Happerschoß

Vom Bröl- und Wahnbachtal begrenzt, bietet die Höhe eine Fernsicht bis Köln. Die Gründung des Ortes reicht urkundlich bis ins frühe Mittelalter zurück. Happerschoß findet 1054 Erwähnung, wo es dem Kölner Erzbischof unterstellt war, später aber der Abtei Siegburg zugesprochen wurde. In dieser Urkunde wird die Honschaft mit Haperscoze benannt.

Die Kirchengeschichte lässt in vielen Aufzeichnungen immer wieder Unklarheiten offen, so dass eine genaue Beschreibung nicht gegeben werden kann. Infolgedessen sind die Chronisten meist auf Vermutungen angewiesen, die sich aus Zusammen- hängen benachbarten Daten ergeben.

Eine Urkunde der Königin Richeza aus dem Jahre 1054, die mit dem Polenkönig Miceslaw II. vermählt war, lässt uns erstmals durch ihre Besitztümer die Honschaft Happerschoß erkennen. Jedoch scheint die Gründung weiter zurückzuliegen, da sie ja zum Zeitpunkt der Benennung schon bestand.

Schon im 10. Jahrhundert ist die Sieg-Burg benannt. Ein Enkel des Pfalzgrafen Ehrenfried, genannt Heinrich der Wütende, war als Tyrann und Unruhestifter bekannt, deshalb wurde er vom Kaiser in Bann und Reichsacht versetzt. Als er gegen Bischof Anno II. von Köln eine Fehde führte, stieß er auf dessen gewaltige Gegenwehr. In erbittertem Ringen unterlag Heinrich, wurde gefangengenommen und musste als Sühne die Siegburg an Anno abtreten.

Anno baute die Burg in ein Kloster um und gründete die Benediktinerabtei, der er den Namen "St. Míchaelabtei" gab. Anno war nicht nur ein hoher geistlicher Mann, sondern auch ein großer Planer und Feldherr, der mächtiger und gefürchteter war als mancher Fürst seiner Zeit. Diese Voranstellung brachte ihm Neid und Missgunst ein, wodurch er immer wieder in Fehden verwickelt wurde. Die Fürsten, Grafen, und Herzöge waren sich ebenfalls ihrer Machtstellung bewusst, indem sie ihre Gefangenen, Söldner und Hörige zu Frondiensten zwangen. Ihre Schlösser und Burgen ließen sie vornehmlich auf steilabfallende Bergrücken bauen, zur Sicherheit Türme und hohe Schutzmauern errichten. Die gesamten Untertanen standen zur Verteidigung im Streitfall bereit.

Erzbischof Anno ließ in seiner Weitsicht die körperliche Betätigung der begabten Mönche einstellen; Stattdessen ließ er sie in Bildung und Wissenschaft unterrichten. Durch Einführung des gezielten Ackerbaues errang er sich große Verdienste. In wilden, unfruchtbaren, mit Baum- und Gestrüpp bestandenen Gegenden ließ er durch seine Untertanen, angeführt durch die Rottmeister der geistlichen Grundherren, große Flächen roden. Viele Meierhöfe, Klöster und Probsteien entstanden unter seiner Herrschaft.

Nicht nur die Gründung von Happerschoß, sondern auch alle weiteren Höfe und Befestigungen des frühen und späten Mittelalters sind durch solche Maßnahmen entstanden.

Immer mehr Rodungen kamen hinzu. Güter und Höfe entstanden. Hierdurch entwickelte sich Happerschoß frühzeitig zu einer Honschaft.

Nachweislich besaß - außer den Besitzungen Richezas - das Kloster Bödingen, die Herrschaft Blankenbergs, sowie die Abtei Brauweiler Höfe und sonstige Besitzungen in Happerschoß.

Nach einem Schreiben des Erzbischof Friedrich I. von Köln (1129) soll Happerschoß anfängliche eine Kapelle gehabt haben.

Diese Kapelle soll durch Streitigkeiten zwischen Anno II. von Siegburg und dem Pfalzgraf Heinrich zerstört worden sein.

Anderen Quellen ist zu entnehmen, Anno hätte die Kapelle in erweitertem Maße aufbauen lassen, da in späteren Jahren immer wieder von einer dem hl. Remigius geweihte Kirche die Rede ist.

Zunächst unterstand Happerschoß als Filialkirche der Geistinger Verwaltung, dessen Dechanten dreimal jährlich das Sendgericht in der hiesigen Kirche ab- hielten. Man nimmt an, dass das Kirchspiel Happerschoß gegen Ende des 17. Jahrhunderts zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde.

Aus dem Zehnten, den die Abtei Siegburg einzog, erhielt der Pfarrer 12 Malter Roggen und 12 Malter Hafer.

Im Jahre 1826 wurde der Zehnt in 166 Taler 20 Groschen umgewandelt. Dazu waren an allen Feiertagen eine Flasche Wein gewährt.

Vor Weihnachten wurde vor der Frühmesse anteilich fünf Malter Korn gesammelt, die der Pastor zusätzlich bekam.

Der Küster erhielt fürs Läuten den sogenannten "Jahresläuteroggen", dessen Spende sich auf die drei Ortschaften Happerschoß, Heisterschoss und eine Ortshälfte von Bröl verteilte.

Schon 1714 war Bröl zweigeteilt. Das heißt: dass eine Ortshälfte nach Hennef und die andere nach Happerschoß gehörte. So blieb es nicht aus, dass Bröl dem Küster den Läuteroggen verweigerte. Sollte doch die eine Ortshälfte dieselbe Last tragen, wie beide vorgenannten Dörfer! Der Küster jedoch bestand auf seiner Forderung und verklagte die Bröler auf Herausgabe des Roggens. Dem Küster wurde Recht gesprochen und Bröl musste außer dem Roggen auch die Prozesskosten zahlen.

1875 bekam der Küster und Organist 12 Taler jährlich. Für Messen an Werk- tagen 12 Silbergroschen, für das Läuten eine Gabe von Korn und Hafer pro Haus- stand. Für Taufen, Kopulationen, Beerdigungen und Aussegnungen der Wöchnerinnen pro Jahr 25 - 30 Taler.

Ab Januar 1879 wurden folgende Gebühren festgelegt:

Taufen

0, 30 Mark

Kopulationen

0, 15 Mark

Erwachsenenbeerdigung

1, 50 Mark

Kinderbeerdigung

1, 00 Mark

Aufstellen der Tumba

1, 00 Mark

Aufstellen 7 Kerzen

1, 50 Mark

Zieren des Altars

0, 50 Mark

für die Messdiener

1, 00 Mark

für Einsegnung

1, 00 Mark

 

Ab 1889 wurden, auf Drängen des Küsters, die Ostereier sowie die Glockengarben in ein Jahresgeld von 110 Mark umgewandelt. Ein Zusatz von 50 Mark verpflichtete ihn für das Orgelspiel, sowie der Kirchenreinigung. 1899 wurde dem Küster für die Kirchenreinigung 20 Mark zugebilligt und für das Orgelspiel 90 Mark.

Die Seelenzahl der Pfarre betrug bei den Ortschaften im Einzelnen und insgesamt: (Bröl zählte die Hälfte).

Im Jahre

Happerschoß

Heisterschoss

Bröl

Insgesamt

1850

478

290

132

900

1860

473

297

101

871

1869

475

280

117

872

 

Nach Zusammenschluss der gesamten Bröl (beide Ortshälften):

Im Jahre

Happerschoß

Heisterschoss

Bröl

Insgesamt

1872

470

280

265

1015

1878

470

260

250

980

1888

506

290

248

1044

1933

376

252

317

945

1953

-

-

-

1150

 

Nach der Selbständigkeit von Bröl (1956):

Im Jahre

Happerschoß

Heisterschoss

Bröl

Insgesamt

1959

750

-

400

 

1960

885

-

427

 

1964

1076

-

438

 

1966

1150

-

438

 

 

Die steigenden Zahlen von Happerschoß ab 1964 beruhen auf Gründung von St. "Ansgar".

Die gepflegten Beziehungen des Abtes der Siegburger Abtei zu Rom brachten diesem mancherlei Vorrechte, die sich für die Abtei erhebend auswirkten. So wurde dem Abt um 1789 von Papst Pius VI. für die Pfarrei Happerschoß ein Ablass von sieben Jahren verliehen, der allen Gläubigen zuteilwurde, die am Feste des hl. Josef und hl. Remigius die Happerschoßer Kirche besuchten. In der Kirchweih-Festwoche fand der Sammeltag statt. An anderen Orten auch Heischetag genannt. Dann schritten der Küster, der Schweizer, die Diener und Ordner der Pfarre mit einer Kiepe von Haus zu Haus, um Eier, Butter, Schinken, Roggen etc. zu sammeln.

Am Vorabend der Kirchweih hielt man den gemeinsamen Festschmaus, zu dem auch der Pastor und die "gehobenen" Bürger der Pfarre geladen waren. Die Reste wurden an die Armen und Bettler verteilt.

Nach der Gerichtsfassung des Herzogtums Berg, vom 15. 5. 1515, war Blankenberg in 3 Gerichtsbezirke eingeteilt: Eitorf, Neunkirchen und Geistingen. Zu letzterem Dingstuhl zählten außer Happerschoß, Heisterschoss und Bröl noch folgende Honschaften: Braschoss, Altenbödingen, Allner, Hennef, Weingartsgasse, Lanzenbach, Kurscheid, Rott, Söven, Wardt und Stossdorf.

Um 1744 wurden vorgenannte drei Gerichtsbezirke vereinigt und nach Wardt verlegt. Ab 1812 fanden alle Sitzungen in Hennef statt.

Das kirchliche Send- oder Rügegericht unterstand dem Dechanten von Geistingen. Folgende Order ging im Jahre 1096 von Erzbischof Hermann von Köln an die Kirchspiele im Auelgau: die Äbte von Siegburg bekleiden die Dekanatswürde nicht persönlich, sondern übertragen sie an einen von ihnen bestimmten Pfarrer.

In einem Dekret des Grafen Adolf von Berg (1420) ist das "Freigericht" Happerschoß erwähnt. Dass es sich hier um eine größere Honschaft gehandelt hat, beweist die von Erzbischof Anno II. von Köln gebaute Kirche. Durch die Unterstellung der Pfarre zur Abtei Siegburg, genoss diese das Vorrecht, von allen üblichen Verpflichtungen befreit zu sein, die für andere Orte oft erdrückend waren.

Einen weiteren Beweis für die Vorrechte des Ortes mag die Bemerkung eines schwedischen Obersten bezeugen, der während des 30 jährigen Krieges gelegentlich einer Requisition im Orte äußerte: "das ist das dritte Merkzeichen, welches ich im römischen Reiche gefunden habe, dass die Einwohner frei von Abgaben sind". Hierbei deutete er auf das hölzerne Kreuz auf dem Kirchturm, welches als Zeichen dieser Vorrechte galt.

Im Jahre 1555 erfuhr das Freigericht Happerschoß eine erneute Bestätigung durch Herzog von Berg. Hierin heißt es: ". . .

ITEM IS NOCH IM AMPT BLANKENBERG ZU HAPERSCOZE EIN FREY GERICH MEIN GN. HERN ZOSTENDIG. WIRT ÜBER DEM SCHOTHEISEN MIT ACHT GEBORN UND DARZU GEERBTE SCHEFFEN JAHRLICHS DREY MAL BESESSEN, WELCH PERSONEN ALL MEIS GN. HERN VEREID SEIN . . . "

Der gleichen Urkunde ist ferner zu entnehmen: Ein Gerichtsschreiber war nicht bestallt, er wurde jeweils vom Schultheiß ernannt. Obwohl das Freigericht in allen Streitigkeiten selbständig entschied, musste es, da es kein eigenes Siegel führen durfte, "VON DEN EHRBARN LEUTHEN, DIE SCHEFFEN VON BLANKEN- BERGE BRINGEN, DASS SIE DER STAT SIGEL VON BLANKENBERGE VOR SIE AN DEN BRIFF HANGEN MOCHTEN. . . "

Handelte es sich um größere Prozesse, waren die Schöffen gehalten, die Streiten- den zur Eidesabnahme, an das Hochgericht Geistingen zu verweisen. In einer Gerichtsurkunde vom Jahre 1419 heißt es über die Freibank Happerschoß:

"WIR CHRISTIAN GENANT CRYSEN FREISCI-IULTEIS ZUR ZEIT, PETER UND HENNE GENANT MOISCHE GEBRÜDEREN UND ABEL VON HAPPERSCHOSS FREYEN, THUN KUND UND ZEUGEN MIT DISEM BRIFF, DASS VOR UNS UND UNSEREN MITGESELLEN DER FREYEN BANK HAPPERSCHOSS KOMMEN SIND ZU HAPPERSCHOSS AN DIE FREYBANCK: HER HERMANN VON VYTE- KOVEN PRIOR ZUR ZEIT DES GOTTESHAUSS ZU SYBERG (SIEGBURG) UF DEM BERGE UND JOHANES VON DER HECKEN, UND HABEN EINANDER ALL- DA ZU GERICHT GEGANGEN VOR UND NACH UMD ABSOLCH ERB UN GUT, SO VORZEITEN GEWESEN WAR CHRISTIAN CRAMERS BURGER ZU SYBERG UND GELEGE IST ZU KALDAWE (KALDAUEN) UND DAS AUCH DINGPFLIC HTIG UND GEHÖRIG IST AN DIE VURSS (FÜRSTLICHE) FREYBANCK ZU HAPPER- SCHOSS, UND HABEN ALLDA GEGENWÄRTIG GEGENEINANDER RICHTLICH GEDINGET MIT ANSPRÜCHEN UND ANTWORTEN, DASS DAS ALSO FERN KOMMEN IST, DASS DER HERR HERMAN PRIOR DAS EGENANTE ERB UND GUT MIT GERICHTE BEHALTEN HAT, JOHAN AB, ALSO ALS DIE FREYEN WEISEN, DAS RECHT IST DES FREYEN WEISEN. DAS RECHT IST DES FREYEN GERICHTS, UND DAS WIR BEKENNEN MIT DISEM BRIFF HERN HERMAN VURSS, UND DAS GOTTESHAUSS VON SYBERG AN DEM ERB UND GUT LEHEN- FAST, UND JOHAN MIT LEHENFAST, UND DIES ZUM ZEUGNIS DER WAR- HEIT, WEIL WIR SELBST KEIN SIGEL HABEN, SO I-LABEN WIR CHRISTIAN PETER HENE UND ABEL SEMTLICHGEBETEN DIE EHRBAREN LEUTHE DIE SCHEFFEN VON BLANKENBERGE, DASS SIE DER STAT SIGEL VON BLANKEN- BERGE VON UNS AN DISEN BRIFF GEHANGEN HABEN, DASS WIR SCHEFFEN VON BLANKENBERGE BEKHENEN, DASS DAS WAR IST, SO WIE VORIN DISEM BRIFF GESCHRIEVEN STEHT, DER GEGEVEN IST IN DEN JAREN UNSERES HERREN, DAMAN SCHRIB DAUSENT VIERHONDERT UND NEUNZEHN UFF SENT MARGARETHEN AVENDT DER H. JUNGFRAU.

Hiermit ist nicht nur bewiesen, dass Kaldauen der Gerichtsbarkeit Happerschoß unterstand, sondern auch, dass selbst der Prior des Klosters in Siegburg zum Kauf eines Ackers nach hier musste.

Im Jahre 1419 waren als Richter eingesetzt: Freischultheiß Christian genannt Grysen, die Mühlenbesitzer Gebrüder Peter und Henne Moische von Burg Müschmühle und Abel von Happerschoß.

 Aus dem Jahre 1443 liegt ein Tauschakt vor, worin das Kloster Bödingen von Johaan von Zwyvel, Amtmann von Lülsdorf, einen Hof in Happerschoß erwarb. Dieser Akt wurde unter dem Freischultheiß Henne Kruporis und dem Scheffen Henne Moische, Christian Criese, Peter von der Wardt und Meister Teil in Weldrikoven getätigt.

Nach der Urkunde des Burgbanngesetz es vom Rat der Stadt Blankenberg aus dem Jahre 1676, wurden diese Verordnungen in vielen Fällen sinngemäß auf Happerschoß übertragen.

Im Zuge dieser Gesetze und Verordnungen hatte die Bauernschaft schon 1644 einen genau festgesetzten Bannbegang angestrengt, um die Limiten (Acker- Wald- und Weidegrenzen) zu kontrollieren, ob keiner über Nacht die Flurgrenz- steine versetzt hätte. Hierbei wurde gleichzeitig den Nachbardörfern die Bestimmung wachgerufen, dass Happerschoß das Weidevorrecht hatte.

Die Viehzucht bildete vorweg das Gesamteinkommen eines Hausmannes. Die Schweinezucht schien aber vorab zu liegen, da die Weiden und Wälder reichlich Fraß boten. Zur Erhaltung der Wälder war es jedoch verboten, junge Eichbäume zu fällen, um hierdurch weitere Futterplätze zu schaffen. Jedem Bauer, der Büsche hatte, wurde zur Pflicht gemacht, jährlich zwei Eichen zu setzen, um den Bestand zu erhalten.

Happerschoß war ehedem ringsum mit einem hohen Knüppelzaun umgeben, welcher durch zwei Tore unterbrochen war. Der Zaun sollte einerseits das Ausbrechen der Schweine während der Reifezeit verhüten (von Anfangs Monds May bis Martini) und andererseits die Gehöfte vor Wildsauen und Wölfen schützen. Die Instandhaltung des Zaunes wurde losgerecht auf alle Viehhalter verteilt. Den Säumigen wurden empfindliche Strafen angedroht.

Kam die Zeit der Schweinemast, trat der Verkeshirt in Aktion. Hier heißt es:

“SOBALD DIE GEMEINDE EINEN "VERKESHIRTEN" ANGEORDNET, SOLL EIN JEDER, SO SCHWEINE HALTET GROSS UND KLEIN, SO ZUR WEIDEN GEHEN BEQUEM, DEM HIRTEN VORTREIBEN (ZUTREIBEN), WANN DER HIRT INS HORN GEBLASEN, IHM DAS ESSEN DARREICHEN NACH BETRAG DES VIEHS AUCH DAS EINSGEWORDENEN LOHNS, DAMIT DER HIRT NICHT VERDRÖSSIG WERDE, AUCH DIE HUT IM GANGE BLEIBE. JEDERZEIT JÄHR- LICH BEZAHLEN. DER SEW VIEH DEME ZUGEGEN NICHT VORTREIBEN WÜRDE, SOLLE NICHT ALLEIN DEN VÖLLIGEN LOHN, KOST UND SONSTIGEN DARAUS ENTSTEHENDEN SCHADEN BE ZAHLEN, SONDERN AUCH NOCH MIT EINEM DAHLER WIRKLICH BESTRAFT WERDEN".

Besondere Bestimmungen gab es, die für die Rückkehr des "Verkeshirt" galten, denen zufolge jeder sein Vieh sofort in seinen Stall treiben sollte und es bei Strafe eines Dahlers nicht nachts frei auf den Gassen umherlaufen lasse. Der Nachtwächter ist gehalten, gut Obacht zu geben, wem die nachts frei laufenden Schweine gehören, damit die Eigentümer auch entsprechend bestraft werden.

Eine weitere Verordnung mutet keineswegs mittelalterlich an. Im Aufgabenkreis des Flurschützes wurde die Aufsicht über die Brunnen im Orte einbezogen, die beim Auswaschen der Wäsche ein nicht gerade appetitliches Bild abgegeben haben mögen. Deshalb soll bei Strafe eines halben Dahlers gegeben sein:

"WEILEN AUCH VERSPÜRT WIRD, DASS BEY DEM PÜTZ VOR DER PORTEN EIN UND ANDERS-LEINGEWAND UND UNSAUBERN KINDERWINDELN GE- WASCHEN WERDEN, WODURCH DER PÜTZ VOR DER PORTEN VERUNREINIGT WIRD, SO SOLLE FORTHIN NIEMAND ANDERSTER DENN DREY ODER VIER SCHRITT VON GEMELTEM PÜTZ DERGLEICHEN SACHEN REINIGEN. AUCH SOLL DER PLATZ UM PUTZ INFORT SAUBER GEMACHT WERDEN. DAS GLEICHE GILT AUCH FÜR WEGE UND GASSEN DER HONSCHAFT, WOZU JEDER HAUSMANN VERPELICHTET IST".

Weiter wurde in der Urkunde bestimmt: "dass, wer bei Fluchen und Gotteslästerung ertappt wird, drey Dahler Strafe zahlt".

Dem Flurschütz wurde die Überwachung von Feld und Flur dadurch schmackhaft gemacht, dass ihm außer seinem Lohn, auch ein Teil der Strafgelder aus- gezahlt wurden. Bei höherer Bestrafung und im Wiederholungsfalle ist seitens des Landesherrn eine höhere Bestrafung zu erwarten. Bei Rückfälligen bleibt eine härtere Strafe vorbehalten.

Erwähnenswert ist aus jener Zeit ein Flurschütz, der vorübergehend das Küsteramt übernommen hatte, dem auch neben den kirchlichen Obliegenheiten aufgegeben war, die Wetterglocke zu läuten. Er scheint über einen nicht alltäglichen Durst verfügt zu haben, denn, als er nichts mehr hatte, um seine Zechschulden bezahlen zu können, versuchte er das Küsteramt zu verkaufen. Als der Pfarrer die "außerordentliche Missetat“ erfuhr, nahm er ihm die Kirchenschlüssel ab und ließ ihn zur Straße aller Ämter entheben.

In den Wald- und Flurbestimmungen heißt es weiter:

"WEILEN AUCH DURCH MACHUNG UNGEBUHRLIC HER WEGE NICHT ALLEIN SCHADEN, AUCHWILLKUHRLICH ÜBER BESAAMETE LANDEREIEN EAHREN ODER HUTEN WURDE, AUF BETRETEN JEDESMALEN MIT EINEM DAHLER BESTRAET WERDEN. DAHER EINER ODER ANDER BEI TAG ODER NACHT DEM ANDERN IN SEINEM GARTEN ODER SONSTIGEN GUTERN, WIE SIE AUCH NAMEN HABEN, DAS GEMÜS, RÜBEN, MÖHREN, OBST, FRUCHTEN, HOLZ USW. WEGNEHMEN, SOLLE DEM BESCHADIGTEN NICHT NUR VERURSACHTEN SCHADEN VER- GÜTEN, SONDERN ANBEY VON GEMEINDE DER GEBUHR UND DAS GETANEM VERBRECHENS BESTRAET WERDEN MIT ZWEI REICHSDAHLER. WEILEN AUCH DER AUGENSCHEIN GIBT, AUCH VOR GOTT UND HEILSAMER WELT UNVERANTWORTLICH UND NICHT ZU DULDEN, DASS EIN JEDER OHNE UNTERSCHIED-AUF HIESIGEN EIGENTUMSBÜSCHEN NACH SEINEM WOHLGEEALLEN NIC HT ALLEIN BRAND- ZAUN - UND BINDGEHÖLZ, AUCH TÜRKENBOHNEN-RAHMEN UND STICKELREISER WEGHAUEN, DIE EICHEN STUPPEN UNDWAS SCHANDLICH ANZUSEHEN IST, VERDERBEN, SOWIE AUCH MEYEN HAUEN UND DAS GRÜNE LAUB STRAPPEN ALS EUTTER FÜR DAS VIEH, DAS ALTE GELAUBSAUESCHEREN UND IHRES GEFALLENS NACH HAUS FÜHREN UND TRAGEN, SO SOLL EORTHIN KEINER, ER SEI WER WOLLE ANDERS KEIN HOLZ, DANN AUF SEINEMHAUEN UND HOLEN, DAHER SON- STEN DIE UEBERTRETER DURCH DEN DAZU GENANNTEN SCHUTZEN ANGE - GEBEN UND GEBÜHREND JEDESMALEN DES BEGANGENEN DIEBSTAHLS HALBER MIT EINEM HALBEN DAHLER GESTRAFT WERDEN SOLLE. KINDERN SOLL NICHT ZUGEGEBEN WERDEN, BEYELEN NOCH HEEPEN IN DIE BÜSCHE ZU TRAGEN, DAMIT DADURCH KEIN SCHADEN AN JUNGEN EICHEN, OBSTBÄUMEN, ZAUN UND SONSTEN WIE ES NAMEN HAT GESCHE- HEN, DER HÜTER AUF BETRETEN DEREN HEEPEN UND BEYELEN OBGE- MELT WEGNEHEMEN, VOR SICH BEHALTEN, DEREN KINDERN ELTERN DER GEBÜHR BESTRAFT WERDEN SOLLEN. WEILEN AUCH GEKLAGT WIRD DASS GEIS UND SCHAF IN UND ALLE WEG IN DEN GEZÄUNTENWIESEN, RITZEN, BAUMGARTEN UND BÜSCHEN WEIDEN, IST DEN VERORDNUNGEN ZUWIDER, SONDERN SELBIG IN DAS BRACHFELD ZU HÜTEN NUR BLOSHIN ERLAUBET. DIE ÜBERTRETER DESSEN MIT EINEM DAHLER BESTRAFT WERDEN SOLLEN. WEILEN AUCHVIELE SCHÄDEN AUF JENE SETZEN SEIEN, DIE NEU BÜRGER WORDEN UND VIEH HIELTEN UND KEINE BÜSCHE HABEN, DAHER BESTRAFT WERDEN MIT EINEM DAHLER. ALLEN BÜRGER IST ES BEY STRAFE VON FÜNF DAHLER VERBOTEN IHR VIEH VOR MARTINI AUSWENDIG GEHEN ZU LASSEN. AUCH SOLLEN STÄLLE WINTERS REIN GEHALTEN DASS KEINE SEUCHEN KOMMEN. WENN DAHER BÜRGERLOCK GELÄUTET WERDE, SOLL JEDER BURGER UND GEMEINDSMANN GEHORSAMLICH ERSCHEINEN UND HÖREN WAS NEUES GEBE, UNTER STRAF EINES HALBEN DAHLERS.

Diese und viele andere Gesetze und Verordnungen sollten die Bürger recht und schlecht vor Übertretungen schützen.

Die hohen Abgaben an die Lehensherren, aber auch nicht zuletzt die despotantische Einstellung des einzelnen Pächters, zwangen das Hofgesinde zu erhöhten Arbeitsleistungen, die oft genug zu wahren Unmenschlichkeiten führten. Jedoch bei den Leuten des Herrn vom Halferhof zu Happerschoß traf dies nicht zu. Sie schätzten ihren Herrn, weil bei ihm die menschliche Seite Vorrang hatte. Als Lehen des Abtes von Siegburg hatte er den Hof von seinem Vater übernommen. Er stand am westlichen Ortsteil und dehnte sich mit den Feldereien bis südlich ans "Röotschet"und westlich bis an den "Allender Berg" aus, wogegen die Waldungen nordwestlich bis an den "Seligendaler Berg" reichten. Der Halferhof hatte großen Weidegang, was auf einen reichen Viehbestand schließen lässt. Zu dem Großvieh an Pferden und Ochsen, kam ein reicher Rinderbestand. Die Schweinezucht scheint hier nicht die Ranglage gebildet zu haben, was jedoch nicht ausschließt, dass sie nicht beschränkt zum Viehbestand zählte.

Für die persönlichen Abgaben, die immer wieder um Martini anfielen, sorgte die Hühner- und Schafzucht. Später kamen teilweise Geldaufwendungen hinzu, die sich von Jahr zu Jahr steigerten und oft den Bestand des Hofes erschütterten. Der Feldfruchtanbau entsprach dem von heute. An Getreide: Roggen, Hafer, Gerste, Weizen; an Hülsenfrüchte: Bohnen und Erbsen, vereinzelt auch Linsen. An Hackfrüchten hatten Rüben und Möhren die Vorhand. Der Rapsanbau war ebenso beliebt. Er wurde in der Ölmühle zu Seligenthal geschlagen. Das Öl diente der Küche und gleichfalls als Brennstoff für die Lampe (Ölfunzel). Der Flachsanbau war verhältnismäßig gering, er diente meist nur den persönlichen Bedürfnissen.

Zu keinem Vergleich stehen die damaligen Ernteerträge zu denen von heute. Kunstdünger kannte man nicht. Man war lediglich auf die menschlichen sowie die tierischen Fäkalien angewiesen. Hinzu kam die Holzasche, die im Laufe des Jahres anfiel. Stroh stand als Spreu für -das Vieh nur beschränkt zur Verfügung. erstens wegen des geringen Ertrages und zweitens wegen des Winterfutters. Vergleicht man z. B. die Erträge des Roggenstrohs von früher gegen heute, er- geben sich riesige Unterschiede: Lag ehedem der Wuchs auf 50 - 60 cm, so heute auf 1, 40 - 1, 50 m Höhe. Man war gezwungen die fehlende Spreu aus den Wäldern zu holen.

Trotz Fleiß und Vorsorge des Halfen schlug plötzlich die Seuche zu und räumte kläglich unter den Viehbeständen auf. Die Verknappung der Spreu brachte auch die Sauberhaltung der Ställe in Verzug, desgleichen auch die Durchlüftung die viel zu den Unbilden beigetragen haben mag.

In solchen Situationen machte sich der Einsiedler Antonius von Hermülheim nützlich. Unermüdlich war er mit Kräutern und Tinkturen im Angriff um der Seuche Herr zu werden. Wenn er seitens der Obrigkeit nicht immer im rechten Licht steckte, war er wegen seiner Hilfsbereitschaft bei den Bauern sehr beliebt. Stellte sich zu den Übeln auch noch ein Mißwachs ein, kam es oft zu katastrophalen Ausmaßen. Oft genug weist die Geschichte regelrechte Hungerjahre nach, die sich über ganze Kirspel erstreckten, die dadurch besonders fühlbar wurden, da die Forderungen der Lehensherren unveränderlich blieben. Alljährlich, insbesondere in den Notzeiten, zogen die Bittprozessionen über die Orte, man betete um eine gedeihliche Witterung, wobei der Geistliche Ställe, Felder und Fluren segnete und mit Weihwasser besprengte.

Bei dieser Gelegenheit erwärmte sich in Bröl immer wieder die Frage warum zieht die Prozession immer wieder durch Happerschoß und Heisterschoss? Warum nicht wenigstens einmal im Jahre durch Bröl? Man erwiderte mit den verschiedensten Argumenten: zunächst wäre Bröl mit in die Gebete eingeschlossen, dann wäre die Entfernung zu groß und der Berg für die älteren Menschen zu beschwerlich, und drittens reichte nach der Messe die Zeit nicht hin.

Diese Ausflüchte erhitzten immer wieder die Köpfe und führte zu heftigen Pro- testen. Man warf dem Pastor immer wieder die Frage vor: ist der Weg von Happerschoß- nach Bröl weiter und beschwerlicher als der umgekehrte? Obwohl man die Wogen der Empörung zu glätten versuchte, Bröl hat die Schatten der Stiefmütterlichkeit nie überwinden können.

Aus Sparmaßnahmen hatte der Abt den Halfen zeitweise zum Wetterläuten verpflichtet. Sobald sich ein Gewitter ankündigte, eilte ein Knecht zur Kirche und kündigte durch Glockenschläge das Wetter an.

Mit diesem war auch das Angelusläuten verbunden. Er erfolgte zum Arbeitsschluss um 6 Uhr abends. Gleich wo man sich befand, man hielt inne, zog die Mütze, faltete die Hände zum stillen Gebet.

Nachdem alles gerichtet, die Ställe versorgt waren, ging man ins Gesindehaus um das Abendbrot einzunehmen. Es bestand aus Brot, Butter, Eier, Käse, Kraut, dazu kamen paarmal wöchentlich Suppen aus Gersten- und Hafermehl. An Sonn- und Festtagen gab es Fleisch oder Eierkuchen mit Weißwecken und Milch. Der Kaffee bestand aus gerösteter Gerste und Eicheln, die je zur Hälfte gemischt waren. Zuweilen gab es auch kleine, runde "Käschen", die aus der eingedickten Magermilch gewonnen wurden. Diese wurden mit Kräutern gewürzt und zum Trocknen auf Fensterbänken und Brettern ausgelegt. Sie galten allgemein als Delikatesse.

Brach die Dämmerung herein wurde das Hoftor durch Sperrbalken verriegelt, während der Nachtwächter mit seinem Büffelhorn und der Öllaterne zu gewissen Stunden durch die stillen Gassen schritt und die Nachstunden sang. War im Herbst die Getreideernte gehalten, durften die Frauen und Kinder auf die Stoppelfelder, um die verstreuten Ähren zu lesen. War ein Büschel der dicke einer Männerfaust gesammelt, band man diese zu einem Strauß (Sangen) zusammen. Die so gesammelten Ähren waren eine willkommene Bereicherung des Küchentisches.

Mit Einzug des Winters begannen auf dem Hof der Drusch der Ernte, Misten der Ställe, Füttern des Großviehs, sowie die Reparaturen und Ausbesserungen von Werkzeugen und Geräten. Die Mägde schälten (sprich keffern) Bohnen und Erbsen und versorgten das Kleinvieh. Das Melken der Kühe wurde im Wechsel oder gemeinsam ausgeführt.

Eine besondere Arbeit war die Verarbeitung des Flachses. Nachdem der Flachs geriffelt, d. h. durch eiserne Kämme von Blättern und Samen gereinigt war, wurde er geröstet und vom Pflanzenleim befreit. Hierauf wurde er gewaschen, gebrochen und gehechelt, d. h. der Bast wurde durch Kämmen in kleine Fasern zerlegt. Die langen Fasern wurden zu Leinen versponnen, die kurzen zu Polster für Sattel und Hamen etc. verarbeitet.

Hoher Schnee und schwere Fröste schnitten oft die Höfe von der Umwelt ab. Laute Knalle schreckten die Menschen nächtens auf. Verursacht durch klirrende Kälte platzten die Baumrinden auf.

Die Wölfe wagten sich aus dichtem Gehölz hungernd bis an die Höfe heran. Oft genug musste man sich dieser gefräßigen Tiere mit Forken und Knüppel erwehren. Sobald die Härte des Winters nachließ, ging man in die Büsche um Bäume zu fällen. Man nutzte die noch vorhandene Schneedecke, um die Stämme mittels Schlitten nach Hause zu schaffen. Bis zu Beginn des Frühjahres war der Vorrat des Brandholzes fürs kommende Jahr geschafft.

So wusste Meister Halfen die Arbeiten nach Plan einzuteilen. Dann kamen die Säkularisation und damit die Verstaatlichung. Sie forderte erhebliche Pachten, die die Existenz des Hofes gefährdeten. Trotz allem Fleiß, der Hof kam immer mehr in Verfall, bis schließlich die preußische Domänverwaltung den Halfenhof meistbietend versteigern ließ. Das gesamte Gehöft wurde zum Abbruch verkauft. Wälder und Felder wechselten durch Kauf ihren Besitzer. Über das Geschick des Halfen ist uns nichts übermittelt. Nur bei unseren Altvordern lebt der Hof noch in schwacher Erinnerung.

Die Gehöfte wurden alle aus Fachwerk gezimmert. Jedes Gefach war mit Eichenstäben verklemmt und mit Riffelgerten hoch und quer verflochten. Dann wurden die Gefache mit einem steifen Lehmteig, der mit gehacktem Stroh und Häcksel vermengt war, angeworfen, Waren die Gefache trocken, wurde eine Lehmschicht innen wie außen, mittels "Schleverbrett" aufgetragen und geglättet. Die Dächer waren mit Stroh gedeckt. Küchen und Gänge waren mit Steinplatten belegt. Die Böden der Söller aus Lehm, die Wohn- und Schlafräume mit Bohlen und Brettern verlegt. Der Kamin war aus Lehm und Steinen geschichtet. Am sogenannten "Helhaken" hing der Kessel über der Flamme. Tisch und Bänke waren aus „dicken Bohlen gezimmert, die wöchentlich mit Sand weiß gescheuert wurden. Der Sauberkeit wegen war' der Küchenboden wochentags mit weißem Sand bestreut.

Von der Küche aus konnte man die Ställe betreten. Das hatte den Vorteil, man brauchte bei Wind und Wetter nicht über den Hof, des Weiteren war Winters die Wohnung weitgehend vor Kälte geschützt.

Die anliegenden "Kotten", in welchen das Gesinde wohnte, waren ähnlich, jedoch in primitiverer Art, gebaut. Das ganze Anwesen war mit einem hohen Palisaden- Zaun umgeben, der durch ein Holztor unterbrochen war.

Nur die grundherrlichen Höfe, die des Adels und der Geistlichkeit, besaßen größere, zusammenhängende Ackerflächen, die demnach auch mit größeren Rechten (keine Pflichten) ausgestattet waren.

Als sich später verarmte Freigesprochene ansiedelten, wurde ihnen seitens der Herrschaft einige Morgen Rodland zugewiesen, die jedoch später dem Zins unterlagen (Näheres ist aus der Vorgeschichte zu ersehen).

Wenn es den Lehensberechtigten erlaubt war, in den Wäldern Streu für das Vieh zu holen, war es den einfachen Hausständen untersagt, erst recht, wenn sie keinen eigenen Waldbesitz hatten.

Abgesehen von groß en Seuchen, die oft genug unter den Viehbeständen aufräumten, und nicht selten den Lehen an den Bettelstab brachten, kamen noch die Requisitionen und Plünderungen, die in unruhigen Zeiten über die Lande fegten.

In solchen Zeiten wurden besondere Abgaben und Opfer vom Landesherrn gefordert. Bei Kriegsgefahr musste jeder Hof einen Wagen mit Gespann und Knecht bereitstellen. Hinzu kam noch Verpflegung, Lohn für den Mann und Futter für das Pferd.

Drohten Gewitterwolken, musste jeder Hof im Wechsel einen Knecht zum Wetterläuten bereithalten. Solche, und noch viele andere Bestimmungen waren den Höflern auferlegt.

War ein Lehensherr mit dem Zehnten, oder anderen Abgaben im Verzuge, wurde ihm kurzfristig das Lehen abgesprochen. Die ursprünglichen Frei- oder Geheimgerichte hatten ihren Ursprung in Westfalen. Der Sittenverfall und die schwindende Moral veranlassten die Freigrafen eigene Gerichte zu schaffen, die unkontrolliert von den Gesetzen des Reiches, Verurteilungen und deren Vollzüge befehligten.

Die Sitzungen, die man unter geheimen Zeichen und Losungen führte, wurden rücksichtslos durchgeführt.

Hier soll nun der Hergang einer solchen Sitzung aufgezeichnet werden, den ich einer alten Überlieferung entnommen habe.

Entgegen dem Freigericht von Happerschoß, handelt es sich hier um die Aufzeichnung eines Femegerichtes.

Das Freigericht tagte nur unter dem Vorsitz eines Freigrafen. Diesem unterstanden sieben Freischöffen und drei Fronboten, die unter Eid gesetzt, alle Rechte der Freien genossen, vorausgesetzt, dass sie sich makellos geführt und die Gunst des Freigrafen genossen.

Die Weihe der Freischöffen ging folgendermaßen vor sich: Der zu Weihende kniete mit entblößtem Haupte vor dem Freigrafen nieder, legte drei Finger auf Schwert und Strick, wobei er die Eidesformel sprach: "ich gelobe feierlichst der hl. Feme aufrichtig, gehorsam und in Treue zu dienen. "

Hierauf sprach ihn der Freigraf frei und sagte ihm das geheime Losungswort. Die beiden Symbole, Schwert und Strick, bedeuteten Kreuz und Strafe oder Leben und Tod!

Beim Eintritt eines Schöffen ging folgende Grußformel vor sich: Der Eintretende legte seine rechte Hand auf seine linke Schulter, dann auf die linke Schulter des anwesenden Schöffen. Dieser legte seine linke Hand auf seine rechte Schulter dann auf die rechte Schulter des eintretenden Schöffen. Hierbei sprach letzterer das Losungswort, das jener erwiderte. Nun drückten sich beide die Hände und schritten auf ihre Plätze.

Nachdem der Freigraf den Mittelplatz eingenommen, legte er seine rechte Hand auf das Kreuz, seine Linke auf den Strick, was den Beginn der Sitzung bedeutete. Die Freischöffen und Fronboten saßen rechts und links neben dem Freigrafen, mit entblößten Häuptern, ohne Waffen und nüchtern zu Gericht. Ihre Gesichter waren vermummt.

Vor dem Freigrafen kniete der Kläger, reckte drei Finger 'en Himmel und schwur: dass der Angeklagte wider Gott, Ehre und Recht gehandelt und um seine Missetat willen, Fluch und Verdammnis verwirkt habe.

Hierauf mussten die Schöffen dem Freigrafen die Aufrichtigkeit des Anklägers bestätigen. Dann wurde der Ladungsbrief, mit sieben Siegel versehen, dem An- geklagten durch die Fronboten zugestellt.

Hierin wurde er aufgefordert, sich innerhalb drei Tagen bei der Freistätte einzufinden, um Leib und Leben zu verteidigen. War der Vorzuladende nicht zu Hause, oder gar ein Umtreiber, wurden drei Ladungsbriefe ausgestellt, an jeden Brief eine Kaisermünze befestigt und an drei Stangen an den Hauptwegkreuzungen aufgesteckt. Nach drei Tagen wechselten die Stangen zur nächsten, und nach weiteren drei Tagen zur dritten Wegkreuzung.

Stellte sich der Angeklagte dem Freigericht und konnte seine Unschuld durch drei Zeugen beweisen, war er frei, konnte er es nicht, war er verfemt.

Man brach den Stab über ihn und schleppte ihn zur Richtstätte. War der Verfemte flüchtig, rief man Rache in alle vier Winde aus. Heimat- und ruhelos irrte der Geächtete umher, weder Freund noch Feind durfte ihm Schutz gewähren, bis ihn der Dolch eines Rächers traf. Fast nie entging ein Verurteilter seiner Strafe, weil alle Freigrafen durch die Fronboten unterrichtet, und zu brüderlichem Beistand verpflichtet waren.

Hatte der Missetäter den Dolch getroffen, wurde er sieben Fuß hoch an einem Baum aufgeknüpft, und den Dolch in den Baum gestoßen, als Zeichen dafür, dass er von der hl. Feme gerichtet wurde.

Als Gustav Adolf von Schweden am 24. Januar 1630 mit 15 000 Mann in Pommern landete, zog er über Magdeburg nach Süddeutschland, wo ihn Wallenstein zum Kampf stellte.

Trotz der gewonnenen Schlacht, fand Gustav Adolf bei Lützen den Tod- General Baudissin sammelte das Heer und zog plündernd über Hessen ins Rheinland. Am 15. 10. 1632 traf er in Siegburg ein, brandschatzte, raubte, schändete, metzelte drei Jahre lang.

Auch Happerschoß wurde von dessen Schreckensregiment nicht verschont. Groß war die Not» und das Leid, das die Bevölkerung zu tragen hatte. Wer Widerstandleistete, wurde niedergemacht, wem Ehre und Leben lieb war, floh.

Entfesselt von den Gegensätzen der Konfessionen, tobte 'der Bürgerkrieg, der sich mit der Willkür der feindlichen Horden mischte.

Aus jenen Tagen wurde mir eine Aufzeichnung übermittelt, nach der eine gewisse Witib Malfen einem Soldaten den nackten Hintern gezeigt haben soll, als jener aus ihrem Stall eine Ziege holte und sie vor ihren Augen abschlachtete. Für diese "Bezeugung" musste sie drei Tage lang ohne Wasser und Brot am Pranger stehen. Während dieser Zeit war sie ehrlos: sie durfte bespuckt, getreten und geschlagen werden. Wehe, wenn sie Feinde hatte!

Aus gleicher Quelle stammt folgende Begebenheit: Einem Hauswirt namens Lytzen, wurde wegen Blutschande den Prozess gemacht.

Er wurde zum Tod verurteilt, anschließend eingesperrt und am dritten Tage mit einer Karre zur Richtstätte gefahren. Nachdem man ihm Arme und Beine abgeschlagen, wurden seine Gebeine verbrannt.

Aber nicht nur der Mensch, sondern auch das Tier unterlag den grausigen Gesetzen. Im 16. Jahrhundert z.B. verurteilte Prinz Charles von Valois einen Ochsen zum Tode durch Erhängen, weil dieser einen Mann zu Tode gestoßen. Der Ochse wurde auf dem Marktplatz öffentlich gehängt.

Man könnte die Kette der Unmenschlichkeiten endlos fortsetzen. Schließen wir das Kapitel und wenden uns wieder dem Dorfe zu.

Im Westfälischen Frieden (1648) fand das ohnmächtige Reich endlich Ruhe. Fast 1 ½ Jahrhunderte lang durften sich die Menschen erholen und friedlichen, Arbeiten nachgehen.

Da kam die Französische Revolution. Napoleons Eroberungssucht ließ seine Heere auf unsere Lande los.

Am 19. 6. 1796 fand eine Hauptschlacht am Käsberg-bei Uckerath statt. Zwischen Bröl und Heisterschoss hatten die Franzosen ein Lager bezogen. Auch hier weiß der Chronist von Vergewaltigungen, Requisitionen, Plünderungen in Kirchen und Häuser zu berichten.

Während die Kaiserliche Reiterei bei Uckerath stand, bezogen die Österreicher bei Wardt Stellung. Leutnant Gallot formierte sich mit seiner Eskadron im "Wehrfeld" (eine Talmulde nordöstlich hinter Bröl gelegen, dessen Flurbezeichnung sich bis heute gehalten hat) und zog am 10. 3. 1796, das Franzosenlager umgehend, nach Neunkirchen. Von hier aus versuchte er den Feind zu stellen, was ihm durch die erdrückende Übermacht der Franzosen misslang.

Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts dauerten die Kämpfe an. Alles sehnte sich nach Frieden. Am 1. 1. 1801 trafen sich die Bevollmächtigten der kriegsführenden Parteien zu Luneville, wo am 9. 2. der Friede zustande kam. Nach Abzug der Truppen beruhigte sich die Lage und langsam normalisierte sich das Leben.

Der damalige Pfarrer Busch setzte sich mit Rat und Tat für die Kirchengemeinde ein. Notgedrungen ließ er aus dem Kirchengut 1804 Eichen verkaufen, um den größten Teil der Kriegsschäden beheben zu können.

Dann kam der 11. August 1807. Wiedermal brach über Happerschoß das Unheil herein:

In den späten Nachmittagsstunden gellte plötzlich das Feuerhorn. Vom Wind begünstigt war innerhalb drei Stunden die Kirche, 36 Häuser und 24 zum Teil mit Getreide gefüllten Scheunen ein Raub der Flammen. Dann kam die Hiobsbotschaft: die Pfarrei sollte aufgelöst und benachbarten Pfarreien angeschlossen werden.

Über die wirklichen Dinge von damals schwieg sich der Chronist aus. Eines nur ist sicher: dass die Belastungen der halben Bröl den ersten Maire Ennenbach (wovon noch die Rede ist), vorgenannte Bestrebungen eher förderte, als eindämmte.

Als die Order eintraf, dass der eine Ortsteil nach Bödingen und der andere nach Seligenthal angeschlossen werden sollte, unternahm er nichts um dem entgegenzuwirken.

Als sich die zeitlichen Härten der fremden Gesetzgebung langsam milderten, nutzte auch Pfarrer Sturm diese Situation weidlich aus. Wie ein Besessener kämpfte er um die Erhaltung der Pfarre. Als man ihn zu seinem Leidwesen noch nach Seligenthal versetzen wollte, stellten sich die Happerschoßer hinter ihn und beschlossen einstimmig eine Kirche auf eigene Kosten zu bauen.

In Kirchennähe richtete man zunächst in einer Scheune eine Notkirche ein, wo man an 'Sonntagen den Gottesdienst abhielt.

Am Ende siegte Pfarrer Sturm mit seinen Happerschoßer: die Pfarre blieb und - ihr Pfarrer.

Fast elf Jahre lang sollte dieser Notstand dauern, bis 1818 die jetzige, ein- schiffige Kirche, unter dem Nachfolger Pfarrer Christian Kropp, auf Staats- kosten gebaut und am 21. Dezember selbigen Jahres geweiht wurde.

Neben dem Hochaltar wurden noch zwei Nebenaltäre errichtet. Der linke wurde der Gottesmutter, der rechte dem hl. Remigius, dem Kirchenpatron der Pfarre, geweiht.

Im Jahre 1865 regte Pfarrer Kropp den Anbau eines Chores an. Seine Bemühungen hatten ein Jahr später Erfolg. Baumeister Brandenburg leitete die Bauarbeiten. Im gleichen Zuge setzte er eine Gesamtrenovierung der Kirche durch, zu der 13 neue Kirchenbänke kamen, die aus vier kircheneigenen Eichen gezimmert wurden. Die Finanzierung derselben wurde durch Verpachtung der Bänke an bessergestellte Bürger, sowie durch Haussammlungen gedeckt.

Der Friedhof, der rings um die Kirche angelegt war, wovon heute noch die alten Grabkreuze zeugen, wurde seit dem 1. Mai 1879 nicht mehr benutzt, da an diesem Tage der neue Friedhof eingeweiht wurde.

Den Gesuchen des Bürgermeisters Eich, Bödingen, eine neue Schule zu bauen, wurde dadurch Nachdruck verliehen, dass im alten behelfsmäßigen Bau die Lehrerstelle aufgelöst wurde, die bisher vom Küster übernommen war.

1846 wurden seine Bemühungen durch den Bau einer Schule gekrönt, die am 19. 11. desselben Jahres von Pfarrer Schmitter eingesegnet wurde. Durch die steigende Schülerzahl sah man sich 1884 gezwungen, durch Anbau von zwei Schulsälen der Raumnot ein Ende zu bereiten.

Die dreiklassige Schule wurde von zwei Lehrern betreut.

Hier sollen nun einige Riten und Bräuche folgen, die bis zu den 30 er Jahren üblich waren, aber den zeitlichen Umständen weichen mussten:

Bei einem Versehgang ging der Priester in vollem Ornat, das Heiligste auf der Brust tragend, begleitet von zwei Messdiener, wovon einer die Öllampe, der andere eine Schelle trug, zum Schwerkranken, um diesem die Sterbesakramente zu bringen. Durch ein Klingelzeichen gemahnt, traten die Gläubigen an den Weg, knieten nieder und bekreuzigten sich ehrfurchtsvoll.

Die Totenwache, so nannte man drei Gebetsabende, die den Verstorbenen gewidmet waren. Der Tote wurde im Sterbehaus aufgebahrt, wo er drei Tage verblieb und das oft genug unter den schwierigsten Platzverhältnissen.

An diesen drei Tagen kamen abends die Verwandten und Bekannten des Verstorbenen und hielten die Totenwache, wobei sie für die Seelenruhe des Verstorbenen beteten.

Im oberen Schlosswald lebte der Eremit Antonius von Hermülheim in seiner Klause, sein stilles gottesfürchtiges Leben. Auch er fehlte nie bei der Wacht des Toten, wo er sich als Vorbeter beliebt gemacht hatte.

Sein wallendes Barthaar fiel ihm patriarchenhaft bis auf die Brust. Wenn er mit Bassstimme die Gebete murmelte, vermeinte man etwas Übernatürliches in seinem Tonfall zu Vernehmen.

Um seinen Pflichten näher zu sein, hatte er 1718 eine kleine Wohnung in Happerschoß bezogen. Sein im Schlosswald stehendes Häuschen, mit kleinen Ländereien, verkaufte er an Freiherrn Scheiffardt von Merode, der seinerseits den Erlös nebst 300 Reichstaler der Kirche in Happerschoß stiftete, wofür er sich nebst Familie eine wöchentliche hl. Messe erbat.

Am ersten Morgen nach dem Todestag trafen sich alle Jungfern des Ortes in der Kirche, um zu Ehren des Toten den "Fußfall“ zu beten (Rosenkranz). Nach der Messe zogen die Jungfern betend zum Trauerhaus, wo sie an der Bahre des Toten die Andacht beschlossen. Nach gemeinsamen Morgenkaffee bekam jede Jungfer von den Angehörigen des Verstorbenen den Opferpfennig, welcher für den Opfer- gang am Begräbnistag bestimmt war. Zum Opfergang ging man um den Altar und legte am Fuße desselben den Opferpfennig in eine Schale.

Am Tage vor der Beerdigung ging die Ansagefrau von I-laus zu Haus und lud alle Verwandten und Bekannten zur Teilnahme an der Beerdigung ein, wobei sie den immer wiederkehrenden Text herunterleierte: "Alle Verwandten und Bekannten sind zum Begräbnis herzlich eingeladen. Ab 9 Uhr vom Sterbehaus. Die Ange- hörigen bitten um ein Vaterunser für die Seelenruhe des Verstorbenen".

Wenn die Beerdigungszeremonie auf dem Friedhof beendet war, lud der Vorbeter alle Verwandten und Bekannten, Freunde und Gönner, zum Leichenschmaus im Sterbehaus ein. Dieser bestand meistens aus Kaffee, Streuselkuchen, zu weilen auch "Appeltaat".

In den 30 er Jahren wurde die Kirche unter Pastor Hermkes neu restauriert. Ihm ist ebenfalls die neue Kirchenorgel zu verdanken, die er aus Spenden der Bevölkerung finanzierte.

Nunmehr sind wieder 35 Jahre vergangen. Inzwischen notwendig gewordenen Restaurierungsarbeiten an der Kirche - innen wie außen - wurden in den Jahren 1960 - 66 ausgeführt. Außerdem wurden Turm und Dach von Grund auf erneuert. Auch der Platz um die Kirche erhielt ein frisches Gewand, wodurch die alten Grabkreuze wieder voll zu Ehren kamen.

Das Innere der Kirche erhielt einen frischen Anstrich. Die beiden Seitenaltäre verschwanden. Dem Hauptaltar wurde ein neues Gewand gegeben. Das Freskenbild an der Decke bringt das Alte mit dem Neuen in eine schöne Harmonie. Die Orgelempore, die auch neu erstellt wurde, lässt das alte Bild in neuem Licht erstrahlen.

Am 8. 4. 1958 wurde der Grundstein zum Bau eines neuen Pfarrhauses gelegt, welches am 12. 11. selbigen Jahres bezogen werden konnte.

Anlässlich der 900 Jahrfeiern der Pfarre fand am 3. 9. 1966 eine weltliche Feier statt, die sich, unter Mitwirkung aller Vereine, zu einem großen Dorffest gestaltete.

Die kirchliche Feier folgte erst vier Wochen später (?!). Nachdem Weihbischof Dr. Frotz Köln den neuen Hochaltar konsekriert hatte, schloss sich ein großer Festkommers an.

Der alte “Röttches Hof" wurde vom Besitzer des Klostergutes Bödingen im Jahre 1957 an das Rheinische Heim verkauft. Dieses baute auf dem gesamten Gelände Lehr- und Erziehungsstätten, die unter dem Namen "St. Ansgar" (1957-58) eingeweiht wurden.

Am 27. 7. 1966 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Der Bau war Weihnachten 1967 soweit fertiggestellt, dass am Heiligabend die erste hl. Messe zelebriert werden konnte. Nach Ausbau der Inneneinrichtung soll die Einweihung folgen.

Das Wahrzeichen von Happerschoß war ehemals der Wasserturm, der im gleichen Zuge der Verrohrung im Jahre 1912 erbaut wurde. 52 Jahre lang versorgte er Happerschoß mit Wasser.

Nunmehr aber war er den Ansprüchen der Neuzeit nicht mehr gewachsen und musste 1964, infolge Anschluss an die Wahnbachtalsperre, niedergelegt werden. Gleichzeitig wurde auch die Kanalisation verlegt, Gossen und Rinnen verschwanden, und der alte, verschlammte Brandweiher am "Pützenichweg" wurde im gleichen Zuge von der Gemeinde Lauthausen zugeschüttet und eingeebnet.

Die Fläche unterhalb des Weihers, die ebenfalls Gemeindeeigentum ist, wurde 1968 planiert und für e:ínenKinderspielplatz hergerichtet. Im August 1969 wurde der Platz mit Spielgeräten ausgerüstet und am 8. September 1969 eingeweiht. Innerhalb der Einfriedung wurde der Platz mit Ruhebänken versorgt, so dass in Anbetracht der ruhigen Lage, hier Alt und Jung eine Oase der Ruhe und Entspannung findet.

Die Pflege des Platzes hat der Heimatverein übernommen, der im Jahre 1964 ins Leben gerufen wurde und seitdem eine rege Tätigkeit entfaltete.

Bei dieser Gelegenheit soll aber auch einem Verein gedacht sein, der am 30. Mai und 1. Juni 1964 sein 100-jähriges Bestehen feierte: der MGV "Liederkranz" Happerschoß. Er wurde 1864 von 17 jungen Männern gegründet. Auf Wunsch des damaligen Pfarrers Kropp übernahm der Verein auch den Kirchengesang. 1'876 wurde die Vereinsfahne geweiht. Auf verschiedenen Preissingen hatte der Verein Erfolge.

Als 1914 der erste Weltkrieg begann, kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Der Dornröschenschlaf dauerte über den 2. Weltkrieg hinaus, bis zum Jahre 1951. Mit 50 aktiven Sängern begannen wieder die Proben, die 1964 zum vor- genannten Jubelfest führten.

Einige Jahre später machte sich im Verein eine erneute Unruhe bemerkbar, die schließlich 1972 zur vollständigen Einstellung der Probenarbeiten führte.

Am 27. - 28. 4. 1974 konnte der Pfarr-Cäcilienchor von St. Remigius sein 75- jähriges Jubelfest feiern. Seit Gründung des Jahres 1899 hat der Chor allen Unbilden getrotzt und mit einer beträchtlichen Sängerzahl dem Kirchengesang Herz und Ohr geschenkt.