Liebe Doerfgemeinschaft,

den Krähen ist dieses Mal eine Besonderheit ins Nest geflogen gekommen. Herr König, der uns vorher schon einige Bilder zum Bau der Behelfsbrücke bei Oberauel zur Verfügung gestellt hatte, hat einen Artikel zum Bau verfasst, den wir in diesem Zusammenhang veröffentlichen möchten:

Viel Spaß beim Lesen


Behelfsbrückenbau bei Oberauel /Sieg

(die Bilder zum Bau können HIER eingesehen werden.


Oben: Lagekarte der Behelfsbrücke bei Oberauel

Im Mai 1968 bekam das schwere Pionierbataillon 719 in Köln Longerich den Auftrag eine Behelfsbrücke über die Sieg bei der Ortschaft Oberauel zu bauen. (siehe Karte)

Der Bau von Behelfsbrücken ist fester Bestandteil in der Ausbildung der Pioniere, insbesonders in der Unteroffizier- und Offizierausbildung . Also war dieser Auftrag eigentlich  ganz normal im Alltag der Pioniere.

So bekam der der Lehrgang "Unteroffiziervorausbildung", verstärkt durch den Pioniermaschinenzug der 3. Kompanie sowie einer Feldküche, den Auftrag zum Bau der Behelfsbrücke.

Dieser Auftrag aber unterschied sich sehr in wesentlichen Punkten vom bisherigen Bekannten:

-          Brücken in dieser Länge werden im normalen Ausbildungsauftrag nicht gebaut

-          in der Kaserne werden in der Ausbildung Behelfsbrücken meisten über Gräben gebaut, hier war es aber ein fließendes Gewässer,

-          Das Holz zum Bau einer Behelfsbrücke in der Alltagsausbildung ist schon länger eingelagert und zugeschnitten. Auch beim Bau von Behelfsbrücken im Rahmen der Unterstützung von Gemeinden, Vereinen im Rahmen der Ausbildung außerhalb der Kaserne wird eigentlich immer zugeschnittenes Holz verwendet.

Beim Bau der Brücke in Oberauel wurde das Holz aber im Gemeindewald gefällt. Zum eigentlichen Bau der Brücke kamen also noch die Holzfällarbeiten und der Transport zur Baustelle hinzu. Auf der Baustelle musste das "frische" Holz dann entsprechend abgelängt und abgeflacht werden.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, wurden erst mal sogenannte "Pfahljoche" in die Sieg gerammt. Hierzu wurde eine Behelfsfähre gebaut, auf der dann eine Ramme zum Einsatz kam. Die Pfahljoche wurden dann mit den Längsträgern verbunden. Auch hier zeigt ein Bild, welch schwere körperliche Arbeit zu leisten war. Da das Holz frisch geschlagen war,  war es auch noch erheblich schwerer als "abgelagertes" Holz".

Als Fahrbahnbelag wurden keine Bohlen, sondern Rundhölzer verwendet. Auf die Rundhölzer kam dann ein Kiesbelag. Diese Kombination war nicht besonders ideal, da die Rundhölzer ja nicht unbedingt lückenlos aneinander lagen und so durch die Erschütterung beim Überfahren ein Teil des Kieses verloren ging.

Letztendlich war die Brücke aber nach 7 Tagen fertig und hielt auch der Belastungsprobe stand. Sie wurde feierlich eingeweiht und übergeben. Alle beteiligten Soldaten waren schon sehr stolz auf das geleistete. Denn wie weiter oben beschrieben, fiel der Bau dieser Brücke in der Komplexität doch sehr aus dem bisher praktizierten heraus. 

Auf dem Bild mit der Planierraupe sieht man noch sehr gut alle 3 Brücken nebeneinander. Leider hatte die Brücke ja keine lange Lebensdauer, da sie einen Monat später, dem Hochwasser zum Opfer fiel.

Als Dank wurden die am Bau beteiligten Soldaten, dann in eine Gaststätte zu einem "Manöverball" eingeladen. Soweit ich mich erinnere, war die Gaststätte auf der Zufahrt zur Baustelle rechts, einige hundert Meter vor dem Bahnübergang.

 Manfred König (1968 Unteroffizier im Pioniermaschinenzug der 3. Kompanie des sPiBtl 719)

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