Wetter und Klima in Lauthausen unter besonderer Berücksichtigung des Jahres 1989

Johannes Rosauer

Wenn sich die Menschen über das Wetter unterhalten, treten die unterschiedlichsten Ansichten zutage. Nicht nur, dass die Begriffe von Wetter, Witterung, Wetterlage und Klima vielfach zu Missverständnissen führen, auch die Vorstellungen von dem, was man unter "gutem" bzw. "schlechtem" Wetter versteht, gehen häufig auseinander, weil die Anforderungen grundverschieden sind. Der Ackerbauer sehnt in unseren Breitengraden für die Monate Mai bis Juli Regen herbei, damit der Boden genügend Feuchtigkeit speichern und reiche Frucht hervorbringen kann. Der milcherzeugende Landwirt will “im Mai feucht und nass", um im Juni bei Sonne Heu und Silofutter einfahren zu können. Der sonnenhungrige Urlauber versteht unter einem 'schönen' Sommer lange Phasen mit Sonnenschein, hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen, angefangen im Mai, endend im Oktober.

Wir sehen, auch hier gilt das geflügelte Wort:

“Wat däm eene seng Uhl, es däm anderen seng Nachtijal.“

Wenn aber vom Jahre 1989 die Rede ist, dann sind sich alle einig, dass man ihm nur gute Noten erteilen muß: Die Sonnenanbeter, die Gärtner (die allenfalls die Mäuseplage kritisieren), die Urlauber, die Wander- und Naturfreunde. Selbst die Landwirte, sonst anspruchsvoll und zurückhaltend, besingen 1989 in den höchsten Tönen. Auch ich möchte mich diesen Aussagen, wenn auch mit Einschränkung, anschließen, aber auch dartun, warum.

Seit 1977 notiere ich in Lauthausen, etwa 80 Meter über dem Meeresspiegel (NN), jene Wetterdaten, die mir für eine Klimabestimmung wichtig erscheinen. Es ist klar, dass dieser Zeitraum von 13 Jahren für die Ermittlung exakter Durchschnittswerte zu kurz ist. Allerdings erheben sie auch nicht Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit. Schließlich möchte ich dem Leser lediglich ein ungefähres Bild der hiesigen Klimalage unter besonderer Berücksichtigung des Jahres 1989 vermitteln, zumal Vergleichsdaten m. W. nicht zur Verfügung stehen (die Wetterstation auf dem "Wiesengut" der Uni Bonn in Hennef existiert erst wenige Jahre).

Einige wenige Klimadaten, die für die Katastergemeinden (Gemarkungen) Lauthausen und Altenbödingen vor mehr als 40 Jahren festgeschrieben wurden, werde ich als solche bezeichnen. (Erläuterungen: N = Niederschlag, Ø = Durchschnitt, T = Temperatur, m - Millimeter = Liter/m2).

 

 

 

Der heißeste Tag war der 07.07. mit 34 Grad Celsius.

Im Monat Oktober waren weitere 13 Tage mit T über 18 Grad Celsius noch zu verzeichnen.

Die mittlere Sonnenscheindauer beträgt in Bonn nach einem langjährigen Mittel (1951 - 1980) 1491 Stunden. In 1989 betrug sie nach den Messungen der Wetterstation Bonn-Friesdorf 1679 Stunden, das sind 12,6 % über dem Durchschnitt. Hierzu ist ein- schränkend zu vermerken, daß die Sonnenscheindauer auch in der kalten Jahreszeit gemessen wird.

Was ist nun aus den Tabellen zu lesen?

Hinsichtlich der Jahresniederschläge (Tab. 1) steht das Jahr 1989 an 2. Stelle (703 mm) nach 1985. Mit einem Niederschlag von nur 45 mm im Durchschnitt der Monate des Frühsommers (Mai-Juli) steht das Jahr 1989 auf dem 1. Platz, bezogen auf alle Sommermonate (Mai-Sept.) rückt es allerdings auf den 2. Platz nach 1983.

Die Niederschlagsmenge von durchschnittlich 882 mm liegt 82 mm oder 10,0 % über dem vor mehr als 40 Jahren festgeschriebenen Mittel der Gemarkungen Altenbödingen und Lauthausen in Höhe von 800 mm. -Die Gründe sind in der Lage des Dorfes (Messstelle) VOY dem nördlich auf 180 Meter ansteigenden Bergland zu suchen. 

Was in 1989 auffällt (weil es nicht unserem Klimabild entspricht) und aus der Tab. 2 deutlich wird, ist, daß von insgesamt 146 Regentagen nur 48 auf die 5 Sommermonate entfallen - ausreichend für die Grünlandwirtschaft, ideal sozusagen für den Sonnenanbeter.

Die durchschnittliche Temperatur des Jahres 1989 (Tab. 3) von 10,7 Grad Celsius bedeutet absolute Spitze, wenn auch die Einzelergebnisse der Sommermonate verschiedentlich 1989 übertreffen und ihm nur einen Platz in der Spitzengruppe einräumen. Dabei muß aber bedacht werden, daß das Jahr 1989 viele warme Tage bereits im März und dann noch im Oktober hatte. Der Monat März ist insofern erwähnenswert, als er im Norden der Republik der wärmste seit 51 Jahren war, im Süden wurden die höchsten März- Temperaturen seit Beginn der amtlichen Wetterbeobachtung vor 100 Jahren gemessen.

Die von mir notierten Jahrestemperaturen ergeben ein Mittel von 9,65 Grad Celsius. Damit liegt der Ort Lauthausen ebenfalls um 0.65 Grad Celsius über dem Mittel der Gemarkungen Lauthausen und Altenbödingen von 9,0 Grad Celsius, was sicherlich der exponierten Südhanglage zuzuschreiben ist. Die in Tab. 4 festgehaltenen Maximal-Temperaturen (Messung der höchsten Tagestemperatur) belegen die Spitzenposition des Jahres 1989, und zwar sowohl in Bezug auf den durchschnittlichen Jahres- wert als auch zu den T der Monate des Frühsommers, aber auch zum Mittel aller Sommermonate (mit dem Jahr 1982).

Zusammenfassung:

1.       Wenn auch alle Klimaelemente nicht erfasst werden konnten (Luftdruck- und Windmessungen gehören dazu), so spiegeln meine Niederschlags- und Temperaturtabellen dennoch einen für unser Dorf charakteristischen Ablauf der Witterung wider, der durchaus Vergleiche mit dem Klima des Rheintales zwischen Bonn und Köln erlaubt.

2.       1989 trägt alle Merkmale eines guten und schönen Jahres: Hohe Temperaturen, verteilt auf Frühjahr, Sommer und sogar den Herbstmonat Oktober, sowie niedrige Niederschläge mit einer einzigartigen Verteilung auf die gesamte Zeit der Vegetation.   

Pressenotizen über Wetter und Klima

Der warme Sommer 1989 hat weitere Veränderungen des Ökosystems Nordsee mit sich gebracht. Wärmeliebende Quallen der Art Muggiaea Atlantica, die normalerweise ihre nördliche Verbreitungsgrenze am Eingang des Ärmelkanals haben, vermehrten sich in der Deutschen Bucht massenhaft. Die kleinen, räuberischen Quallen dezimierten die sonst sehr häufigen Ruderfußkrebse (coppe poda) auf ein Zehntel der normalen Häufigkeit. Dies führte zu einer starken Vermehrung von Planktonalgen, der Nahrungsgrundlage der Ruderfußkrebse. Ob diese Entwicklung bereits als Auswirkung einer globalen Klimaerwärmung zu werten ist, muß - so die Wissenschaftler - derzeit noch offenbleiben.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger


Weiterhin Trend zur weltweiten Erwärmung Washington (dpa)

Der Trend zur weltweiten Erwärmung hält an: Das vergangene Jahr 1989 war das fünft-wärmste Jahr in den vergangenen hundert Jahren. Die amerikanische Zeitung “Washington Post' zitiert jetzt Wissenschaftler des britischen Meteorologischen Dienstes und der Universität von East Anglia, wonach sechs der wärmsten zehn Jahre seit dem Beginn der lückenlosen Klimaaufzeichnung vor etwa hundert Jahren in den 80 er Jahren lagen. Die insgesamt höchsten Temperaturen der letzten hundert Jahre wurden 1988 verzeichnet. Andere besonders heiße Jahre waren 1980, 1981, 1983, 1987 und 1989. Auf den Wärmeanstieg haben nach den Untersuchungen der britischen Forscher die oberflächennahen Teile der Weltmeere mit einer Temperaturzunahme um 0,25 Grad Celsius reagiert. 'Das ist nicht viel für den Mann auf der Straße", Sagt David Parker, Sprecher “des britischen Wetterdıenstes, für einen Klimatologen ist es aber eine ganze Menge." "Ich glaube, daß der Treibhauseffekt in den 80 er Jahren eingesetzt hat" meint auch Stephen Schneider vom amerikanischen Zentrum für Atmosphärenforschung: Aber es wird 20 Jahre dauern, bis wir das zweifelsfrei nachgewiesen haben.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger '


„Forscher müssen neu anfangen“

 wy Köln. Die schweren Orkane der letzten Wochen haben die' Klimamodelle der Meteorologen durcheinandergewirbelt. Sturmkatastrophen kamen in den wissenschaftlichen Voraussagen nicht vor. Professor Christian Dietrich Schönwieser vom Institut für Meteorologie der Universität Frankfurt stellt fest, daß die Orkane nicht in die Modelle vom Treibhauseffekt - der Erwärmung der Erde durch Umwelteinflüsse – passen. "Die Forschung muß wohl von vorne anfangen." Der Treibhauseffekt hätte nach den bisherigen Überlegungen zur Folge haben müssen, daß sich die Windgeschwindigkeit in unseren Breiten verringert. Das Gegenteil ist passiert- Schönwieser: „Jetzt müssen wir überlegen, was an unseren Klimamodellen falsch ist.“ Fest steht, daß sich die Temperatur auf der Erde tatsächlich erwärmt hat - um ein halbes Grad in den letzten 100 Jahren. Bedenklich sei auch, so Schwieser, dass der jetzige Winter der wärmste seit 1795 ist. Der Bonner Meteorologe Hermann Flohn vermutet, daß die Orkane in den Modellen nicht vorausberechnet wurden, weil man die Verdunstung der Ozeane nicht einkalkulierte, (die eine stark erhöhte Windzirkulation zur Folge habe. Schönwieser nimmt an, daß sich die Orkane bilden, weil sich die untere Atmosphäre durch den Treibhauseffekt immer weiter erwärme, während die obere Atmosphäre weiter abkühle. “Das alles muß jetzt wissenschaftlich untersucht werden.“

Quelle: Kölnische Rundschau .


Erwärmung fördert Stürme

Indizien für Zusammenhang mit "Treibhauseffekt"

Drei schwere Stürme kurz hintereinander haben nicht nur West- und Mitteleuropa durcheinander- gewirbelt, sondern auch viel Wirbel 'in der Klima-Forschung verursacht. Die große Frage lautet: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Erde (“Treibhauseffekt”) und der Häufung von Stürmen, die nicht nur in den gemäßigten Zonen festzustellen ist? Viele Experten sind mit ihren Antworten vorsichtig und kleiden ihre Unsicherheit in die sprachliche Formel “nicht auszuschließen, aber auch nicht zu beweisen".

Die Bonner Enquete-Kommission "Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ wird da schon deutlicher. “ Mit ziemlicher Sicherheit gibt es diesen Zusammen- hang", sagt Hartmut Behrend, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Enquete-Kommission. Dafür spräche eine Reihe gewichtiger Indizien.

Schon seit einigen Jahren nimmt in den tropischen Zonen der Erde, wie etwa in der Karibik, die Zahl der Hurrikans zu. Entscheidend für die Bildung tropischer Wirbelstürme sind die Temperaturunterschiede zwischen den unteren (warmen) und den hohen (kalten) Luftschichten.

Gerade diese Differenz ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Weltweite Messungen ergaben, dass die Wasser-Temperatur an der Meeresoberfläche - die der Lufttemperatur gleichzusetzen ist - zwischen 1982 und 1988 pro Jahr um durchschnittlich 0,1 Grad Celsius gestiegen ist. Behrend spricht von einer "alarmierenden Entwicklung". Zum Vergleich: Von der letzten Eiszeit vor 13.000 Jahren bis Anfang der 80 er Jahre dieses Jahrhunderts stieg die Temperatur insgesamt nur um fünf Grad.

Der größte Anstieg wird zurzeit in den Tropen gemessen. Die Temperatur an der Meeresoberfläche der Karibik beträgt vor Jamaica schon 26 und vor Venezuela sogar 27 bis 28 Grad. Bei Werten ab 27 Grad aber nimmt, so Fachleute, die Bildung von Hurrikans sprunghaft zu.

Die zunehmende Erwärmung in den Tropen hat mittelbare Auswirkungen auf das Wettergeschehen in gemäßigten Zonen. In unseren Breiten allerdings bilden sich Stürme nicht als Folge vertikaler Temperaturunterschiede wie in den Tropen. Entscheidend ist hier die Temperaturdifferenz zwischen tropischen / subtropischen und polaren Luftmassen. Stoßen sie auf- einander, dann entwickeln sich jene Sturmtiefs über dem Atlantik wie die der letzten Wochen. Auch diese - vertikalen - Temperaturunterschiede werden größer. Die Forscher beobachten eine immer noch fast gleichbleibende Temperatur in der Arktis und einen relativ hohen Wärmeanstieg des Nordatlantiks und seiner Luft. Gerade das aber begünstigt die Entwicklung von Stürmen.

Quelle: Stadtanzeiger vom 09.02.1990