Rennenberg

Er wird links vom Derenbach- und rechts vom Bröltal begrenzt. Auf ihm stand einst die Rennenburg, ein frühmittelalterlicher Ringwall, auch Fliehburg genannt, dessen Erkennung erst durch die Nachgrabungen des Landesmuseums Bonn, in den Jahren 1957 und 1960 festgelegt werden konnte.

Von vielen Legenden und Sagenumwoben, faszinierte sie uns als Kinder schon.

Wenn meine Mutter von der gewaltigen Rennenburg erzählte, von mächtigen Grafen, von schönen Burgfrauen, von vergrabenen Schätzen, war ich hinge- rissen und wäre am liebsten mit Hacke und Spaten losgerannt, wenn die Sache nicht einen Haken gehabt hätte.

Wollte man nämlich, so erzählte sie, die Schatzsuche anstellen, müsste man um Mitternacht an der dicken, knorrigen Eiche dreimal anklopfen, den Eulenschrei abwarten und dann erst mit den Grabungen beginnen. Wehe dem, der dieser Weisung zuwiderhandelte; der Berg täte sich auf und würde den Gräber verschlingen.

Kommen wir zu den Grabungen zurück.

Die einzigen Funde, die die Forscher auf die Zeit der Entstehung der Anlage schließen ließen, waren bemalte Scherben der Pingsdorfer Keramik, nebst ein Sporn aus Eisen, deren Herkünfte dem 10. - 11. Jahrhundert zugeschrieben werden. Somit dürfte auch die Gründungszeit der Rennenburg für diese Zeit bestimmend sein.

Wie am Anfang erwähnt war die Rennenburg eine sogenannte Fliehburg, wie sie Kelten- und Germanenstämme zum Schutze gegen die raubenden Horden und Plünderer bauten.

War Gefahr im Verzug wurden die Alten, Frauen und Kinder, sowie das Vieh hinter die Mauern gebracht, die von den Männern verteidigt und beschützt wurden.

Die steilen Abhänge zum Bröl- und Derenbachtal bildeten hierzu einen natürlichen Schutz, wogegen die flache, östliche Seite, durch gewaltige Wälle und Schildgräben, sowie durch Türme und Schutzmauern eine günstige Verteidigungsposition bildeten.

Die späteren Raubzüge, die vielfach aus dem Kölner Raum kamen, wurden meist mit Erfolg zurückgeschlagen.

Die Mauern der Rennenburg wurden später, als sich die Zeiten beruhigten, ab getragen. lDie Steine dienten der Bevölkerung zum Bau von Häusern usw. Auch zum Bau der Winterscheider Kirche soll die Rennenburg ihre Steine geliefert haben.

Zum besseren Verständnis wurde eine Rekonstruktion der Rennenburg aufgezeichnet. Die durch Nachgrabungen freigelegten Bauspuren und Fundamente wurden maßstäblich festgelegt, zu einem Gesamtplan vereinigt.

Ganz vorne sieht man einen breiten Schildwall, der sich nach hinten verengt, und sich rechts und links an die Schildmauer anklammert.

Der Schildwall hatte eine doppelte Mauer, die aus Grauwacke und Sandsteinmörtel gebaut war. Die innere Mauer war 1 Meter und die äußere 80 cm dick. Sie waren bis an die Steilhänge des Bröl- und Derenbachtales vorgelagert, so- dass sie hinreichend Verteidigungsmöglichkeiten boten.

Dann folgen zwei Reihen Palisaden, die aus dichtgereihten, spitzen Holzpfählen bestanden. Diese sind bei allen derzeitigen und späteren Befestigungen anzutreffen.

Ferner wurden Spuren von drei Häusern festgestellt, die hinter den Palisaden eingezeichnet sind. Es ist aber anzunehmen, dass sich in diesem Raum für Mensch und Vieh noch weitere Unterkünfte befanden.

Weiter rückwärts stand die massive Ringmauer, die durch schwere Steinstreben verstärkt war.

Hinter der Ringmauer lag ein 6 - 8 Meter breiter Schildwall, der bei den Nachgrabungen noch 3 - 4 Meter hoch erhalten war. Dieser bestand aus zwei Steinmauern, deren Zwischenräume mit Erde aufgefüllt waren.

Der Schildwall war rechts und links von zwei Türmen begrenzt und befestigt. Genau in der Mitte des Walls stand ein halbrunder Turm, der einen Durchmesser-von 4, 50 Meter hatte. Hier lag ein Schwerpunkt der Verteidigung. Im rechten Turm sieht man den Toreingang, der durch eine Erdbrücke, welche von oben rechts kam und dem Eingang zustrebte, zu erreichen war.

Vor dem linken Turm sieht man in der Schildmauer eine Schlupfpforte eingebaut. Diese hatte eine Breite von 1 Meter und eine Höhe von 1, 30 Meter. Bei höchster Gefahr war hier eine Ausflucht möglich.

Ganz oben, wo die Erdbrücke zum Torturm führte, war sie durch einen doppelten Wallhalsgraben gesichert. Dieser hatte eine breite von 40 Meter und bildete die erste Bastion gegen einen angreifenden Feind.

Anschließend sei gesagt, dass die Anlage der Rennenburg ein Bollwerk darstellte, welches viele markante Verteidigungspositionen aufzuweisen hatte, die sich mit Anlagen ihresgleichen messen konnte.