Die Rennenburg Sage

Abschließend möchte ich noch eine Sage folgen lassen, die sich im Volksmund bis heute gehalten hat, die sich zwischen Rennenburg und Herrenbröl abspielte und in die Zeit der Kreuzzüge fällt. Es war im Jahre 1189. Kaiser Friedrich Barbarossa rief zum Kreuzzug auf. Unter vielen Rittern zog auch Ritter Dietrich von Herrenbröl als Streiter mit ins hl. Land. Am Tage des Abschieds übertrug er seinem Freund, dem Ritter von Rennenberg, den Schutz seiner Burg, und insbesondere den seiner Gemahlin und seines Söhnchens Rolf an. Beim Abschied streifte Dietrich den Ehering von seinem Finger, teilte ihn mit dem Schwert in zwei Hälften, gab die eine Hälfte seiner Gemahlin und die andere nahm er an sich.

Seiner Gattin versicherte er, dass er wiederkehren werde und sollten Jahre darüber vergehen.

So gingen sieben lange Jahre dahin, ohne auch nur ein Lebenszeichen von ihm erhalten zu haben.

Walram von Rennenberg, dem die Gattin seines Freundes seit eh und jeh nicht gleichgültig war, nützte die Gelegenheit und stellte Mechtild einen Heiratsantrag. Ihre Unschlüssigkeit bestürmte er immer wieder mit neuen Anträgen. Schließlich brachte er sie soweit, dass sie einwilligte, aber, wie sie sagte, aus Dankbarkeit.

Da dem Rennenberger das Kind der Gräfin, Rolf, im Wege stand, ließ er ihn eines Nachts entführen, um sich hierdurch Tor und Tür für seine Pläne zu öffnen. Lange dauerte es, bis die Gräfin den Verlust des Knaben überwunden hatte. Der Rennenberger drängte immer wieder nach, bis sie schließlich einwilligte.

Ein herrlicher Maimorgen brach an, und damit der Hochzeitstag. Der Stallmeister der Gräfin pflegte jeden Morgen auszureiten. Als er an eine Waldlichtung kam, traf er einen Pilger, der im gräflichen Gehege übernachtet hatte, und sich gerade anstellte weiterzuwandern.

Als er den Stallmeister sah, fragte er ihn, wo er sich hier befände? Dieser sagte ihm: In der Herrschaft Herrenbröl!

Da fiel der Pilger auf die Knie und rief: "Oh, du schöner Berg! Du freundlicher Bote meiner Heimat! Hier will ich zum Dank ein Kirchlein bauen!"

Der Graf hielt sein Wort. Seinem Ausruf nach, nannte er den Ort Schönenberg, er ließ an dieser Stelle eine Kirche bauen.

Als er dem erstaunten Stallmeister seine Geschichte erzählte, von der Kreuz- fahrt sprach, von seiner Gefangenschaft unter Sultan Saladin, von seiner Flucht, seiner stürmischen Mittelmeerfahrt, seiner langen Wanderung, dem Leid und Entbehrungen, war dieser gerührt und bat ihn mitzukommen, da heute die Hochzeit der Gräfin Mechtild von Herrenbröl, mit Ritter Walram von Rennenberg stattfände. Heute würden auch alle Armen und Pilger reichlich beschenkt. Als jener diese Botschaft vernahm, kam es plötzlich über ihn. Wie von Furien verfolgt, stürmte er davon.

Als das Brautpaar, im Gefolge der zahlreichen Gäste, gerade die Traukapelle betreten wollte, trat der Pilger auf das Paar zu und überreichte der Braut die eine Hälfte des Eheringes.

Augenblicklich erkannte die Gräfin ihren Gemahl und stürmte mit einem Aufschrei ihrem heimgekehrten Gatten in die Arme.

Alles jauchzte und rief: "Dietrich von Herrenbröl ist heimgekehrt!" So wurde aus dem Hochzeitstag eine Feier des Wiedersehens, woran der Rennenberger ob wohl oder übel teilnehmen musste.

Einige Jahre später läutete abends die Alarmglocke auf Herrenbröl. Ein Melder brachte die Kunde, dass die Rennenburg von einer großen Streitschar bedroht würde. Er ließ seinen Freund bitten, sofort mit seinen Streitern aufzubrechen und zur Hilfe zu kommen.

Noch in der Nacht brach Dietrich von Herrenbröl auf und ritt an der Spitze seiner Streiter gen Rennenburg. Aber schon auf halbem Wege vertrat ihm ein junger Ritter den Weg und entpuppte sich als sein Sohn Rolf. Rolf klärte seinen Vater auf, berichtete ihm von den Intrigen des Rennenbergers, von seiner Entführung, von List und Tücke, womit er seine Mutter umgarnte.

Empört über diese Handlungsweise beschlossen beide ihre Streiter zu verbinden, erstürmten die Burg Rennenberg und zerstörten sie.

Der Rennenberger entzog sich der Strafe, indem er sich von der Zinne in den Abgrund stürzte. Noch Jahrhunderte später schwebte der Geist des Grafen zur Mitternachtsstunde über der Ruine von Rennenberg, da er, wie man sich zuraunte, von Seelenqualen geplagt, keine Ruhe finden könnte.