage wiederum für Steuern und Abgaben, Kennzeichen der Bodengüte für Wertermittlungen bei Kauf, Pacht, Beleihung usw.. Fast jeder Eigentümer oder Pächter eines Ackers oder einer Wiese hat schon einmal von den 'Bodenpunkten' gehört. Bis zu 1 m tief wurden die Böden angebohrt (vereinzelt aufgegraben) im Abstand von ca. 30 m x 30 m bis 50 m x 50 m je nachdem wie stark die Böden wechseln. Diese Ergebnisse der Bodenschätzung (durchgeführt von der Finanzverwaltung) sind auch allgemein zugänglich. Das Geologische Landesamt in Krefeld erstellt für das Land Nordrhein-Westfalen flächendeckend die Bodenkarte auf der Grundlage der Deutschen Grundkarte im Maßstab 1 : 5000. Dem interessierten Bürger gibt ein solches Kartenwerk viel Aufschluss.

Das Katasteramt vertreibt diese Karten. Leider liegt Lauthausen/Bödingen im Schnittbereich von 4 Karten:

1.       südlich: Blätter Lauthausen und Greuelsiefen

2.       nördlich: Blätter Altenbödingen, Bröl und Bödingen, wobei das Kartenblatt Bödingen noch nicht fertiggestellt ist.

 

Tagelang habe ich den Acker gepflügt,
unzählige Furchen achtsam gezogen fürwahr,
schnurgrad glaubt ich sie

Aber nun schau ich vom Hügel hinunter,
da siehe die meisten leider gerieten mir krumm,
wenige laufen gerad Ruhe,
mein sorgliches Herz!
Einst, über Krumm und Gerad neigt sich das reifende Korn.

H.Carossa