Von Weinversteigerungen, Verkauf von Traubenanteilen und Weinbergen

Dr. Josef Walterscheid

Vorbemerkung:

Wer mit wachen Augen durch die von Müschmühle bis zum Lusthäuschen auf dem Silberling reichende Hanglage wandert, der gewahrt alte Stützmauern, Erdwälle, Gräben, Böschungen und Bewirtschaftungsgrenzen, die Rätsel aufgeben.

Der Kundige weiß, dass es sich hierbei meist um Relikte aus der Zeit des Weinanbaues handelt, die Rückschlüsse auf die Art und Dauer der Bodenbearbeitung, Parzellengröße u.v.a.m. zulassen. Die Namen etlicher untergegangener Gewannebzeichnungen und ihre Bedeutung hat der Verein DORFGEMEINSCHAFT LAUTHAUSEN am Wanderweg, der durch die alten Weinberglagen führt, auf Holzstelen schreiben lassen. Sie sollen dem Interessierten jene alten Weinlagen aufzeigen, die im Erzählgut der Dörfler verankert sind. Aus ähnlichem Grund möchte ich dem Leser eine Abhandlung in Erinnerung bringen, die von Dr. Josef Walterscheid verfasst und vor mehr als fünfzig Jahren in den „Heimatblättern des Siegkreises“ veröffentlicht worden ist.

Zuvor möchte ich darauf hinweisen, dass die in dieser Abhandlung auftauchenden Fachbegriffe, Maße, Namen usw. von mir abschließend erläutert werden. Dabei stütze ich mich auf eine Veröffentlichung des Geschichts- und Altertumsvereins in Siegburg (Herausgeber Prof. Dr. Fischer), die als Dokumentation des Weinbaus unter dem Titel „Der Weinbau im Gebiet des ehemaligen Siegkreises“ von KH. OSSENDORF 1978 verfasst worden ist. Er liefert dem Leser mit einer Fülle von Daten und Einzelangaben (nebst um- fangreichem Quellenverzeichnis) in prägnanter Form den Beweis, 'dass es schon früh einen blühenden Weinbau ... bis nach Ranzel und die Sieg hinauf bis nach Eitorf gegeben hat.“

 

 Nach steilem Anstieg lässt sich an den alten Stützmauer „IM AUELSHECKER WINGERT“ gut ruhen Heinz Peters mit Herrn Luhmer

Ossendorf haben wir es zu verdanken, dass er in seinem Werk all das, was über den Weinanbau regional veröffentlicht worden ist, gebündelt auf nur 158 Seiten leicht lesbar vermittelt. Ich kann das Buch, das zum Preis von nur DM 24,-- beim Geschichts- und Altertumsverein in Siegburg, Stadtverwaltung, zu beziehen ist, allen Interessenten wärmstens empfehlen. J.R.

1.

Im Amtsblatt des Regierungsbezirkes Köln vom 4. Januar 1820 zeigt der Königliche Rentmeister Schäfer, der seinen Amtssitz in Königswinter hatte, an, dass am 17. Januar, vormittags 10 Uhr, im Gasthof zum Stern in Siegburg die im dortigen Depot eingeherbsteten diesjährigen Domänenweine, nämlich:

                                               75 Ohm, 19 Viertel Bleichart,
                                               9 Ohm, 2 Viertel weiße Weine
öffentlich zum Verkauf ausgesetzt werden und des anderen Tags am 18. Januar, nachmittags 2 Uhr, in der Behausung der Witwe Franz Sülzen in Niederdollendorf mit der Versteigerung der im Oberdollendorfer Depot liegenden Weine, bestehend:

In 51 Ohm, 13 Viertel Bleichart,
und 1 36 Ohm, 12 Viertel weißen Wein
fortgefahren werde.

Die Proben können Tags vorher an den Fässern genommen werden.

Am 18. April 1821 gibt Schäfer dann wiederum bekannt: Am Donnerstag, den 26. dieses Nachmittags 3 Uhr, wird dahier im Gasthof zum Drachenfels der letztjährige Domanial-Wein
                                               bestehend in 22 Zulästen

Honnefer, Königswinterer, Dollendorfer und Siegburger Wachstum, worunter drei Fässer weißer Wein, nebst zweien Fässern 1819 er Bödinger weißer Wein, meistbietend zum Ankauf ausgesetzt werden.

Bei dieser Gelegenheit werden auch die zum Schulfonds gehörigen Weine, bestehend in 28 Ohm Königswinterer und Honnefer Bleichart und in zwei Fässern weißer Wein versteigert werden.

2.

Über den Verkauf der dem Staat zufallenden Trauben-Anteile lesen wir im Bonner Wochenblatt vom 2. Oktober 1828: Am Montag, den 6. des kommenden Monats, Nachmittags 4 Uhr, werden im Berliner Hof dahier die pachtmäßigen Trauben-Anteile von nachstehenden Weingütern, nämlich:

1.       Vom 12. Weingut zu Rhöndorf, wovon der Wilh. ? der Pächter _

2.       Vom 22. Weingute zu Niederdollendorf, das Paffrather Gut genannt, wovon der Christian Thiebes der Pächter.

3.       Vom 25. Weingute Niederdollendorf, wovon die Erben Friedrich Müller die Pächter.

4.       Vom Weingute zu Blankenberg, wovon der Scheffen Müller et Cons. die Pächter.

5.       Die Trauben, von dem dahier noch vorhandenen 20 Drittels Weingärten, so wie

6.       desgleichen die Trauben, von den zu Oberdollendorf vorhandenen 6 Drittels Weingärten, meistbietend zum Ankaufe ausgesetzt werden. Gleicher Zeit werden für das laufende Jahr verpachtet:

1.       Der Traubenzehnte zu Honnef, so wie der Weinpacht.

2.       Der Traubenzehnte zu Rhöndorf nebst Weinpacht.

3.       Der Traubenzehnte dahier und der Weinpacht.

4.       Der Traubenzehnte zu Ober- und Niederdollendorf und der Weinpacht.

5.       Der Traubenzehnte zu Oberkassel und der Weinpacht.

6.       Der Traubenzehnte zu Küdinghoven, Ramersdorf und Limperich und der Weinpacht.

7.       Der Traubenzehnte zu Beuel und zu Rheindorf.

8.       Der Traubenzehnte zu Altenbödingen.

9.       Der Traubenzehnte in der Weingartsgasse.

10.   Der Traubenzehnte in der Götzenhardt und zu Striefen.

3.

Im Amtsblatt vom 22. März 1825 lesen wir folgende Bekanntmachung:

Am Montag den 28. dieses, vormittags 10 Uhr, werden dahier bei Gastgeber Mäurer nachstehende Gegenstände zum Ankaufe meistbietend ausgestellt werden.

A.      Das Schloss von Kelterhaus zu Blankenberg mit dem dazu gehörigen Weinberge und daran liegenden Ackerländereien und Büschen, haltend.

a)      Der Umfang des Schlosses mit der Burghardt 20 Morgen 135 Ruten rheinisch,

b)      der Weinberg ... 6 Morgen 91 Ruten rheinisch,

c)       die Gärten (jetzt Ackerländereien) 5 Morgen 128 Ruten rheinisch,

d)      das Kelterhaus und das dazu gehörige Areal . . . . . . . . .. 61 Ruten rheinisch, 33 Morgen 55 Ruten rheinisch,

verpachtet, was die Weingärten angehet, gegen den halben Trauben an Katterbach Pons[1]

B.      Der Bödinger Weinberg, haltend und zwar:

a)      der Weinberg ...5 Morgen 2 Ruten,

b)      der daran gelegene unkultivierte Teil ... 7 Morgen 108 Ruten, 12 Morgen 110 Ruten, bisher verpachtet an Herrn Eich und Konsorten gegen den dritten Trauben.

C.       

a)      Der Weinberg zu Seligenthal, der Mühlenberg genannt, haltend 7 Morgen 16 Ruten,

b)      das daran liegende Ackerland 1 Morgen 76 Ruten,

c)       und das Gesträuch 1 Morgen 172 Ruten, 10 Morgen 84 Ruten, verpachtet gegen die Abgabe des halben Traubens, an Schätzen und Genossen.

4.

Der Verkauf eines Weingutes im Siebengebirge ist im Bonner Wochenblatt vom 13. Mai 1832 angezeigt: Das zu Rommersdorf bei Honnef gelegene Bungartshöfchen, bestehend aus einer freistehenden Halbwinnerzimmerswohnung mit daran liegendem großen Garten, dann dazu gehörigen Viehställen und Kelterhaus, mit Weinpresse und Blochbüdden, ferner in Magdeburger Maß:
                                               3 Morg. 89 R. 90 F. Weingärten,
                                               6 Morg. 160 R. 55 Fuß Ackerland,
                                               17 Morg. Rahmbuschen und Wiesen

ist am 2, Juni 1832 zu verkaufen.

Ahm oder Ohm      (als Hohlmaß) hat verschiedene Größen, im Rheingau: 1 Stückfaß = 1200 Liter = 6 Ohm, also 1 Ohm = 200 Liter. Das Cölner Ohm wird mit 141,85 Liter berechnet. "Aus einer Aufstellung vom Beginn des 19. Jahrhunderts .... erfahren wir, dass bei genauester Umrechnung für 1 Ohm Literinhalte von 92,25 Liter für Neustadt bis zu 191,87 Liter für (den Ort) Edenhoben angegeben werden. Dazwischen werden ein rundes Dutzend andere Maße genannt, woraus sich ein Mittel für die Pfalz von ungefähr 140 Liter ergibt“ (Seite 148).

Rute                            (als Flächenmaß) Die Pinte = 2 Ar oder = 14 Ruten (das entspricht den Berechnungen der Neunkirchener Bauern um 1930 - 1935, die die Rute 14-HP groß bezeichneten, also 178 Ruten = 1 Preuss. Morgen)

Zulästen                    (als Hohlmaß) Ich zitiere: “Im Keller ist das Ahm=Ohm oder auch Pint, Quart und Maß aus dem Verkehr gekommen, auch Viertel und Zulast“ (Seite 145). Also Zulast = 1 Ohm
„22 Zulästen“ von je (ungefähr) 140 Liter = ca. 3000 Liter .

 

Bleichart oder Bleichert.“ Ein Besuch auf der Höhe des Silberling, ein schöner Weinberg, Eigentum des Herrn Bürger- meister Eich, wo in guten Jahren gar trefflicher Bleichart erzielt wird ...', schreibt WEYDEN in seinem Buch DAS SIEGTHAL von 1870 (Seite 144). > "... ein blassroter Wein, der seinen Namen von seiner bleichen Farbe bezieht. Im Gegensatz zur heute üblichen Art der Rotweingewinnung kelterte man früher die Rotweintraube in gleicher Weise wie die Weißweintraube. Weil man früher den Wein vor der Gärung kelterte, also bevor der Farbstoff der Hülsen sich mit dem Saft verbunden hatte, behielt er eine hellrötlich-bleiche Farbe; - darauf bezieht sich der Name..", so Kinkel 1849 (8.130).

„Den dritten(halben) Trauben", sinngemäß wie der Traubenzehnte oder "Drittelwingert“. D.h. der Weinbauer hatte dem Berechtigten ein Drittel bzw. die Hälfte bzw. ein Zehntel des Traubenertrags abzuliefern. "Härter als den Weinbauern, die den zehnten Teil ihrer Lese abgeben mussten, waren die Halbwinner, denn sie mussten die Hälfte der Traubenernte abführen. Das Pastorsgut von Winterscheid, in der Stachelhardt gelegen, wurde von einem Halbwinner bewirtschaftet" (Seite 121).

Götzenhard             Gewannebezeichnung für eine Weinlage in der Gemeinde Lauthausen, nahe Niederhalberg im Steilhang nach Bülgenauel

Bei der Fertigstellung des Wanderweges in der früheren Weinberglage:
Heinz Peters im Kreise seiner Mitstreiter v.l.n.r.: Willi Löper, Willi Raderschadt, Heinz Krüger, Albert Weist, Heinz Peters, Ralf Löhr, Hubert Schmitz, J. Rosauer fotografiert

 

Rahmbüschen         (Lat. ramus - der Zweig, Ast)
Der Rahmbusch war der Wald oder Busch der Winzer, wo die Weinstöcke gezogen wurden. Gewanne- oder Ortsbezeichnungen wie Ramersdorf, Rambusch oder Rämelshart weisen auf Waldlagen hin, denen die Weinbauern ihre Ramen entnahmen.

Zum Schluss noch eine Kostprobe aus dem Buch Ossendorfs: „1518 gaben Wilhelm Pütz und seine Frau Agnes dem Kloster Bödingen ein Tagwerk Weinberg. Am 28. Juli 1517 gaben Johann Richwin aus Bröl und Göde seine Gattin einen Weinberg in der Auelshecke im Tausch an das Kloster Bödingen“. Und: „Das Kloster Bödingen hatte einen eigenen Kellermeister. 1486 wird von 'unserem Mitbruder Welghen, unserem Kellermeister aus Lauthausen' gesprochen. 1541 ist von dem ehrenwerten Nolden Hannes aus Kalverbröl die Rede“ (Seite 63).

 

Kelterhaus in Blankenberg-Stein. So ähnlich könnte unser Kelterhaus in der Auelshecke aussehen, wenn es nicht leichtfertigem Zweckdenken zum Opfer gefallen wäre. In Ossendorfs Buch, Seite 80, heißt es:

„1644 wird ein Fürstliches Kelterhaus unten an der Sieg, in der Auen genannt. Es stand jenseits der Sieg und war in diesem Jahr besonders am Dach sehr baufällig. Für die Wiederherstellung des Kelterhauses hatten die Eingesessenen des Kirchspiels Winterscheid zu sorgen (weil der Stachelhardter Wein hier gekeltert wurde?). 1683 (vergl. mit Inschrift über dem Torbogen) wurde das Haus auf der rechten Siegseite erneuert, 1763 ließ es jedoch Rentmeister von Ley auf die linke Siegseite bringen und in Stein am Fuße des Burgberges neu aufrichten, wo es heute noch steht.“



[1] Ankäufer von Schloss Blankenberg war General von Delitz aus Königswinter