Heisterschoss

Nun aber geht unsere Wanderung weiter. Gleich hinter dem Dorf, rechts der Straße, treffen wir auf dem Wege nach HEISTERSCHOSS auf die Stelle, wo eine alte, eingesessene Familie von Happerschoß, am 22. Juli 1813 eine kleine Kapelle errichtete, aus Dankbarkeit für die wunderbare Heilung einer Schwerkranken. Die Kapelle war dem kreuztragenden Heiland geweiht.

Nach Bekundung des Pfarrers Sturm, sollen viele Pilger nach hier gewallfahrtet haben, da die Kapelle weithin als wundertätig galt. Ihre Baufälligkeit veranlasste die Behörde 1964 zu dessen Abbruch.

Der neue Sportplatz, der am 31.7. 1966 eingeweiht wurde, begleitet uns ein Stück auf dem Wege nach Heisterschoss.

Der Sportverein selbst wurde im Jahre 1924 gegründet, von wo ab er eine rege Tätigkeit entfaltete. Auch ihm waren im 2. Weltkrieg Schranken gesetzt. Gleich nach dem Krieg(1946)begann er wieder seine Tätigkeit, die sich auf dem neuen Platz erfreulich gut entwickelte.

Nun aber wenden wir uns Heisterschoss zu.

Eine Urkunde aus dem Jahre 1129 bestätigt erstmals das Bestehen des Ortes unter dem Namen "HEISTERSCOZ".

Es ist dieselbe Urkunde, in welcher Erzbischof Friedrich I. von Köln Anno ll. von der Abtei Siegburg den Zehnten von Happerschoß zuspricht.

Um 1166 wiederholt sie sich in einer Zinsforderung, wonach Abt. Nikolaus II. ein Lehen bekundet, dass er in Heisterschoss verwalten ließ.

Des weiteren bestätigt ein Schutzbrief des Papstes um 1181 die Zugehörigkeit der Honschaft zur Abtei.

An anderer Stelle werden dem Abt 1182 aus Heisterschoss "5 RINDEREN DIE USZEICHEND SIN DURCH GODEN WUOCHS“ zugesprochen.

Die Besiedlung des Ortes fällt in die Rodeperiode der Jahrtausendwende. Die vielen Altbauten, die vorwiegend an der Südseite lagen, wovon im letzten Jahr- zehnt viele einstürzten, oder wegen Einsturzgefahr niedergerissen wurden, lassen darauf schließen, dass-hier der Zentralpunkt der Siedlung gelegen haben muß. Die weitere Ausdehnung erfolgte in späteren Perioden.

Zum Schutze des Ortes hatte man einen hohen, spitzen Palisadenzaun errichtet, der sich wie eine Mauer um den Ort zog. An der West- und Ostseite war er von zwei Toren unterbrochen, denen sich je eine Pforte für Fußgänger anschloss. Harte Strafen zogen jene auf sich, die nicht die Ein- bzw. Ausgänge hinter sich verriegelten.

Die geschichtliche Weiterentwicklung ist mehr oder weniger mit der von Happerschoß verquickt. Zählte Heisterschoss doch seit eh und je zu dessen Pfarrverband.

Wie schon erwähnt, belagerten die Schweden 1632-35 unsere Gegend. General Baudissin, der sein Standquartier in Siegburg aufgeschlagen hatte, führte eine wahre Schreckensherrschaft. Seinem Kommandant Loyson, dem er eine Abteilung übertragen, bezog in Heisterschoss ein Lager. Auf Kosten der Bevölkerung führte er mit seinem Mannen wahre Orgien.

In einer Aufzeichnung der schwedischen Gilde fand manu. A. eine Tischordnung, aus der sich die "geordneten" Sitten der damaligen Gelagen wiederspiegeln. Hierin heißt es:

Es ist verboten:

1.       Beim Würfeln mit Steinen zu werfen.

2.       Beim Essen die Zinnteller einzukerben, oder zu durchstechen.

3.       Töpfe und Gläser zu zerbrechen.

4.       Löffel in die Tasche zu stecken.

5.       Das Wasser des Nachbarn zu stehlen.

6.       Diesem die Spangen abzuknöpfen.

7.       Auf die Erde zu spucken und mit dem Fuße auszutreten.

8.       Sich in des Nachbarn Haar und Locken zu schnäuzen

9.       Trinken ist erlaubt, jedoch nicht das Erbrechen.

10.   Den Schenken zu misshandeln, mit dem Degen nach ihm zu stechen.

An anderer Stelle wird die Bestrafung eines Söldners geschildert, der einen Kameraden bestohlen und durch das Spießrutenlaufen büßen musste. Das ging folgendermaßen vor sich:

Der Büßende musste eine Doppelreihe von Soldaten durchlaufen, die alle mit Ruten bewaffnet, je nach Strafmaß, auf den unbedeckten oder bedeckten Rücken Rutenschläge verabreichten. Es war eine kurze aber harte Strafe.

Nach Abzug der Schweden konnte auch Heisterschoss langsam von den Wunden genesen, die ihm die Horden der Belagerer geschlagen. Aber immer noch züngelten hier und da Funken auf, die sich zur Flamme entfachten. Die Bewohner kamen nicht zur Ruhe, bis Herzog von Berg(1652) mit drakonischen Maßnahmen in das Geschehen eingriff. Befehle und Dekrete wurden erlassen, die der Ordnung und Normalisierung dienten.

1679 übernahm Johann Wilhelm, kurz "Jahn Wellem" genannt, den Befehl. Auch ihm verdankte unsere Heimat viele Züge, die das Leben wieder lebens- wert machten.

Über die gelockerte Moral gibt uns ein Edikt aus dem Jahre 1792 Aufschluss, welches lautet:

"AN SÄMTLICHE MAGISTRATEN UND BEAMTE DES HERZOGTUM BERG. EUCH SIND UNTER DEN VIELEN ERLASSEN DIE JÜNGEREN NICHT UNBEKANNT, MIT WELCHEN WIR UND UNSER HOHER HERR VOHRFAHREN UNS VERWENDET HABEN, DER ENTHEILIGUNG DER GOTT GEWIDMETEN SONN- UND FEYERTAGEN ZUR FORDERUNG DER RELLIGION UND SITTEN, UND DER DAMIT VERBUNDENEN JENES WOHLSTANDS ERSTLICHEN EINHALT ZU MACHEN, INDEM UNS ABER MISSFÄLLIGST ANGEZEIGT WORDEN, DASS UNSRE UNTERTHANEN, BESONDERS DER GERINGEN KLASSE, DURCH UNGLÜCKLICHEN GEMEIN GEWORDENEN HANG HINGERISSEN WERDEN, ANSTATT DEN VORSCHUBETEN GOTTESDIENSTE AUF BESAGTEN TAGEN ABZUWARTEN, SOLCHE BIS IN DIE NÄCHTE MIT SCHWELGEREYEN, RAUFEN UND SONSTIGEN DAHER ENTSTANDENEN SÜNDEN UND LASTERN, ZU EIGENEN HÄUSLICHEN SCHADEN. ZU ENTHEILIGEN UND DASJENIGE ZUM KUMMER IHRER. WEIBER UND KINDER LIDERLICH VERSCHWENDEN, WAS IN EINER WOCHE VERDIENT WORDEN PP.

WIR ABER NICHT GEMEINT SIND, DIESEN STRÄFLICHENAUSSCHWEIFUNGEN FERNER NACHZUSEHEN UND DAHER GNÄDIGST UND ERNSTLICH BEFOHLEN HABEN, UND WOLLEN, DAS AUF DIE HEILIGUNG DER SONN- UND FEYERTAGE STRENGE GEHALTEN, DAS ALLE VORGEMELTE UNGEBÜHREN ABGESTELLT PP.

DAS SODANNDES ORTS SCHULTHEISS, SCHEFFEN, UND VORSTEHER OHNE UNTERSCHIED DER RELLIGION ANGEWIESEN WERDEN SOLLEN, NACH INHALT DES JÜNGEREN EDIKS DIE WIRTHS UND DERGLEICHEN HÄUSER JE- DEN SONN- UND FEYERTAG WECHSELSEITIG ZU VISITIEREN PP.

Düsseldorf 9. 9. 1792                     Frh. v. Homprich

Im Zusammenhang mit vorgenanntem Edikt möchte ich noch einige folgen lassen, die von den Herzogtümer Jülich, Cleve und Berg erlassen wurden. Unter dem 12. Oktober 1554 heißt es:

"AN ALLE WIRTHSHÄUSER UND HER- BERGEN IN STÄDTEN UND LANDEN. DEN WIRDEN SOLL NIT ZUGELASSEN SEYN, SO DUYR ZU TZAPPEN ALS SIE WILLEN. DES SOMMERS ZU NEUN UHREN, DES WINTERS ZO SIEVEN DES ABENTS, SOLLN ALLE GELÄGER NIT ALEIN GERECHNET, SONDE AUCH UFF UN USS SIN, UFF EIN PEEN EINEM JEDEREN EINE GOLDGULDEN UND DEN WIRDE ZWEEN, DER ANGE- SESSENER HAUSMANN SOLL FOR EYNE GULDEN BORGEN DÜRFEN, WENN NICH ZAHLEN EIN PFAND GEBEN UND BEI STRAF DER EINSPERRUNG BEI WASSER UND BROD, BINNEN DRY TAG EINLÖSEN".

U. A. heißt es weiter:

"UNS IST DIE ANZEIGE GESCHEHEN, DASS AN ORTEN DIE MEHRESTE ANGE HENDE BAUERNWEIBER NACH DER HEIRATHE GANZE KIRSPILEN DURCHSTREICHEN, UM VON DEN LEUT EIN GEWERK- ODER GESPINNGELD ZU ERBETTELN. DASS DIESER UNFUG ÖFTER ZU SCHÄNDUNGEN, ZANK UND SCHLÄGEREIEN ANLASS GEBE, ODER KNECHTEN UND MÄGDEN AM SCHLUIS DES DIENSTJA HRES DIE SOGENANNTEN HUNDSTA GE GEHALTEN UND DIESE IN 'WIRDHSHÄUSER MIT TANZEN, SCHWELGEN ZUBRACHT WERDEN, DEN LOHN ZUSA MMEN VERSCHWENDET UND AUF KÜNFTIGEN GEBORGET, WAS GROSSE MISSTÄND VERURSACHT. WER. KÜNFTIG ERTAPT, WERDEN STRAFEN, ANGEDROHT! "

Um den Bettel unter Kontrolle zu bringen, wurde im Jahre 1571 angeordnet:

"Jedes Kirspel soll seine Armen selbst versorgen, wenn die Mittel fehlen, soll den alten und arbeitsunfähigen Armen Bettelscheine auf das jeweilige Kirspel lautend, ausgestellt werden".

An anderer Stelle heißt es:

"Die zur Selbsternährung unfähigen Armen sollen aus gemittelt, in ein Verzeichnis aufgeführt und mit einem zinneren Zeichen versehen werden, worauf dessen Name und der des Rates verzeichnet ist. Zugleich sollen alle gewarnt werden, bei Strafe von fünfundzwanzig Prügeln und resp. gefänglicher Haft bei Wasser und Brot, sich nicht ohne dieses Zeichen auf die Gehöfte wagen. Die durch Visitation ermittelten, starken, gesunden, dem Müßiggang frönenden Bettler, sollen angewiesen werden, durch Arbeit ihr Brot zu verdienen. Bei Wiederertappung sollen sie bei Wasser und Brot auf acht oder vierzehn Tagen eingeliefert werden. Bei weiterer Übertretung der Bettel zur Fron- oder Kriegsdienst verurteilt werden".

„Der zunehmenden Unsicherheit unserer Bürgersleute durch Diebesbanden, Räuber, Kesselflicker, Wegeschänder und Vagabunden wird die Publikation eines geschärften Edikts erlassen. Werden solche in großer oder geringer Zahl angetroffen, sollen sie im ersten Übertretungsfalle, sofern keine schwere Missetat auf ihnen lastet, gebrandmarkt und ausgepeitscht werden. Bei wiederholter Ergreifung, sofern sie bereits ein Brandmark tragen, durch den Strang vom Leben in den Tod befördert werden. Bei Wahrnehmung solcher Banden soll die Gefahr durch Glockenschläge gemeldet werden".

Die Bestimmungen und Gesetze wurden immer strenger. Von nun ab sollen alle Mörder, Schänder und Taugenichtse nicht mehr gefänglich festgenommen, sondern an Ort und Stelle niedergemacht werden. Belohnung und freies Geleit wird jedem Vollzieher zugesichert.

So lautet eine Verordnung vom Nov. 1630. Im Jahre 1663 wurde die Kopfsteuer eingeführt, die manchem Hausmann zu schaffen machte und oft genug an den Hungernagel brachte. Die Männer hatten 1 Rthlr. die Frauen, Söhne und Knechte ½ Rthlr. und die Töchter und Mägde ¼ Rthlr. zu entrichten. Die Freien, der Adel und Ritter, sowie die Bettelarmen und Bürger unter 15 Jahren waren von der Kopfsteuer befreit.

Durch hantieren mit offenem Licht wurden immer mehr Brände verursacht. Immer wieder wurden neue Gesetze verordnet, um dieser "Flachheit" entgegenzuwirken.

Hier einige Auszüge:

1.       Wer keine Kamine hat, oder diese nicht übers Dach hinaus baut, zahlt ein Rthlr. als Strafe.

2.       Wer in der Stallung oder Scheuer Tabak raucht aus ungedeckelter Pfeife, zahlt 4 Rthlr, aus gedeckelter Pfeife 2 Rthlr.

3.       Wer den Flachs am Feuer in Zacken oder sonst an gefährdeten Stellen aufwärmt zahlt 1 Rthlr.

4.       Wer Pulver beim Licht verkauft, 12 Rthlr.

5.       Rauchen aus Pfeifen ohne Deckel, sowie Cigaros auf Straßen und feuergefährlichen Orten ist bei 2 Rthlr. verboten.

Eine Verordnung vom Febr. 1757 besagt: "Um die Feuersgefahr zu mindern, dürfen künftig keine Häuser erbaut werden mit Strohdächer, sondern mit gebrannten Pfannen oder Leyen.

1796, am 17. Oktobris heißt es:

"Liebe Getreue! Es wurde uns missfälligst bekannt, dass junge Leute keine Scheu tragen, in Bächen, Flüssen und Teichen öffentlich zu baden und zu schwimmen. Da dieses ärgerliche Tun nicht nur mit Gefahr für das Leben verbunden, sondern auch alle Ehrbarkeit und Zucht zuwider ist, verordnen wir gnädigst, dass derjenige hinführo mit 25 Rthlr. bestraft wird. Im Unvermögensfalle unnachsichtlich mit Gefängnisstrafe belegt wird.“

In einer Bestimmung vom 22. Decbr. 1797 wurde von höheren Orten festgelegt:

"Dass es immer wieder unter den-Landsleuten' zu Missverständnissen gelangt, indem der in der Landesordnung vorkommende Ausdruck "Jahr und Tag" anders- deutend verstanden wird, wird hiermit kundgetan, für jetzt und immer, Jahr und Tag bemisst eine Frist von einem Jahr, sechs Wochen und drey Tagen".

Das an der Südseite des Dorfes stehende Heiligenhäuschen wurde nach der Renovierung, am Sonntag, den 15. 10. 1967, von Pfarrer Kurtenbach, Happerschoß, eingeweiht. Die Feier wurde vom Quartettverein Heisterschoss, dem Musikverein Winterscheid, sowie den Einwohnern von Heisterschoss feierlich untermalt.

Im Geschehen des Ortes soll auch einem Kulturträger gedacht sein, der im Jahre 1905 gegründet wurde: der Theater-Verein "Thalia" Heisterschoss. Ca. 3 ½ Jahrzehnte waren seine spielerischen Leistungen beliebt und geschätzt. Leider brachte der 2. Weltkrieg im kulturellen Geschehen einen großen Umbruch mit sich, so dass er, wie so viele seiner Art, ihre Tätigkeit einstellen musste.

Zwei Jahre später, im Mai 1907, wurde der Quartettverein Heisterschoss ins Leben gerufen. Von 7 Mitglieder bei der Gründung, wuchs er bis Ende des Jahres auf 20 an.

Sein erster Auftritt war 1908. Der MGV "Gemütlichkeit" Lauthausen hatte ihn zu einem Freundschaftssingen eingeladen.

Im Juli selbigen Jahres konnte er das erste Stiftungsfest feiern. Vielen Freunden und Gönnern verdankt der Quartettverein die neue Vereinsfahne, die am 28. 4. 1910 geweiht wurde.

Auf drei Wettstreiten konnte er drei erste Klassenpreise erringen. Infolge Chorleiterwechsel, traten bezüglich des Probelokals, Schwierigkeiten auf. Um diesen zu entgehen, entschloss sich der Verein ein eigenes Sängerheim zu bauen.

Nachdem die Grundstücks- und Finanzierungsfragen geklärt waren, konnte der Grundstein am 14. 10. 1956 gelegt werden.

Wenn der Bau des Heimes zum 50-jährigen Jubelfest (8. -9, -10. Juni 1957) noch nicht vollendet war, so schloss der Erlös des Festes die letzte Lücke, um ihn fertigzustellen.

Es war im Herbst des Jahres 1918. Der erste Weltkrieg ging seinem Ende zu. Abgesehen von dem Leid, dass über viele Familien hereingebrochen war, lastete eine große Sorge auf den Hausfrauen: der Kampf um das tägliche Brot.

Die ältere Generation wird sich gewiss noch erinnern,

·         als Steckrüben die Kartoffel ersetzten,

·         wie das Brot mit allen möglichen Beimischungen rationiert zugeteilt wurde,

·         wie die Schulkinder das Laub von den Bäumen streiften, es trockneten und zu Ballen gepresst als Viehfutter Verwendung fand,

·         als man den Faulbaum schälte, deren Rinde der Pulverherstellung zugeführt wurden, eingeschlossen die Sorgen und Entbehrungen, der weiß, in welch misslichen Lage der Bürger sein Leben leben musste.

Um diese Zeit lebte in Heisterschoss ein Original, dem es gelang, dieser misslichen Lage die schönste Seite abzugewinnen: es war der Schuster W.G., oder, wie er sich selbst zu nennen pflegte: "Vogt, der Millionenmensch“.

Fast unzählig sind die Anekdötchen, die er nach seinem Tode hinterließ. Eine soll herausgegriffen werden.

Es war Fastnacht. Unser Vogt hatte eben einen Packen Millionenscheine empfangen. Der nächste Weg war zur Wirtschaft, um für einen Teil der Scheine Schnäpse einzutauschen. Wie er auf die Straße trat, hatten sich im Nu eine Schar Kinder um ihn versammelt, die chormäßig immer wieder schrien: "Vogt, der Millionenmensch!" Diese Ovationen gefielen Vogt. Flugs ging er ins nächste Geschäft, kaufte pfundweise Karamellen, die er in die Schar der Kinder warf. Wenn diese über die Karamellen herfielen, hatte er seine helle Freude. In diesem Getümmel lief er davon, wobei er rief: "Vogt auf der Flucht"! Die Meute in wildem Geschrei hinterher, dabei immer wieder rufend: "Vogt der Millionenmensch".

Wer Zeuge dieses Allotrias war, kann sich heute noch nicht eines Schmunzeln erwehren.

Am Aschermittwoch stand er vor der Kneipe 'und rief: "Vogts Kasse geht zu Neige!" Kein Wunder, er war in den Tagen weder zu Hause, noch auf Arbeit gewesen.

Gerade dann, wenn das Geld knapp war, erschien der "Lompe Jupp" aus Allner (er war Lumpenhändler) mit seinem Eselsgespann, um seine Geschäfte zu machen. Als ihn der Vogt erblickte, bot er ihm seine letzten "Kröten" an, er möge ihm für eine Stunde den Esel leihen. Der “Lompe Jupp" willigte ein. Schon wurde der Esel ausgespannt, und Vogt ritt damit nach Hause. Als er in Vaters Hof ankam, empfing ihn dieser mit einer mächtigen Schimpfkanonade. Vogt verneigte sich tief und antwortete zerknirscht: "Vater, dein Sohn kommt reumütig zurück, sitzend auf einer Eselin, und bittet um Vergebung!“

Erbost rief sein Vater: "Hinweg von mir!" Vogt wendete den Esel und ritt von dannen.

Schon seit langem war die Gründung eines Heimatvereins angeregt worden. Durch Verlegung der Wasserleitung durch die Gemeinde, stand der Wasserleitungsverein kurz vor der Auflösung.

Heisterschoss wurde nunmehr mit Talsperrenwasser versorgt. Diese Situation rief den Gedanken wach, den Wasserleitungsverein in einen Heimatverein umzutaufen, was anfangs zu Pro und Kontra führte, da der Wasserleitungsverein noch über einen Barbestand von 2400, -- DM verfügte. Es wurde verhandelt, die Gemeindeverwaltung schaltete sich vermittelnd ein. Schließlich konnte man sich dahin einigen, dass vorgenannter Betrag in die Gründungskasse des "Heimat- und Verschönerungsverein e. V." Heisterschoss floss (30. 10. 1964).

Ursprünglich wollte die Gemeinde den Wasserturm in ein Restaurant umbauen lassen, ließ jedoch den Plan fallen, da der Verein den Turm als Utensilien- und Geräteschuppen verwenden wollte.

Nunmehr war der Wasserverbrauch gesichert. Nun musste der Schandfleck des Dorfes, der alte Feuerteich "In den Löven" eingeebnet werden. Bisher nahm er alle Abwässer auf, wodurch er zum Seuchenherd wurde.

Schließlich kam man auf den Gedanken, den Feuerteich in ein großes Wasserbecken umzuwandeln. Da aber der gesamte Komplex Gemeineigentum war, musste zunächst mit ihr verhandelt werden. Die gesamte Anlage wurde im Voranschlag auf 20 000 - 25 000 DM beziffert. Nach schwierigen Verhandlungen konnte man die Gemeinde bewegen, dass sie einen Barzuschuss von DM 3000 zur Verfügung stellte. Ferner wurden vereinbart, die Gemeindearbeiter, in Verbindung mit dem Heimatverein, bei den Arbeiten einzusetzen. Ein örtlicher Unternehmer versprach den Einsatz seines gesamten Maschinenparks. Mit vereinten Kräften wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit der Feuerteich in ein mustergültiges Wasserbecken umgewandelt und mit einer herrlichen Fontaine bestückt. Der in unmittelbarer Nähe liegende alte Ziehbrunnen wurde mit Natursteinen ummauert und mit einem schmiedeeisernen Aufbau versehen. Ringsum laden Ruhebänke zum Verweilen ein. Das gesamte Dorf (einschließlich Frauen)war an den Arbeiten beteiligt. So konnte der Verein am 2. und 4. August 1968 die Einweihungsfeier, in Verbindung mit dem Weinfest begehen. Auch an die Kinder wurde gedacht. Im Frühjahr des nächsten Jahres gingen die Arbeiten für die Anlage des Kinderspielplatzes weiter. Schon am 20. Juli 1969 konnte er seiner Bestimmung übergeben werden. Die Pflege und Wartung der gesamten Anlage hat der Heimatverein übernommen. Die Gemeinde bezuschusst die Arbeiten mit DM 720, -- jährlich.

Wir verlassen Heisterschoss, wandern bergab in Richtung BRÖL die letzte Station unserer Wanderung.