Allner

Allner‘ s Ortsgründung ist mehr oder weniger mit der Erbauung des Schlosses eng verknüpft.

Es ist ja auch eine logische Folge, dass, wo Burgen und Festen geschaffen wurden, auch Menschen angesiedelt waren oder wurden, die diese erbauten. Darüber hinaus brauchte jeder Feudalherr eine Streitschar, die den Schutz des Besitzers garantierte.

In der Pfarrchronik zu Much ist um das Jahr 1050 von einem "NEWES GOUT" (Neues Gut) die Rede, welches später als Freihof Markelsbach bezeichnet wird. Außer diesem werden unter Hugo von Wílsen, noch die Freihöfe Kreitzhof und Leuscherath genannt, dessen Enkel Karl vorgenannte Höfe unter seine Abhängigkeit brachte.

Aus diesen Höfen gingen drei Geschlechter hervor, die später unter Obermarkelsbach I, Obermarkelsbach II und Niedermarkelsbach hervortreten. Einer dieser Herren, wahrscheinlich Arnold v. Markelsbach ll, zog zu Anfang des 15. Jahrhunderts nach Blankenberg, wo er als Amtmann Markelsbach, genannt Alner, tätig war. Dieser soll auch das Schloss um 1400 gegründet haben.

Sein Vater, Dietrich von Markelsbach, bewirtschaftete um 1375 als "Freier" hier einen Hof.

Eine Gertrud von Markelsbach, genannt Alner, eine vermutliche Schwester des Vorgenannten, verehelichte sich mit einem Franko von Menden. Ferner wird um 1482 ein Wilhelm von Alner aufgeführt, der bei einer peinlichen Gerichtssitzung in Siegburg eine Frau zum Tode verurteilte, weil diese ihren Mann, der dem Trunke verfallen war, eines Abends auf der Türschwelle mit einer Eisenstange erschlagen und ihn aus Angst in den Burgweiher geworfen hatte. Am Tage der Hinrichtung wurde sie auf einen Karren geladen, zum Richtplatz gefahren und lebendigen Leibes begraben.

Dieser Wilhelm von Alner war zu derzeit Rentmeister zu Windeck. Er besaß in Rotscheroth, im Kirchspiel Ruppichteroth, einen Burghof, der bis Ende des 17. Jahrhunderts bewirtschaftet wurde, dann aber einem Brande zum Opfer fiel. Um 1562 bekleidete Wilhelm von Jülich die Stelle des Amtmannes in Blankenberg. Vom Graf zu Berg zum Dr. Juris. Herzoglich-Bergischer Rat erhoben, heiratete er 1581 eine Verwandte des Gründers von Schloss Allner, Sybilla von Markelsbach. Bei Walscheid befand sich der Rittersitz Dorp (heute Rittersitz Auel), in dessen Mauern eine Grabplatte eingelassen ist, dessen Herkunft nicht genau festgelegt werden kann. Das Epitaph bestätigt, dass Sybilla v. Markelsbach, genannt Alner, zu Dorp, Witwe des Wilhelm von Jülich war und am 2. April 1631 verstorben ist. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war der Rittersitz Allner Eigentum derer v. Markelsbach. Um 1560 kam das Schloss durch Heirat an Scheiffart von Merode. Aus deren Nachkommen sind wieder zwei Amtmänner von Blankenberg bekannt: Walraf von Merode 1613, Bertram v. Merode, Herr zu Alner, 1679.

Vorgenannter besaß auch den Burgsitz Birlinghoven, verkaufte diesen aber später an Martial von Veynau. Er starb am 29. 6. 1694 und wurde auf seinen Wunsch im Totenkeller in Seligenthal beigesetzt.

Ein Außenseiter aus dem Geschlechte v. Merode soll an der oberen Sieg in den "Unruhigen Jahren" mit Vergnügen Raub und Plünderung betrieben haben. Durch das Schwert eines Rächers soll er später umgekommen sein. Maria Wilhelmina Margaretha, Tochter des Walram Ill., Scheiffart von Merode, heiratete 1694 Freiherr Daniel v. Spiess zu Büllesheim und Satzvey. Diese starb am 1. August 1727 verwitwet auf Schloss Allner und wurde ebenfalls in Seligenthal begraben.

Im Laufe der Jahre hatten sich Streitigkeiten zwischen Spiess zu Büllesheim einerseits, und Freiherr v. Hatzfeld andererseits um das Lehnsgut Merten gebildet. Infolgedessen kam es zu einem Prozess, der ein Jahrhundert überdauerte. Dann entschied das Reichskammergericht zu Wetzlar zu Gunsten deren v. Hatzfeld.

Die von Spiess zu Büllesfeld mussten die Herrschaft Merten abtreten. Um die hohen Prozesskosten zu decken, sahen sie sich gezwungen, Schloss Allner an den Grafen v. Hatzfeld zu verkaufen, dessen Erlös die Prozesskosten kaum deckten. Er verfiel dem Trunke und endete am Bettelstab.

Das in verschiedenen Perioden gebaute Schloss, nebst seinen riesigen Schutzmauern, wurde aus Bruchsteinen erbaut.

Die Rentei, das heutige Verwaltungs- und Wohngebäude, wurde von den Nach- kommen Scheiffart v. Merode um 1667 gebaut.

Das Schloss hat vier Stockwerke, dessen Zugang durch eine Steintreppe gekrönt wird. Im 2. Weltkrieg wurde das Schloss durch Beschuss schwer beschädigt und in den Jahren 1945 - 48 notdürftig ausgebessert. Nachdem sich die Verhältnisse normalisiert hatten, entschloss sich der Besitzer, Herr Horstmann, es so wieder herstellen zu lassen, wie es nach dem Umbau 1875 gewesen war. 1955 waren die Arbeiten beendet. Inzwischen ließen sich die Besitzer in unmittelbarer Nähe des Schlosses ein Wohnhaus errichten und überließen das Schloss für eine Jahrespacht von 1, 00 DM der Karitas, die im Mittelbau ein Säuglingsheim errichtete. Das Innere des Schlosses besteht aus 37 Räumen, die sinnvoll für Personal, Säuglinge etc. umgestaltet wurden. Ca. 70 Säuglinge werden durchschnittlich betreut.

Der zum Schloss gehörende Grundbesitz umfasst z. Zt. 1750 Morgen Wald, 1500 Morgen Äcker und Wiesen.

Der Hauptzugang zum Schloss bildet ein großer Torbogen, den das Wappen der- er von Merode krönt.

Der Schutz des Schlosses war am Zugang durch schwere Eichentore und ringsum durch wuchtige Mauern, in Verbindung mit einem Wachturm, gesichert. Von diesem Turm mag der Wächter mit Argusaugen das Land überspäht und bei Gefahr ins Horn geblasen, am Schlagbaum der Zöllner gestanden und seinen Obolus gefordert haben.

Als Napoleon gegen Ende des 19. Jahrhunderts unsere Lande bezwang, wurde der Besitzer des Schlosses, Franz Ludwig v. Hatzfeld, der als Soldat den Rang eines Generalleutnants bekleidete, von Napoleon wegen angeblicher Spionage verhaftet und zum Tode verurteilt. Seine Gemahlin fiel Napoleon zu Füssen und konnte so in letzter Minute ihren Gemahl vor der Vollstreckung des Urteils retten. Er erreichte ein hohes Alter und starb in Wien im Jahre 1827. Allner wurde durch die Franzosen (1792 - 1800) schwer betroffen, wovon die Bevölkerung die größte Last zu tragen hatte. Ein kleiner Auszug aus einer Aufzeichnung über die Preise dieser Notzeit, soll hier wiedergegeben werden: "Es Kos EYN MALDER HAFEREN VILL ALBUS, EYN MALDER ROGGEN XIV ALBUS, EAN MALDER GERST VIII ALBUS, EYN SEMMELGEN VOR EYN PENNIG. (Ein Albus ca. 1, 00 R. M.)

Das Kriegerehrenmal, das an der Siegseite am 5. ll. 1931, unter der Leitung des Kreisarchitekten Luthardt, seine Grundsteinlegung erfuhr, wurde im Mai folgenden Jahres, unter großer Beteiligung der Bevölkerung, nebst Liedervor trägen des hiesigen Gesangvereins, feierlichst eingeweiht.

Vorgenanntem Verein soll nunmehr gedacht sein, der seit seines Bestehens das kulturelle Geschehen des Dorfes wachhielt, der MGV "Eintracht" Allner. Im Jahre 1878 gegründet, bewies er sein Können. In Anerkennung dessen, stiftete 1899 die Familie Cockerill, Schloss Allner, dem Verein die so lang entbehrte Vereinsfahne. Der damalige Vorsitzender, Herr N. . . hielt die Dankansprache, indem er begann: "Du großer Graf! Du kleiner Gott. . . " etc. Diese Ansprache blieb jahrzehntelang in schmunzelnder Erinnerung.

Immer wieder von Erfolgen gekrönt, konnte der Verein am 19. 20. und 21. Mai 1928 sein 50-jähriges Jubelfest in einem großen Festzelt feiern. 10 Jahre später, am 18. und 19. Juni 1938 hielt er sein 60-jähriges Jubiläumsfest.

Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges tagte der Verein im Lokale Andree, in dessen Sälchen sich das festliche Geschehen abwickelte. Im Winter wurde ein Theaterabend veranstaltet, der nicht nur Abwechslung in die Vereinstätigkeit brachte, sondern auch die Vereinskasse stärkte.

Nach dem Krieg wurde das Probelokal geschlossen, da Andree nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrte. Durch die Wohnungsnot wurde der Saal in kleine Wohnungen umgebaut, die für Flüchtlinge bestimmt waren. Ein Jahr nach Kriegsende nahm der Verein die Probearbeit wieder auf.

Im Mai 1968 feierte die "Eintracht" unter dem Protektor, Herr Horstmann, im großen Festzelt sein 90-jähriges Jubelfest.

Wenn von Allner die Rede ist, soll auch die alte Hängebrücke, im Volksmund "Guggelbrückchen" genannt, Erwähnung finden. 1905 erbaut, hat es die Fußgänger über 50 Jahre lang über die Sieg getragen. Allerdings war den Passanten ein kleines Brückengeld auferlegt, welches den Bau und Erhaltung des Stegs sichern sollte. Infolge der Kriegswirren (1945), wurde der Steg unpassierbar gemacht. Hier war die Selbsthilfe am Werk und baute eine Notbrücke. An dieser Stelle führte der aus grauer Vorzeit bekannte Mauspfad, von Westen kommend, durch den Furt, wo er hinter Hennef auf die Kaufmannsstraße mündete, während ein Verbindungsweg ostwärts abbog und Anschluss an die alte Eisenstraße - die heutige Nutscheidstraße - fand.

Als im Jahre. 1961, den 17. Dezember, bei eisiger Kälte, von Bürgermeister Horstmann, Allner, die neuerbaute Fußgängerbrücke, die Allner und Hennef verbindet, eingeweiht wurde, hatte auch unser "Guggelbrückchen" ausgedient, welches 1946, nach Instandsetzung der Allnerbrücke gangtüchtig gemacht worden war. Mit elegantem Schwung setzt die neue Fußgängerbrücke bei Hennef über die Sieg, wobei sie sich überraschend gut in das Landschaftsbild einfügt. "Heute", so betonte Horstmann, "wo die Automation den Vorrang besitzt, soll diese Brücke eine Oase der Ruhe sein und bleiben". Die Länge der Brücke beträgt 225 m. Die Baukosten betrugen ca. 42. 000 DM.

Da die kirchlichen Verhältnisse der Neuzeit keineswegs mehr Rechnung trugen, (Allner zählte zum Pfarrverband Hennef), war man seit Jahren um den Bau einer Kapelle bemüht. Nach Absprache trafen sich im Frühjahr 1953 einige Männer des Ortes, zwecks Gründung eines Kapellenbauvereins. Man rief eine Versammlung ein und war erstaunt über die Interessen der Dorfbewohner, die in großer Zahl zur Gründungsversammlung erschienen waren. Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, an das Generalvikariat heranzutreten, bzw. Bewilligung der Geldmittel zum Bau einer Kapelle nebst Pfarrhaus. Widererwarten wurden die Pläne genehmigt, wozu Köln einen Zuschuss von 160. 000 DM versprach. Die Innenausstattung sollte aus eigenen Mitteln gedeckt werden. Schon am 30. 9. 1956 wurde der Grundstein gelegt und bereits 1 Jahr später, am 29. 9. 1957 konnte die Einweihung der Kirche zu Ehren des hl. Josefs gefeiert werden. Während der Bauperiode wurden an Sonn- und Feiertagen die hl. Messen im Rathaussaal des Amtes gefeiert.

Aus Bruchstein gebaut, in realistischer Einfachheit der mittelalterlichen Schlossarchitektur angepasst, steht die Kirche am Dorfrand und schaut ins Land. Mit diesem unverkennbaren Charakter wirkt sie innen wie außen auf den Besucher, wobei sie den einen für und den anderen gegen berührt. Das abgeschlossene Innenportal, mit seinen bestechenden Buntglasfenstern, gibt dem Ganzen einen erhebenden Akzent.

Im Gefolge des Kirchenbaues wurde auch der neue Waldfriedhof geplant und mit der Anlage unverzüglich begonnen. Grund und Boden wurde von Schloss Allner kostenlos zu Verfügung gestellt. Was fehlte, war die Friedhofskapelle. Hier schaltete sich der Heimat- und Verschönerungsverein Allner ein und stellte, in Verbindung mit der gesamten Dorfgemeinschaft, im Eigenbau die Kapelle nebst Vorbau, Sezierraum und Glockenturm in zweijähriger Bauzeit her. Regel- mäßige Sammlungen erbrachten den Betrag von rund 10. 000, -- DM. wozu das Amt einen Zuschuss von 19.000, -- DM gab. Für die Inneneinrichtung fehlten noch 3000, -- DM, die aber kurzfristig durch Spenden gedeckt wurden, so dass am Sonntag, dem 9. Juli 1967 die Einweihungsfeier stattfinden konnte.

Ein Gefahrenpunkt ersten Ranges war der Engpass inmitten des Ortes, der links zwischen der Häuserreihe und rechts der Schlossmauer bestand. Durch Verhandlungen mit den Eigentümer kam schließlich eine Einigung zustande. Der Häuserblock wurde angekauft und abgerissen. Seit Oktober 1967 ist eine bessere Übersicht geschaffen, worauf eine zunächst behelfsmäßige Erbreiterung der Straße geschaffen wurde. Die letzten drei Häuser sollen kürzlich der Straße weichen, so dass dem endgültigen Ausbau nichts mehr im Wege steht. Die Verbreiterung der Straße wurde im Frühjahr 1974 fertiggestellt.

Allner, dass bis dato noch keine Wasserleitung besaß und ihren gesamten Wasserbedarf durch Pfützen, Brunnen oder Pumpen besorgte, wurde nach zweijährigen Verhandlungen, ab 15. 12. 1955 mit Wasser aus der Wahnbachtalsperre versorgt. Allner hat sich seine stillen Winkel und Gassen, die von alten Fachwerkhäuser flankiert sind, teils bis heute erhalten. Hier spürt man noch ein Stückchen Romantik von einst, die den Fleiß und Bescheidenheit unserer Altfordern erahnen lässt. Es fragt sich nur wie lange noch . . . ?

Und weiter geht‘s entlang der Straße am Berghang. Wir passieren die alte Siedlung Weingartsgasse, wo wir nach kurzer Wegstrecke SELIGENTHAL erreichen.