Einst....

Durchwandern wir im Geiste die Jahrhunderte
 und stoßend' s Tor der Ahnen krachend auf,
raunt uns das "Einst" Geschichten, bunte Mären,
traumverloren vom Lauf der Zeiten zu.

Gedanken formen sich zu Urgestalten,
das Ohr lauscht träumend diesem bunten Spiel.
Und siehe da: das "Einst" formt sich zum "Heute",
das "Heute" flüchtet sich ins "Einst" zurück.

Hört ihr das Glöcklein von der Burgkapelle,
das ruft die Pilgerschar zum Gnadenhort?
Seht ihr den Mönch in klösterlicher Kutte,
im Kreuzgang schreitend raunend sein Gebet?

Hoch vom Turm ertönt des Wächters Horn.
Das Wappenfähnlein weht auf Burgeszinne.
Dort kommt zu Pferd ein stolzer, kühner Reiter,
der Kampfbereitschaft in seiner Rüstung probt.

Der Alchimist braut einen Liebestrank,
in dumpfer Hexenküche für die Magd.
Dort steigt zur Burg der edle Minnesänger
und wirbt im Liebeslied um seine Braut.

Schaut im Turnier die kämpfenden Rivalen.
Sie ringen um des Edelfräuleins Gunst.

Hier liebt das Burgfräulein den stolzen Junker,
dort speit ein Unhold sein Verderben aus!

Hört ihr den Lärm der Schwerter, Speere, Lanzen?
Die Schilder rasseln durch Fehde, Strauß und Streit!

Geächtet, vor dem Burgtor draußen,
greint eine Metze einem Söldner zu.

Hier steht ein Unhold vor der hl. Feme.
Dort gellt das Horn, -das ruft zum Frohne auf.

Eingemauert in des Turmes Grüfte,
welkt junges Leben grauenvoll dahin.

Es geistern Hexen durch die dunklen Nächte.
Der Ruf der Eule jagt uns Schrecken ein.

Hört ihr von nah und fern die Glöcklein wimmern?
Sie läuten Sturm! Der schwarze Tod geht um!

Wenn nächtens heult im Burghof wild die Meute,
so lauert Unheil, das sich schwangernd bläht

Dort steht der Ketzer vor dem Weltgerichte
und schaudernd flammt der Scheiterhaufen auf

Hört ihr des Opfers grauenvolle Schreie,
die ungerührt und gnadenlos verhallen?

Und in der Folterkammer raue Henkersknechte
der Unschuld eine Freveltat erzwingen.

Da seht! Es wüten die Naturgewalten!
Der rote Hahn setzt über Dächer hin!

Das Grauen, Bangen packt des Menschen Herz,
und doch vergisst es allzu rasch das Leid.

Auf einmal Stille. Lautlos schließt sich' s Tor
 und wir erwachen wie aus einem Traum.

Noch manches weiß das "Einst" uns zu erzählen
von Ahn zu Ahn des Volkesseele spricht.

So rauschen die Jahrhunderte vorüber . . .
doch eines bleibt: die raue Wirklichkeit!