Unsere Vorfahren

Die ersten Spuren altgermanischer Kultur reichen bis zu 5000 Jahre v. Christi Geburt zurück. Und zwar besiedelten die Indogermanen den West-, Süd- und Oststrand der Ostseeküste.

Von den vielen Stämmen kamen drei in unsere Heimat, wovon sich die Ubier bei Köln, die Tenkterer und Sigambrer an der Sieg ansiedelten.

Damals war unsere Heimat noch ein raues, unwirtsames Land, von Sümpfen und undurchdringlichen Wäldern bedeckt. Bäche und Flüsse zweigten sich in verschiedene Läufe ab, um sich an anderer Stelle wieder zu vereinigen. Aus dem undurchdringlichen Unterholz und hochwüchsigen Gestrüpp streckten riesige Bäume aus Kiefern, Eichen und Linden ihre gewaltigen Kronen ' gen Himmel. Außer dem Gefieder, dem Groß- und Kleinwild war unsere Heimat bis dato von keines Menschen Fuß berührt.

In den Schriften des römischen Geschichtsschreibers Tacitus (55 - 120 n. Chr.) ist zu lesen: Die Germanenstämme an "Sigaha" (gemeint ist wohl die Sieg) sind ein kriegerisches, tapferes Volk, das von Jagd und Fischerei lebt. Sie sind von hohem Wuchs, haben blondes Haar und blaue Augen. Die Götterverehrung ist bei ihnen stark verwurzelt, wobei Odin in besonderer Verehrung steht.

Die bevorzugten Lagerstätten lagen an Flüssen und Seen, in dessen Nähe auch die hl. Haine lagen, wo sie ihren Götterkult huldigten.

Ihre Wohnkultur bestand aus Holzhütten, die sich, je nach Zusammenschluss der einzelnen Stämme, zu kleinen, geschlossenen Siedlungen ausdehnten. Diese waren durch Ringwälle und Palisaden geschützt, die eine gewisse Sicherheit boten.

In ihren Hainen bestatteten sie auch ihre Toten. Sie bauten einen Sarg aus Steinplatten, die sparrenmäßig gefügt waren. Ihre Toten konservierten sie mit gemahlenem Röttel und Harzen. Als Gabe legten sie ihnen Schmuck und Waffen bei.

Aus römischen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Stiefsöhne Kaiser Augustus, Tiberius und Drusus, vom Süden über die Alpen bis an den Rhein vordrangen, sich mit den Ubier Verbündeten und in das Sigambrer- und Tenkterer-Land vordrangen.

Hier, in unserer Heimat, stießen die römischen Welteroberer mit den Germanen zusammen. In schweren Kämpfen schlugen die Römer die Germanen und zogen sich 18 Tage später an den Rhein zurück.

Nachjahrelangen, wechselvollen Kämpfen wurden die Germanen erneut bewältigt und unterworfen. Der römische Stadthalter Varus belegte die Stämme mit harten Steuern und Ab- gaben, vernichtete ihre Kultstätten und zwang ihnen römische Bräuche auf.

Da kam Armenius - der Cheruskerfürst - und ruft die Germanen zur Einheit und Befreiung auf.

Unter seiner Führung vernichteten die deutschen Stämme in mehrtägigen Schlachten im Teutoburger Wald (9 n.Chr.) drei römische Legionen. Mit großem Triumpf und unübersehbarer Beute kehrten die Germanen in ihre Lager zurück.

Es erzählt die Sage:
dass der römische Feldherr Varus mit seinen Legionen an der unteren Sieg ein Lager bezog. Immer wieder zogen seine Häscher aus, um nach seiner feindlichen und doch begehrten Frau Ausschau zu halten. Um jeden Preis wollte er Walpurgis, die liebliche Tochter des Sigambrischen Herzogs Melo zur Gemahlin! Diese jedoch will dem Zwingherrn ihres Volkes die Hand nicht reichen, selbst dann nicht, wenn er ihr alle Reichtümer der Welt verspräche. Als Varus diese Nachricht zu Ohren kam war er aufs Höchste erzürnt. Hierauf beschloss er Walpurgis mit Gewalt zu entführen.

Als sie eines Tages im Garten ihres Vaters lustwandelte, steht plötzlich, wie aus der Erde geschossen, Varus vor ihr. Walpurgis aufs Höchste bedrängt, entreißt einem Römer das Schwert, um den Verhassten abzuwehren.

Von ihren Hilferufen aufgeschreckt, eilt Melo, ihr Vater, der bedrängten Tochter zur Hilfe, fällt aber im Zweikampf durch das Schwert eines römischen Legionärs.

In dieser Verwirrung gelingt Walpurgis die Flucht, wird jedoch nach drei Tagen aus den Wassern der Sieg gezogen. Sie hatte sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen.

Enttäuscht und geschlagen zieht Varus sich auf Schloss Aliso zurück.

Als Hermann, der Cherusker, von dieser Tat erfuhr, bricht er auf mit seinen Mannen ins Lager der Sigambrer und Tenkterer und hält am Grabe der Walpurgis eine zur Rache auffordernde Rede.

Dreitausend Germanen recken ihre Fäuste ' gen Himmel, schwören Rache, wobei sie ihre Schilder aneinanderschlugen. Hierauf zogen sie um 9 n. Chr. zum Teutoburger Wald, um den Tod ihrer Walpurgis zu rächen.

Die Römer wurden vernichtend geschlagen. Varus wurde schwer verwundet und nahm sich, um seinen Rächern zu entgehen, in letzter Minute das Leben.

Einige Jahrhunderte vergingen. Das hart angeschlagene Römische Reich zerbröckelte langsam, aber stetig. In diesen Wirren, wo Macht und Größe des Imperiums versank, begannen die Unruhen der großen Völkerwanderung, um 375 n. Chr.

Alle Germanenstämme, die ihre Heimat verließen, verlieren durch Mischung mit Stämmen und Völker ihre Muttersprache, Sitten und Bräuche.

Durch diese Verschiebungen entstehen neue Reiche, die sich infolge schlechter Führung uneins wurden, sich entzweiten, und immer wieder zu schweren Unruhen führten.

Als im Jahre 768 Karl der Große zur Macht kam, begann er sofort die Stämme zu einer Einheit zusammenzuschweißen und gründete das Heilige Deutsche Reich römischer Nation (800 n. Chr.)

Karl der Große, der sich Rom verschrieben, wurde zum Verfechter des Christentums. Mit fanatischem Willen setzte er die Axt an das Heidentum, welches auch in unserer Heimat heimisch war.

Er begann das Reich zu formen, teilte es in Gaue ein und stellte an die Spitze einen Gaugrafen. Dieser regierte im Namen des Kaisers, war ermächtigt Gesetze und Verordnungen zu erlassen, Steuern zu erheben und Gerichte einzusetzen.

Unsere Heimat nannte er Auelgau. In den Schriften als "Avelgowe" später "Hauelgowe“ genannt.

An diese Bezeichnung mögen heute noch folgende Ortsnamen erinnern: Auel - Oberauel –Bülgenauel - Lützgenauel - Bourauel - lngersauel - etc., sowie an den Ölberg im Siebengebirge, der ehedem die Bezeichnung "Auelberg" trug.

Als die ältesten Gaugrafen werden die Pfalzgrafen von Aachen genannt. Später wurde der Auelgau vom Pfalzgrafen Heinrich von Siegburg befehligt. Dann fiel er an den Erzbischof von Köln, der den Gau an den Grafen von Berg verschrieb.

Später stoßen wir auf einen Grafen von Sayn, dessen Nachkommen, Eberhard und Heinrich, die Burg Blankenberg gründeten (1180).

Das Stammschloss der Grafen von Berg, dessen Herrschaft unsere Heimat unterstellt war, stand in Altenberg. Diese teilten ihr Land in 18 Verwaltungsbezirke auf und regierten in 4 Herrschergeschlechtern bis zum Jahre 1609.

Die Grafen, die sich durch des Kaisers straffe Gesetzgebung zu einer rücksichtslosen Machtstellung berufen fühlten, wussten sie auch in die Tat umzusetzen.

Die Bevölkerung wurde in drei Klassen aufgeteilt: in Freie, Freigelassene und Unfreie. Die Freien waren die Besitzer und übten die Befehlsgewalt aus. Diese teilten ihre Güter an ihre Hörige (Freigelassene), Hüfner oder Kötter genannt, auf, die Vorgenannten den 10. Teil als Zins abgeben mussten. Während die Unfreien als Leibeigene galten und jenen auf Gedeih und Verderb verbunden waren. Wurde ein Hof verkauft, ging mit dem toten Inventar auch das lebende (Knechte und Mägde) zum neuen Besitzer über.

Die Wohlhabenheit erkannte man an den Bewirtschaftungen ihrer Äcker. Der Kleine führte eine Kuh als Arbeitstier zu Felde, der Mittlere konnte sich da- gegen einen Ochsen halten, während der Große mit einem oder mehreren Pferden die Felder bestellte.

War es verwunderlich, wenn sich die Freien immer mehr Vorrechte anmaßten, und außer dem Zehnten auch noch Fronarbeiten zwischen 50 und 100 Tagen jährlich von jedem Hausmann forderten? Abgesehen von den Treib- und Jagddiensten, die zu leisten waren!

Im Leben des gemeinen Bürgers spielten die Grundrechte des Adels eine wichtige Rolle. Aus der Not geboren wurden Forderungen, die meist aus größeren oder kleineren Liegenschaften bestanden, an Adel und Klöster verpfändet oder verkauft, die keineswegs den tatsächlichen Werten entsprachen.

Bei geringfügigen Forderungen beschränkten sich die Abgaben auf Eier, Honig, Ziegen, Schafe etc.. Die zunehmende Verarmung des Bürgers brachte ihn in bedingungslose Abhängigkeit des Adels.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, nachdem die Gemeindeordnung geschaffen, die Besitz- oder Klassensteuer eingeführt war, wurden auf jeden Morgen Ackerland fünf Tage Handdienst umgelegt, die mit 10 Silber-Groschen je Tag angerechnet wurden, falls die Arbeitsleistung nicht erfolgte. Ein Pferdespanndiensttag wurde mit fünf, der eines Ochsen mit drei Arbeitstagen angerechnet. Diese Hand- und Spanndienstverordnung hat sich, wenn auch in geminderter Form, bis Anfang der 30 er Jahre des Jahrhunderts gehalten.

Um sich vor Überfällen zu schützen, wurden um die Höfe Wallgräben angelegt und durch hohe, spitze Palisadenzäune eine zusätzliche Sicherung geschaffen.

Bei Herrscherwechsel mussten alle kampftauglichen Männer zur Erbhuldigung (Treueeid) antreten, wodurch sie ihrem neuen Gebieter ihre Unterwerfung bekundeten. Im Staatsarchiv Düsseldorf ist eine solche aus Allner unter dem 9. Dez. 1666 aufgezeichnet.

Die Grafen sicherten sich durch Burganlagen, wozu sie vornehmlich steilabfallende Bergkuppen wählten.

Zusammenhängende Dörfer gab es bisher noch nicht. Diese entstanden erst, als die Grafen die Hörige rings um ihre Burgen und Höfe zum Schutze derselben an- siedelten.

Auch gründeten sie Klöster, worin die Mönche außer Kunst und Wissenschaft, Ackerbau und Viehzucht lehrten.

Waren Befehle und Edikte bekanntzumachen, wurde durch das Horn, oder auch mittels Glocke ein Zeichen gegeben, wonach sich die Befehlsherren mit ihren Hörigen auf dem Thingplatz versammelten. Einmal im Jahr, meist zur Sonnwendfeier, wurde ein sich verdient gemachter Unfreier los-und freigesprochen, was aber vorerst durch die übergeordnete Stelle bestätigt sein müsste.

Hier soll nun ein Losspruch im Originaltext folgen:

Als erster Bürgermeister wurde Maire Peter Ennenbach aus Bröl eingesetzt, der auf seinem "Ennenbachshof" die erste Amtsstube errichtete. Die Amtsgeschäfte führte er zwischen Mai 1805 bis November 1917. Sein Nachfolger, Peter Eich aus Bödingen, verlegte die Amtsgeschäfte in einen Flügel des Klostergebäudes Bödingen.

Nach einer amtlichen Aufstellung aus dem Jahre 1899 betrug die Gesamtfläche des Siegkreises 106.300 Morgen.

Davon waren im Staatsbesitz 7.313 Morgen, an Gemeindebesitz 9.000 Morgen, an Kirchenbesitz 1.500 Morgen, an Privatbesitz 88.487 Morgen.

Das Amt blieb bis zum Jahre 1933, dem 10. Juli, in Bödingen, Danach wurden die Amtsräume bis 1. November 1934 nach Bröltal in die alte Schule verlegt. Hiernach wurden die Geschäfte im neuerworbenen Gebäude in Allner weitergeführt.

Kurz vor Kreisschluss wurde das Gebäude in Allner durch Bomben zerstört. Notdürftig wurden die Amtsgeschäfte 1945 nach Bröl verlegt.

Der Flüchtlingsstrom aus dem Osten veränderte die Einwohnerzahlen oft schlag- artig. Interessenhalber sollen die Einwohnerzahlen unseres Amtes, Stichtag 30. 10. 1946, aufgeführt werden:

Gemeinde

Männlich

Weiblich

Insgesamt

Lauthausen

340 Einw.

434 Einw.

774 Einw.

Altbödingen

438 Einw.

562 Einw.

1000 Einw.

Braschoss

787 Einw.

578 Einw.

1738 Einw.

Happerschoß

501 Einw.

576 Einw.

1079 Einw.

Insgesamt

2066Einw.

2150 Einw.

4591 Einw.

 

 

 

 

Bröl hatte am 30.10.1946

230 Einw.

243 Einw.

473 Einw.

 

Da die in Bröl zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten nicht ausreichten, wurde ein neues Amtsgebäude in Allner gebaut, welches 1955 bezugsfertig wurde. Da sich das Gebäude aus verwaltungstechnischen Gründen als zu klein erwies, erfuhr es 1964 ein Erweiterungsbau. Die Baukosten waren mit 124.000 DM veranschlagt. Hinzu kamen 2 Wohnungen, dessen Vorveranschlagung mit 135.000 DM angegeben wurde.