Nachtrag

Auflösung des Amtes Lauthausen

Die kommunale Neuordnung, die schon jahrelang von den oberen Behörden an- geschlagen war, mit dem Ziel, die kleineren Ämter und Gemeinden zu großen lebensfähigen Verwaltungen zusammenzuschweißen, brachte verschiedene Gemeinden den Siegkreises in Bewegung, dass sie ihre Selbstständigkeit verlieren könnten.

Schon in den 20 er Jahren wurde die Lebensfähigkeit des Amtes Lauthausen angezweifelt. Angesichts des steigenden Fehlbedarfs, der von Jahr zu Jahr eine Steigerung erfuhr, wurde der Druck der obersten Behörden immer stärker. Man war sich bewusst, wenn die Amtsauflösung akut würde, würden sich auch Gebietsveränderungen in den einzelnen Gemeinden ergeben. Ein Bericht über das Hin und Wider in den Sitzungen des Amtes wurde schließlich der Kreisverwaltung zur Beurteilung vorgelegt. Bei dieser Gelegenheit kamen auch die Einverleibungswünsche der Stadt Siegburg und des Amtes Hennef zur Sprache.

Es wurde gegen argumentiert, dass das Amt Lauthausen auf jahrhundertealte Tradition zurückblicken könnte, worin sich die Existenz des Amtes bewährt hätte. Ferner wurde gesagt, dass die Angrenzung des Amtes an die Stadt Siegburg, sowie an die Ämter und Gemeinden Hennef, Neunkirchen, Ruppichteroth und Lohmar, nie Anlass zu einer Beanstandung geführt hätten. Darüber hinaus verfügte das Amt nach dem Stand vom 23. 9. 1953 über eine Gesamtfläche von 3193 Hektar. Davon entfielen auf die:

Gemeinde Lauthausen             -               602 Hektar

Gemeinde Braschoss                 -            1067 Hektar

Gemeinde Altenbödingen       -               617 Hektar

Gemeinde Happerschoß          -               907 Hektar

Die Einwohnerzahlen des Amtes lagen nach dem Stand von:

1950 auf 3091 Einwohner

1958 auf 3304 Einwohner

1960 auf 3723 Einwohner

1962 auf 3916 Einwohner

1964 auf 4259 Einwohner

1966 auf 4563 Einwohner

Zum Vergleich: Im Jahre 1855 waren es 3139 Einwohner.

Die Größe des Amtes wurde auch dadurch bekräftigt, dass in den vier Gemeinden 39 km Wege unterhalten würden.

Trotz allen Einwendungen kam es schließlich doch zu dem Beschluss, dass die Gemeinde Braschoss am 1. 10. 1956 (außer Seligenthal, Münchshecke und der Talsperre) nach Siegburg eingemeindet würde. Hiermit waren praktisch die Würfel gefallen, die die Auflösung des Amtes Lauthausen bestätigten.

Die drei restlichen Gemeinden: Altenbödingen, Happerschoß, Lauthausen, mit vorgenannten Restteilen der Gemeinde Braschoss, wurden zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen.

Nun war Lauthausen augenblicklich die kleinste Gemeinde im Siegkreis. Dennoch blickte man mit Zuversicht in das kommende Geschehen.

Bis zur neuen Kommunalwahl, am 28. 10. 1956, wurde ein Kommissar bestellt, der den Übergang zur Großgemeinde leiten sollte. Trotz allen Bemühungen die Gemeinde lebensfähig zu halten, mehrten sich im Laufe der Jahre die Stimmen der Kreisbehörde, die Auflösung bzw. Eingemeindung der kleineren Gemeinden anzustreben.

Noch ehe es zu Vorbesprechungen kam, entwickelten die betroffenen Gemeinden heftige Einsprüche und Proteste. Jedoch das Behördenrad lief weiter.

Die Kreisverwaltung hatte inzwischen eine sogenannte "Fliegende Kommission" zusammengestellt, die an Ort und Stelle die Neugliederung fixieren sollte.

Die erste Reiseroute fand am 25. 4. 1967 statt, wobei unter anderem auch die Grenzen der Gemeinde Lauthausen besichtigt wurden.

Das Ergebnis des Oberkreisdirektors gipfelte in dem Vorschlag: Die Gemeinden Lauthausen und Uckerath mit der Gemeinde Hennef zu einer Großgemeinde zusammenzulegen, wobei Seligenthal vorerst mal ausgeklammert werden sollte, da es nach Siegburg orientiert wäre.

Inzwischen wurden Stimmen laut, die wissen wollten, dass der Siegkreis aufgelöst würde, was aber bei der neuerlichen Rundfahrt der “Fliegenden Raumordnungskommission" am 14. 7. 1967, unter Staatssekretär Dr. Rietdorf, Raumordner Dr. Eising und O.K. D. Siegburg widersprochen wurde. Im Anschluss an diese Rundfahrt fand eine Sondersitzung des Kreistages in der Siegburger Stadthalle statt. Die Sitzung endete mit dem Beschluss: Lauthausen und Uckerath kommen nach Hennef, Seligenthal wird Siegburg einverleibt.

Nun war die Bombe eingeschlagen! Versammlungen, Tagungen, Sitzungen lösten einander ab. Am 27. 5. 1968 tagte der Gemeinderat Lauthausen in einer außerordentlichen Sitzung und beschloss in einer Kampfabstimmung von 11:7 Stimmen: Seligenthal soll im Amt verbleiben und nicht Siegburg zugesprochen werden. Dieser Beschluss rief in Seligenthal eine Bürgerversammlung in hochexplosiver Atmosphäre hervor. Einstimmig wurde Kontra geboten und den Anschluss nach Siegburg gefordert.

Am 5. 12. 1968 trafen sich in Seligenthal der Landrat mit den Kreistagsabgeordneten, Gemeindedirektor Moos und Bürgermeister Horstmann zu einer Lagebesprechung. Es fielen harte Worte.

Am Ende einigte man sich mit dem Beschluss, dass die Übergabe der Gemeinde Lauthausen an Hennef am 1. 7. 1969 stattfinden sollte. Ausgeklammert blieb das Schicksal von Seligenthal (?!)

In der Verwaltungsgemeinschaft zwischen Hennef und Lauthausen wurde inzwischen Einigkeit erzielt. Man beschloss bis zur kommenden Neuordnung, schon ab 1. 1. 1969, eine enge Zusammenarbeit zu pflegen. Als vorläufiger Chef dieser Verwaltung wurde Moos von den Gemeinderäten gewählt. Stellvertreter wurde Herr Balensiefen, Hennef. Versuche mit Uckerath zu verhandeln, scheiterten an der Unwilligkeit des Gemeinderates, der hartnäckig auf die Selbstständigkeit der Gemeinde verharrte.

Auch die Bürgerversammlung in Bröl, wozu Gemeindedirektor Moos und Bürgermeister Horstmann am 23. 3. 1969 geladen hatten, verlief sehr stürmisch. Immer wieder wurden die Fragen aufgeworfen: Was geschieht bei der Eingemeindung mit den Dörfern? Werden sie stiefmütterlich behandelt? Was geschieht mit den Vereinen? Fallen die Vergünstigungen? Was ist mit den Schulen? usw. Nun, wer Wahlversprechen kennt, weiß auch was sie zeitigen.

Die Bilanz dieses großen Rennens sprach der Landtagsausschuss in Düsseldorf am 15. 4. 1969 aus, und zwar in einmütigem Beschluss: Seligenthal kommt geschlossen nach Siegburg. Als Entschädigung zahlt die Kreisstadt Siegburg an die Gemeinde Hennef 500. 000 DM und zwar in fünf Jahresraten zu je 100. 000 DM als Steuerausgleich.

Über die Gemeinden Lauthausen und Uckerath fielen am 13. 5. 1969 im Plenarsaal zu Düsseldorf die Würfel mit dem Beschluss: Beide Gemeinden werden zu der Großgemeinde Hennef ab 1. 7. 1969 zusammengeschlossen.

Das Amtsgebäude von Lauthausen in Allner wird mit selbigem Tage das Bauamt aufnehmen.

Im Zuge dieser Großraumordnung wurde auch der Siegkreis, der im Jahre 1825 geboren wurde, ab 1. 7. 1969 zum "Rhein-Sieg-Kreis" umgetauft.

Nunmehr hat der Raum Groß Bonn seine Funktion übernommen. Und damit hat das Herz der "MAIRE LAUTHAUSEN“ aufgehört zu schlagen.