Erinnerungen an den Krieg an der Sieg

Johannes Rosauer

Über den letzten Krieg in Europa ist viel geschrieben, sehr viel berichtet und noch mehr erzählt worden. Auch über die allerletzte Kriegsphase, in der die Alliierten den Rhein überschritten haben, um in das Herz Deutschlands zu stoßen und dabei ca. drei Wochen an unserem Fluss verharrten (bis der Ruhrkessel geschlossen war), sind umfangreiche Dokumentationen verfasst worden. Allein von jenen grausamen Kriegsereignissen, die sich in unserem Dorf zugetragen haben und keineswegs, wie von manchen gefordert, heroisch ertragen wurden, gibt es weder Tagebücher noch Notizen noch Fotos.

Was bleibt, ist die Erinnerung an jene Zeit, die eine Reihe Ortsansässiger durchlebt haben.

Ich werde sie alle zu Wort kommen lassen, werde nichts verharmlosen und nichts beschönigen. .

Herr Max Bergmann (M.B.) aus Hennef-Geistingen, der über Foto- und Dokumentationsmaterial aller Art aus dieser Zeit des Krieges verfügt, hat mir dankenswerter Weise mit vielen Details, z.B. über die Militäreinheiten auf beiden Seiten, über Aufmarschpläne und Daten helfen können. Seine Sammlungen aus deutschen und amerikanischen Archiven geben Aufschluss über mancherlei Vorkommnisse, die längst in Vergessenheit geraten sind und deshalb ausgegraben werden sollten.

Auch in diesem Sinne ist Bundespräsident Richard von Weizäcker zu verstehen, der in seiner Rede am 8. Mai 1985 sagte:

'Wer aber vor der Vergangenheit
die Augen verschließt,
wird blind für die Gegenwart.
Wer sich der Unmenschlichkeit nicht
erinnern will,
der wird anfällig
für neue Ansteckungsgefahren.“

Nach diesem Vorspann möchte ich dartun, was die Lauthausener über den Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen an der Sieg erzählen:

Bereits vor dem Anrücken der amerikanischen Streitkräfte fanden über dem Siegtal viele Luftkämpfe statt, erstmals zur Weihnachtszeit 1944. Dabei kamen viele Flugzeuge zum Absturz, so einmal an den Kirschbäumen, die am Ortsausgang bis zur ersten Kurve der Hauptstraße (heute K 36) gestanden haben. Der amerikanische oder englische Pilot hat sich mit dem Fallschirm retten können und ist in Gewahrsam genommen worden. In dieser Zeit hat auch ein Sonderzug der Reichsbahn mit einem deutschen Führungsstab in dem Bergeinschnitt bei Haus Attenbach gestanden. Dieser Sonderzug wie auch die Bahnanlage selbst wurden von Kampfflugzeugen ständig angegriffen. Häufig flogen die Flugzeuge diese Objekte quer zum Siegtal hin an; dann tauchten sie urplötzlich über Altenbödingen auf und setzten zum Sturzflug auf die Bahnlinie an, dabei schossen sie mit Bordkanonen und warfen ihre Bombenlast ab (G.K., G.R.).

 Amerikanische Jagdflugzeuge und Jagdbomber griffen in der Ortslage auch Zivilfisten an. Der alte Josef Horbach aus Schwarzrheindorf, der mit seiner Familie im Hause Baum Schutz suchte, wurde einmal sogar auf einem Obstbungert angegriffen. Er hat sich schnell hinter eine dort abgestellte Jauchekarre geworfen; aber der Pilot hat das gesehen, hat nochmals zum Sturzflug angesetzt und dabei das Jauchefass durchschossen. Der Mann ist mit dem Schrecken davongekommen (G.R.).

Am Wäldchen im Kötterichsberg stand eine Kartoffelsiliermaschine, aus der ein etwa 3 m langes Ofenrohr zum Himmel ragte. Diese Maschine ist von den doppelrumpfigen Lightnings von Südost her immer wieder "angegriffen" und so stark beschossen worden, dass die Geschoßgaben der Bordkanonen bis an unser Haus streuten (H.P.).

Dann hat schwere Artillerie von Godesberg her damit begonnen, den vorderen Nutscheid, also den Wald hinter der Ortschaft Driesch zu beschießen. Dort standen lange Kolonnen ausgedienter Militärfahrzeuge, die die Beobachter aus der Luft als solche wohl nicht identifiziert haben. In der Schusslinie der schweren Artillerie lag auch der Bödinger Kirchturm, der dabei etliche Male getroffen wurde (H.P.). Ab 10.03 steht auch die Siegbrücke in Allner von der anderen Rheinseite her unter Beschuss (M.B.).

Am 8. März 1945 gelingt es den Amerikanern, die Remagener Brücke einzunehmen und sofort in den Westerwald vorzustoßen. Zu dieser Zeit befindet sich der Verfasser mit einem Kameraden auf Dienstreise ins Bergische. Land. Von Hennef aus hatten wir uns für wenige Tage wechselseitigen Urlaub auf Ehrenwort gegeben, um kurz die Eltern zu besuchen, er in Lorscheid auf den Linzer Höhen, ich in Neunkirchen-Schöneshof. Am 9.03. erscheint er in Neunkirchen und erzählt, noch völlig aufgelöst, dass er buchstäblich in letzter Sekunde aus dem Elternhause gerannt sei, als amerikanische Soldaten vor der Haustür gestanden hätten.

Als ich mich nach Erfüllung meines Dienstauftrages am 15. März von meinem Vater verabschiedete, sagte dieser (ein Weltkriegsteilnehmer), dass die Artillerie der Amerikaner am Fuße des Ölberges stehe und ins Siegtal hineinschieße. Ab diesem Zeitpunkt also liegt der Ort Lauthausen unter ständigem Beschuss. Die Dörfler bereiten sich darauf vor, lange Wochen in den Schutzräumen verbringen zu müssen. Sie schaffen Schutzvorrichtungen für ihre Keller und Erdbunker, legen sich Nahrungsvorräte zurecht, bestehend aus Mehl, Brot und Eingemachtem (G.R.).

Die Bewohner der Dorfmitte und der Bachlage beziehen den Brauereikeller der Brauerei Land, der tief in den Fels gehauen ist; hier fühlen sie sich sicher. Wohl 12 bis 13 Familien mit insge- samt etwa 44 Menschen (Einheimische und Evakuierte) sind dort untergebracht (G.K.).

Die Raderschadts haben einen Erdbunker auf der anderen Seite der Dorfstraße mit zwei Ein- bzw. Ausgängen gebaut (A.R.).

Die Familie Baum bewehrt die Südwestseite des Hauses mit gestapelten Holzscheiten. Im Keller sind 15 Menschen untergebracht: vier der eigenen Familie, Frau Käthe Ullrich mit Sohn und Vater, Eheleute Horbach und Frau Lott mit zwei Söhnen aus Schwarzrheindorf sowie drei Personen der Familie Moll. Sie alle schliefen nachts dicht an dicht im Keller auf selbstgefertigten Feldbetten (G.R.).

Am 17. März (Gertrud) nimmt die Beschießung ein Ausmaß an, dass man die Schutzräume gefahrlos nicht verlassen kann. Als Frau Rings in Eile für ihre Tochter Gertrud einen kleinen Namenstags- tisch zurecht gemacht hat, machen Granateinschläge in unmittelbarer Nähe alles zunichte, ja das Namenstags Kind wird durch einen Splitter verletzt (G.K.).

Am 22.03.1945 rücken die amerikanischen Truppen vom Siebengebirge her bis an die Sieg bzw. den Eisenbahndamm südlich der Sieg vor (M.B.).

 

Zerstörtes Geistingen: Im Hintergrund die Gaststätte 'Zur Glocke', links Metzgerei Müller, rechts die Kirche von Geistingen

Ein deutscher Offizier erklärt Frau Oetz, dass Lauthausen bis zur letzten Patrone verteidigt werde, auch wenn dadurch kein Stein auf dem anderen bleibe. Dieser großkotzigen Rede begegnet die Frau mit der bangen Feststellung: „Um Gotteswillen, sehen Sie denn nicht, dass hier lauter alter Leute und Kinder leben, was soll aus ihnen werden?“ (H.L.).

Vom Blankenberger Markt her beschießen die Amerikaner ebenfalls das Dorf. Die Kinder des Bäckers Karl Baum, Erna und Rita, haben in der' Nähe gestanden und gesagt: „Jetzt schießen die auf das Haus der Tante Lieschen in Lauthausen“ (H.P.).

Auch von Hennef her wird das Dorf beschossen (A.R.).

Hannes Koch und Josef Oetz sorgen für Nahrungsnachschub: Durchs Sellbachtal laufen sie über Bödingen ins Bröltal zum Bäcker Schönenberg in Bröl, von diesem bringen sie Brot mit, für jede Familie im Brauereikeller eins (H.L.).

Deutsche Soldaten liegen in den Schützenlöchern auf dem Mahrberg und im Altenbödinger Hang (wahrscheinlich auch auf dem Kötterichsberg und auf dem Silberling). Das Gerücht lief um, bei den Soldaten oben in der Hanglage handle es sich um Angehörige der Waffen-SS. Aus dem Sellbachtal kamen in der Dunkelheit Soldaten der Wehrmacht, die um Essen betteln mussten, weil der Nachschub ausblieb bzw. mit Verzögerung erfolgte. Andere Soldaten kamen und fragten nach abgetragenen Zivilkleidern. Es bestand kein Zweifel, dass diese Männer sich absetzen und als Zivilisten untertauchen wollten (G.R.)

Im Unterdorf lagen viele Soldaten in den Kellern der Häuser, die waren entweder sehr alt oder so jung, dass sie ständig weinten und nach ihrer Mutter riefen (G.K.).

Den ständigen Lichtausfall versuchte der alte Falter immer wieder zu beheben, was ihm sporadisch auch gelang (H.L.).

Zu Beginn der Karwoche, Montag, den 26. März 1945, sagte Anna Dreckmann zu Anna Raderschadt: „Dös Woch könnt fö männig ene de Karwoch jäen.“ (A.R.).

Dies scheint sich schon in der Nacht zum Dienstag zu bewahrheiten: Ein Spähtrupp der Amerikaner dringt nächtlich bis zur Kapelle in der Dorfmitte vor und will sich über die Präsenz deutscher Truppen informieren (H.L.).

Starker Beschuss am Dienstag in der Karwoche. „Wenn die erste Salve der Granaten auf unserem Anwesen niederging, dann konnten wir sicher sein, dass sechs weitere mit gleichmäßigem Raumabstand auf die Hoflagen im Unterdorf zu folgten“ (G.R.).

Am Mittwoch, 28. März 1945, wird der Karfreitag vorweggenommen:

Gegen Mittag erfolgte urplötzlich und völlig unverhofft ein Granatwerfer-Überfall, der alles bisher Erlebte in den Schatten stellte:

Menschen auf der Kreuzung in der Dorfmitte, die notwendige Besorgungen zu machen hatten, wurden auf der Stelle getötet oder schwer verletzt: Maria Söns, Katharina Wöhlers und Maria Hastrich waren die Toten, schwer verletzt wurden die beiden Kinder Willi und Michael Rollar (Geschwister) sowie der acht Jahre alte Willi-Heinrich Raderschadt (A.R., H.L., G.K., G.R.).

Die beiden Jungen der Familie Rollar sind sofort nach Neunkirchen ins dortige Krankenhaus (Feldlazarett) gebracht und behandelt worden. Michael Rollar ist danach seinen Verletzungen erlegen, dagegen ist Willi Rollar wieder genesen (G.S., T.B.).

Willi Raderschadt hatte bereits viel Blut verloren, als der Vater von Müschmühle unter ständigem Beschuss heimkehrte und die Nachricht mitbrachte, dass der dorthin evakuierte Hennefer Arzt Nr. N. nicht kommen könne. Daraufhin hat man den Jungen in der Dunkelheit auf einer Trage durch das Sellbachtal nach Bödingen getragen. Als ihn die Männer vor dem Bödinger Kloster absetzten, starb er _wenige Augenblicke später. Am anderen Tag, auf Gründonnerstag, ist er von Pastor Rosen beerdigt worden (A.R.).

 Für die drei anderen Toten hatte Heinrich Raderschad anderntags aus rohen Brettern je einen Sarg gezimmert. Dann sind die drei Särge auf einen Kastenwagen der Familie Brochhausen vor deren Hoftor gesetzt worden. Kaum hat das Pferd den Wagen angezogen, sind schwere Granatsalven niedergegangen. Das Pferd hat mächtig gescheut und ist davongeprescht, so dass die Särge mit den Toten auf die Straße geschleudert wurden.

Alle waren maßlos entsetzt und schier fassungslos. Dann haben die männlichen Helfer das makabre Geschehen beherzt beendet, indem sie die Särge mit den Toten in der nächtlichen Dunkelheit auf ihren Schultern nacheinander durchs Sellbachtal nach Bödingen getragen haben. Dort wurden auf dem Friedhof die Gräber ausgehoben und die Toten hineingelegt, so dass die ganze Nacht für dieses Begräbnis in Anspruch genommen werden musste (M.D.). "Ja, so ist das gewesen, mein Vater, J. Bönninghausen, Onkel Jean (Joh. Baum) und ich waren dabei“ (H.P.).

Am 29. März ist die Scheune der Familie Rings durch Beschuss in Brand geraten, das danebenstehende Klohäuschen ist stehengeblieben. Wenige Tage später hat auch dies einen Volltreffer bekommen; dabei hat Gertrud Rings ihre zweite Verwundung durch Granatsplitter davongetragen (Kopfverletzung), auch die Mutter wurde verletzt (G.K.).

Auf Ostersonntag - das war der 1. April 1945 - wollte die Familie Baum zum Hochamt nach Bödingen gehen. Durch das Sellbachtal erreichte .sie über den alten Pfad die erste Station, dann die zweite. Dort im Hohlweg ist sie wohl von der anderen Siegseite her gesehen worden, jedenfalls hat eine so gezielte Beschießung stattgefunden, dass an ein Weiterkommen nicht zu denken war. Dann ist sie nach zwei Stunden in einem unbewachten Augenblick durch den Wald zurück ins Sellbachtal und nach Hause gelaufen (G.R.).

Am 4. und 5. April wurde die an der Sieg stationierte 78. amerikanische Infanterie-Division von der 97. Infanterie-Division unter Brigadegeneral HELSEY abgelöst. Ihr Frontabschnitt reichte von der Siegmündung bis nach Dattenfeld. Als Gegner hatte sie die 353. Deutsche Infanterie-Division, die unter dem Komando des Oberst HUMMEL stand. Der Frontabschnitt der Deutschen reichte von der Autobahn bei Siegburg bis hinauf nach Schladern.

Während die amerikanische Einheit Friedensstärke besaß - sie sollte ursprünglich im Pazifik gegen die Japaner eingesetzt werden -, ist die Stärke der deutschen 353. Infanterie-Division unbekannt. Bekannt ist nur, dass diese Division dem 58. Panzer -Korps unter General Botsch angehörte. Der Kommandeur der 353. Infanterie-Division befand sich in der Zeit des bevorstehen- den Angriffs der Amerikaner nicht im Siegtal. Fernab in Hardt bei Heddinghausen, das westlich von Nümbrecht liegt, hatte er mit seinem Stab Quartier genommen.

Die Amerikaner operierten nach dem Prinzip der schwingenden Tür: Am 07.04. setzten sie, jeweils nach entsprechender Vorbereitung durch die Artillerie, zwischen Dattenfeld und Eitorf sowie in Merten über die Sieg, einen Tag später, also 08.04., in Weldergoven, und wieder einen Tag später in Buisdorf (M.B.).

Auf Weißen Sonntag also -das war der 8. April 1945-, so berichten die Bürger Lauthausens, beschossen die Amerikaner die gesamte Hanglage über dem Dorf mit Nebelgranaten. Der Berg und das Dorf waren alsbald eingetaucht in künstlichen Nebel.

Dann erfolgte ein äußerst starker Beschuss mit Brandgranaten. Im Nu standen 12 Anwesen in Lauthausen in Brand, darunter die Brauerei, die Anwesen Müller, Hoscheid, Krohm, Rüttgen, Bingel, Engels, Hastrich und Schmitz. Als dann das Feuer abrupt abgebrochen wurde, sind tatkräftige Männer hingelaufen und haben die brennenden Häuser zu löschen versucht. Bei Bingels hat man die brennende kleine Scheune, die an das Haus grenzte, niedergerissen;

So blieb die Wohnung verschont. Noch während der Löscharbeiten sind die Amerikaner auf Jeeps ins Dorf gefahren, haben sich mit dürren Worten nach Verwundeten erkundigt und sind dann nach Oberauel und Bödingen weitergefahren (G.K., G.R. , H.L. )

 Die massierten amerikanischen Einheiten sind nach dem Bericht von Augenzeugen in Weldergoven zunächst mit Schlauchbooten übergesetzt (M.B.). Nachdem diese Soldaten die Übergangsstelle abgesichert hatten, ist sofort eine Pontonbrücke gegenüber dem alten Kelterhaus (heute CARE) über die Sieg geschlagen worden. Leichte Fahrzeuge sind kurz danach in Richtung Lauthausen vorgestoßen (H.L.). Der erste Jeep, der unsere Siegseite erreicht hat, ist auf eine Teller- oder Riegelmine gefahren und von dieser völlig zerrissen worden. Ob der Weg vom Fluss bis zur Straße (heute K 36) noch entmint worden ist, kann nicht gesagt werden. In Erinnerung ist aber, dass die Amerikaner gegen 14.30 Uhr in Lauthausen eingetroffen sind (G.K., H.L.).

 

Vorstoß der Amerikaner am 08.04.1945 über die Sieg bei Weldergoven.
 
 - Amerikanische Truppen = Deutsche Resteinheiten

Nach einer Darstellung aus Dokumentation des Herrn Max Bergmann, Hennef-Geistingen.

Aus dem Aufmarschplan der Amerikaner geht hervor, welche Stoßrichtung die Einheit am 08.04. hatte: Über Allner zielte sie in Richtung Happerschoß-Heisterschoß, um dann teilweise ins Bröltal abzuschwenken, wo sich diese Truppe mit jener Einheit wieder vereinigte, die über Bödingen vorgestoßen war.

Hinter Bröl und Heisterschoß war das Tagesziel vom 08.04.1945 erreicht. Am 09.04. hat diese amerikanische Einheit den südlichen Teil der Gemeinde Neunkirchen durchkämmt, so die Ortschaften Remschoß, Birken und Schöneshof, wo in der Morgendämmerung der Landwirt Heinrich Schreckenberg, Vater von sechs unmündigen Kindern, infolge missverstandener Zeichensprache von einem amerikanischen Soldaten angeschossen wurde (und am 11.04. verstarb).

 

Das Allner Schloss nach der "heldenhaften" Verteidigung
durch zwei Offiziere der deutschen Wehrmacht

Drüben im Allner Schloss haben zwei Offiziere mit einer kleinen Soldatengruppe die Helden gespielt und etliche Stunden Wider- stand geleistet, den die Angreifer mit der Zerstörung des Schlosses beendet haben (M.B.).

Das Verhalten der amerikanischen Soldaten hat eindeutig gezeigt, dass sie mit keinerlei Widerstand gerechnet haben. Zwar haben Infanteristen noch die gesamte Hanglage zu Bödingen hin durch- kämmt, jedoch ist nirgendwo ein deutscher Soldat gesichtet worden; von militärischem Widerstand konnte jedenfalls nicht die Rede sein.

Die Leidtragenden der wochenlangen Beschießung waren ausschließlich die Einwohner des Dorfes.

Zu ergänzen bleibt noch, dass bereits am 15.04.1945 das Gebiet des Ruhrkessels von den Alliierten völlig besetzt war. Jene amerikanische Division, die in der Zeit vom 07. bis 09.04.1945 über die Sieg ins Bergische Land verstieß, verlor bis zur Beendigung dieser militärischen Operation 10 Soldaten (M.B.). Die Pontonbrücke in Weldergoven wurde wenige Tage später abgebrochen. Dafür erstellten die Besatzungstruppen in Höhe der Ortschaft Allner eine neue große Pontonbrücke, die schwerstes Kriegsgerät zu tragen vermochte.

Die traurige Bilanz des mehrwöchigen Krieges bei uns in Lauthausen war: Fünf Tote, davon drei Eingesessene und zwei Evakuierte, sowie ein zerstörtes Dorf. Die Zahl der Verwundeten ist nicht bekannt, sie dürfte etwa zehn betragen haben. "Es gab kein Haus im ganzen Dorf, das nicht große Schäden davongetragen hat" (A.R.).

"Wir hatten in dem hohen Holzstapel vor dem Haus allein sieben Einschläge, in unmittelbarer Nähe unseres Anwesens und in diesem zählten wir deren achtundzwanzig. Altenbödingen ist einmal so stark beschossen worden, dass es auch dort drei Tote (Jugendliche) gegeben hat“(G.R.).

Wie der letzte große Krieg vom Gros der in jeder Hinsicht unbeteiligten Bevölkerung nicht gewollt war, so gibt er all jenen Menschen, die in ihn auf vielfältige Weise hineingezogen worden sind und Schäden an Leib und Seele, an Haus und Hof und durch den Verlust lieber Angehöriger erlitten haben, tausend Rätsel auf, die letztlich alle in der Frage nach dem Warum münden.

Namen der Erzähler

H.L.        Hilde Lankes
G.K.       Gertrud Keuenhof
G.R.       Gertrud Rosauer
M.D.      Maria Dargatz
G.S.       Gertrud Salamon
A.R.       Anna Raderschadt
T.B.        Trude Baum
H.P.       Heinz Pet