Heide

Der Ort, der ehedem aus einigen Häusern bestand, hatte immer das Bestreben, sich aus der Umklammerung zu lösen.

Seit Jahrzehnten versuchte man immer wieder, sich in die Kette der Selbständigen einzureihen, indem man den Bau einer Kapelle anstrebte. Obwohl die Bürger erklärten, jedes Opfer auf sich zu nehmen, das dem Bau der Kapelle dienlich sei, wurde ihnen seitens der Behörde keine Zusage erteilt. So blieb den Heider nichts anderes übrig, als sich einer List zu bedienen.

Gelegentlich einer Mission in Geistingen im Jahre 1'734, kam ihnen eine Gelegenheit günstig. Sie hatten im Ort ein großes, hölzernes Kreuz errichtet, da-s sie von den Missionaren einsegnen ließen. Um es dem Einfluss der Witterung zu entziehen, wurde es zunächst überdacht und später zu einer Kapelle ausgebaut. So war ihnen zunächst die Möglichkeit gegeben, die Andachten im Ort abzuhalten, ansonsten sie nach Birk mussten. Ein ganzes Jahrhundert lang diente sie den Gläubigen als Gebetsstätte. Sie war aber inzwischen so morsch geworden, dass sie erneuert werden musste.

Da fasste Jacob Roth, ein Idealist und Gönner der Kirche, den Entschluss, durch Geldsammlungen den Bau einer festen Kapelle zu ermöglichen. Hierzu konnte er den damaligen Besitzer von Gut Umschoss gewinnen, der aus seinem Steinbruch die Bausteine unentgeltlich zur Verfügung stellte. 60 Ochsenkarren ließ er zur Baustelle fahren. Endlich - im Jahre 1843 war es soweit, dass man mit dem Bau der Kapelle beginnen konnte. Da Gut Umschoss inzwischen den Besitzer gewechselt hatte, versagte dieser die Anlieferung weiterer Steine. Inzwischen konnten durch Vermittlung die fehlenden Steine aus dem Lohmarer Wald beschafft werden. Zwei Jahre später war der Bau vollendet.

Wenn man heute fragt, warum der Bau über 110 Jahre dauerte, so muß man die ärmlichen Verhältnisse der paar Hausstände in Heide betrachten. So gesehen waren es große Opfer, die gebracht wurden.

Sonntags und zu besonderen Anlässen wurden die Andachten in der Kapelle gefeiert. Zur Verehrung der schmerzhaften Mutter, zog seit 1852 am Palmsonntag eine Prozession von Birk nach Heide, seit 1856 auch am Fronleichnamstag. Sechs Jahre später übernahm Birk mit allen Rechten und Pflichten die Kapelle, die dem hl. Franziskus Xaverius geweiht war.

Und nun geht es weiter zur frühmittelalterlichen Honschaft BRASCHOSS