Bödingen

Bödingen und seine alte Wallfahrtskirche mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften-Muttergottes empfängt uns jetzt. Ehe wir jedoch Bödingen unsere Aufmerksamkeit schenken, werfen wir einen kurzen Blick auf das Dörfchen DRIESCH

Driesch

Driesch tritt urkundlich erst im 18. Jahrhundert in Erscheinung tritt. In einer älteren Flurbezeichnung heißt es: "Auf dem Dreesch", woraus man schließen kann, dass dieser Landstrich "dreesch" lag, also unbewirtschaftet war.

Am Ausgang des Ortes, wo sich die Dorfstraße mit dem Feldweg gabelt, stand ein altes Steinkreuz, das die Jahreszahl 1709 trug. Altersschwachgeworden, wurde es neurestauriert am Dorfeingang wieder aufgebaut.

An diesem Kreuz soll im Juni 1795 ein Tyroler Deserteur auf Befehl des Generals von Buss erschossen worden sein.

Ein zweiter Deserteur wurde an derselben Stätte begnadigt. Infolge eines Unglücksfalles soll er später in der Sieg ertrunken sein.

Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch schnell einen Abstecher zum Dorf Altenbödingen machen.

Altenbödingen

Altenbödingen bestand schon als Siedlung vor Gründung des Wallfahrtsortes Bödingen, und gehört damit zu den ältesten Siedlungen unserer Gemeinde: das "Alte Bödingen".

Der Ort wird um das Jahr 1336 erstmalig zum Dingstuhl Geistingen gehörend genannt, jedoch ist mit Sicherheit anzunehmen, dass er weit älter ist. In Erfüllung der Christenpflicht mussten die Gläubigen über Lauthausen nach Hossenberg, wo eine Kapelle stand. Ihre Toten wurden ebendaselbst beerdigt. Die Kapelle wurde erstmals im Jahre 1398 genannt und wurde leider bei den Glaubenskriegen niedergeworfen.

Bödingen

Doch nun zurück zum Ort Bödingen. Die Auslegungen, die Bödingen den Namen geprägt haben sollen, sind verschiedener Art. Mir scheint folgende Auslegung von Bedeutung zu sein, da sie eine natürliche Anlehnung findet:

Zerlegen wir den Namen Bödingen in zwei Silben, so haben wir "Bö" und "dingen". "Bö" bedeutet Windstoß, und "Ding" oder auch "Thing" ist die Bezeichnung für einen germanischen Volks- oder Versammlungsplatz, kurz Thingstätte genannt.

Somit könnten sich beide Silben vereinigt und den Ortsnamen sinngemäß beeinflusst haben.

Als Gründer der Kirche und damit des Ortes nennt der Volksmund den frommen Klausner Christian von Lauthausen, oder auch Luythausen genannt, dessen Name bis heute grundlegend für die Amtsbezeichnung ist.

Eine alte Legende besagt, dass der Klausner Christian von Lauthausen, einer Weisung des Himmels folgend, mit dem Muttergottesbild an die Stelle geleitet wurde, wo man den Bau der jetzigen Kirche begann. Man schrieb das Jahr 1397. Zunächst auf sich selbst gestellt, konnte er bald Pastor Peter Meisenbach aus Geistingen für seine Mission gewinnen, in welchem er, wie sich später zeigen wird, einen großen Förderer gefunden hatte.

Nach und nach fanden sich immer mehr "lautere" Männer ein, die sich der Marienverehrung verschrieben, und der großen Mission die sie erfüllte, Hand und Herz schenkten.

Rund elf Jahre baute man an diesem Werk, bis endlich im Jahre 1408 die Vollendung des im gotischen Stil gebauten Gotteshauses gemeldet werden konnte. Von nun ab bahnten sich ungeahnte Möglichkeiten an, Bödingen zu einem Wallfahrtsort zu machen.

Peter Meisenbach war ein vermögender Mann und Gönner der Kirche. Gepaart mit Klugheit und Weitsinn, verstand er es, die Zahl der Pilger von Jahr zu Jahr zu vergrößern. Hierdurch Bossen viele Opfer der Kirche zu, die der Verschönerung und Ausschmückung dienten. Aber auch die Grafen von Attenbach und Nesselrode schenkten ihre Gunst der Kirche.

In den Jahren von 1490 - 1500 konnte das Querschiff mit dem weiten und hohen Chor angebaut werden, welches der Kirche die Vollendung gab.

Der Pilgerstrom zwang Meisenbach vier Vikarstellen einzurichten, damit eine geregelte Betreuung der Pilger gewährleistet war. Viele Verschreibungen und Zuwendungen waren die Erfolge einer gutgeleiteten Hierarchie. So konnte Rektor Meisenbach in verhältnismäßig kurzer Zeit einige Höfe und Grundstücke erwerben, sowie zwei Glocken, die die Gläubigen zur _Andacht riefen.

Eine Läuteordnung, die sich damals in vielen Kirchenspielen einbürgerte, hatte auch in Bödingen ein Echo gefunden.

Vor Beginn eines fest- oder sonntäglichen Gottesdienstes läutete die kleine Glocke ½ Stunde vor Beginn der Messe. Eine Viertelstunde später die Mittlere, und fünf Minuten später alle Glocken. Hiernach läutete das kleine Glöckchen solange, bis der Gottesdienst begann. Beim Versehgang kleppte das kleine Glöckchen dreimal fünf Schläge.

War Beichtstunde, schlug die mittlere Glocke dreimal sieben Schläge an. Wurde ein Kind beerdigt, läutete die kleine und mittlere Glocke. Bei Erwachsenen läuteten drei Glocken: und zwar läutete jede Glocke für sich, erst drei, dann fünf, dann sieben Schläge, wonach dann das Vollgeläute einsetzte.

Wurde ein Edler beerdigt, läuteten die Glocken wie vorhin, nur das am Schluss die große Glocke nachläutete.

Brannte es, wimmerte die mittlere Glocke Sturm.

Zu ganz besonderen Anlässen läutete die große Glocke, alle anderen beierten einen bestimmten Rhythmus dazu. Die vollen Stunden der Tageszeiten wurden durch jeweils drei Glockenschläge verkündet, woran sich morgens und abends um sechs, und mittags um zwölf Uhr ein dreiminütliches Dauerläuten durch die mittlere Glocke anschloss.

Bödingen wurde zu einem der größten Wallfahrtsorte ringsum. Als Rektor Meisenbach starb, trat an seine Stelle Gottschalk Boes. Aber sagt man nicht: "Wo viel Licht, ist auch viel Schatten?"

Unter den Vikaren bahnten sich Streitigkeiten an, die nicht ohne Einfluss auf das Allgemeingeschehen blieben. So kam es, dass der damalige Landesherr Adolf von Jülich-Berg, auf Bitten von Rektor Boes, ein Ordenshaus errichten ließ, wodurch er sich eine straffe und gezügelte Ordnung versprach.

Der Papst genehmigte den Antrag durch ein Dekret vom 4. Januar 1224. Knapp 6 Monate später konnten die ersten Augustinerchorherren aus Windesheim in Holland, ihren Einzug ins neugegründete Kloster in Bödingen halten.

Wie schon erwähnt, standen Kirche und Kloster in hoher Gunst und Achtung der Herren von Nesselrode und Attenbach. Hiervon zeugt eine in Stein gehauene Stiftungsurkunde, die sich in der Wand des rechten Seitenschiffes der Kirche befindet.

Nachdem die Kloster- und Ökonomiegebäuden errichtet waren, begann man im Anschluss hieran mit dem Bau der Umfassungsmauern. Auch hier machte man sich die Hand- und Spanndienste zu nutzen, die jedem Hausmann, seinem Stand entsprechend, auferlegt waren.

Zum Klostergut gehörten 112 Morgen Ackerland, die bewirtschaftet wurden. Darüber hinaus verfügte das Kloster über 16 Höfe:

Braschoss, Geisbach, Schnorrenberg, Niederkassel, Rauschendorf, Heyder, Grooten-Winkel, Kümpel, Halberg, Olmerath, Mülldorf, Happerschoß, Hasenwinkel, Buchholz, Menden, Stieldorf.

Nach einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1803 betrug die Pacht aus vorgenannten Höfen 2607 Rh. Taler. 1

Wurde von den Patres jemand zum Bischof, oder einer anderen höheren Stelle befohlen, hatte dieser ein Recht auf freie Verpflegung inklusive Übernachtung. Für sein Reitpferd galt der gleiche Schutz.

Außer dem Pachtzins hatten die Pächter eine jeweils der Größe des Hofes angepasste Abgabe zu entrichten. Wer z.B. Wälder hatte, musste Lohe abliefern. Wer Weinberge hatte, Wein. Wer Bauerschaft hatte, ein Kalb oder Schwein. An einem bestimmten Tag im Jahr - meist um Martini - erschienen alle Pächter, um den Pachtzins mit der Sonderabgabe abzuliefern. Waren die Einnahmen getätigt, begann das große Fress- und Besäufnisfest, ähnlich dem des "Heischetages". Eine besondere Ehre wurde dem Bauer zuteil, `der einen Ehrenplatz neben dem Prior einnehmen durfte. Und das durfte nur der, der das schwerste Schwein lieferte.

In der Reformationszeit (1565) versuchte die neue Lehre auch hier fußzufassen. Die Jesuiten von Düsseldorf, die Heisterbacher Zisterzienser, im Verein mit den Augustiner Chorherren von Bödingen, setzten massive Missionspredigten ein, die in Verbindung mit der tatkräftigen Unterstützung der Amtsmänner von Erfolg gekrönt waren. Nach der Reformation konnte der Abt von Siegburg folgende kath. Kirchspiele im Amte Blankenberg bestätigen: Herchen, Eitorf, Hennef, Geistingen, Happerschoß, Neunkirchen, Ruppichteroth, Seelscheid, Uckerath, Winterscheid, Stieldorf, Oberpleis, Niederpleis, Honrath, Lohmar und Menden. Ferner die Hälfte der Pfarre Vilich. (Bödingen wurde erst 1834 selbständige Pfarre).

Nach einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1773 betrug die Seelenzahl vorgenannter Kirchspiele: 3643 Männer, 4247 Weiber, 4805 Söhne, 5043 Töchter, 1005 Knechte, 1242 Mägde, insgesamt: 19 985 Seelen.

Von einer groß en Feuersbrunst schreibt ein Chronist folgendes:

"Dermalen - 26. Juni 1636 hat bey dem Regulierchloster Bödingen allernächst bei Blankenberg - im Fürstentumb Berg - eine Feuersbrunst etliche um das Chloster rum gelegenen Gebäude, Häuser, Scheuern ergriffen, dieselben sampt den daselbst gestandenen Obstbäume ganz und gar eingeäschert und grossen Schaden getan, wobey doch das Chloster angesehn es unmöglich erschein, dass das Feuer allda nicht eingegriffen und es zumal consumiert haben sollte - erhalten worden. " ,

Seit Gründung des Klosters wurden in Bödingen fünf Jahrmärkte abgehalten, bedingt durch den Pilgerstrom, der sich von Jahr zu Jahr vermehrte. An diesen Markttagen herrschte buntes Treiben. Außer Verkauf wurde auch reger Tauschhandel betrieben. Die Weber boten ihre Leinen an, wozu auch Samt und Seidentuche zählten.

Hier und da wurden auch Lederwaren feilgeboten, was nicht ausschließt, dass auch metallene, weidengeflechtete, sowie Bäcker- und bäuerliche Erzeugnisse verkauft wurden.

Da sich der Rat der Stadt Blankenberg in seinen Jahrmarktsbestrebungen gegenüber Bödingen benachteiligt fühlte, richtete dieser an Herzog Wilhelm die Bitte, er möge zwei Jahrmarktstage zusätzlich nach Blankenberg verlegen. Der Her- zog entsprach dem Wunsche der Ratsherren und entzog Dondorf und Bödingen je einen Jahrmarktstag. Im Herzoglichen Dekret vom Jahre 1568 heißt es unter anderem:

"DASZ WIR UNSERN LIEBEN GETREWEN BÜRGERMEISTER, SCHEFFEN, RADT VNDT GANTZER GEMEINDTEN UNSZER STADT BLANKENBERG AUFF IHRE VNDERTHENIGE PITT ZU IHRER BESZERER AUFKUMPFT UNDT NAH- RUNGH, DERGLEICHEN REPARIRUNG UNDT ERHALTUNGHDER ALTEN MU- IREN UNDT ANDEREN DER STADT NOTTURFFT VIER NEWER JAHR MERKTE ALSZ NEBLICHM DEN ERSTEN AUF SONTAGH NACH HALFF FASTEN ZUE LATEIN GENANDT JUDICA, DEN ZWEITEN AUF DEN ERSTEN SONTAGH NACH DEM HOCHZEIT PFINGSTEN, DEN DRITTEN AUF BARTHOLOMAEUS (WELCHER BISS ANHER ZU DORRENDORFF) UNDT DEN VIERTTEN AUF TAGH PRAESENTATIONIS MARIAE DER ZU BUNDIGH JÄHRLICH PFLEGTE GEHALTEN ZU WORDEN. AUSZ SONDERN GNADEN VERLENTH, TRASFERIERT VNDT GEGEBEN HABEN".

Hier soll noch eine Jahrmarktsepisode folgen, die sich im 14. Jahrhundert zugetragen haben soll:

Ein Bauer stritt sich mit einem Händler um den Preis eines Kittels. Als sie sich nicht einigen konnten, der Bauer dem Händler eine lange Nase machte, holte jener aus und verpasste dem Bauer eine schallende Ohrfeige. Als die beiden Kontrahenten vor dem Schultheiß standen, wurde der Händler rechtens mit fünf Schillingen bestraft. Als dieser dem Schultheiß außer den fünf Schillingen noch weitere fünf hinzulegte, bemerkte dieser: "er habe Zuviel bezahlt“ "Nein, nein, sagte der Händler, es stimmt!" Verabreichte gleichzeitig dem Bauer noch paar derbe Maulschellen, und sagte zum Schultheiß: "er möge die weiteren fünf Schillinge in Empfang nehmen und über das Ganze Quittung ausstellen!"

Bödingen blieben auch die Gräuel des Krieges nicht erspart. Vor allem ist der Truchsessische Krieg, unter dem Graf von Zollern, (1583) bekannt. Vom Westerwald herkommend, fiel er mit 500 Mann überraschend in Bödingen ein. Er nahm die gesamte Geistlichkeit, sowie alle Amtsmänner gefangen, plünderte das Kloster aus und erschlug alles, was sich ihm in den Weg stellte.

Wenn wir von den Märkten absehen, bestand die Haupterwerbsquelle der Honschaft Bödingen aus Acker- und Weinbau, wobei letzterer Erwerb vorwiegend den Mönchen des Klosters zufiel.

Sie waren es auch, die den Weinbau mit nach Bödingen brachten. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts waren die Hänge von Müschmühle bis Lauthausen, darüber- hinaus bis Oberauel und Stachelhard mit Reben bestanden.

Das Kloster besaß zwei Kelter, eines an der Straße zwischen Lauthausen und Müschmühle, das zweite an der Gesetzstraße, Oberauel Lauthausen. Letztgenannter Kelter trug den Ehrennamen "Herrenkelter".

Das Jahr 1811 wird als das beste und ertragsreichste Jahr der Lese an den Sieghängen genannt. Unterhalb Altenbödingen bezeichnet man noch heute eine Flur "Im Gottlob und Priors Huddel." Diesem Namen soll folgende Begebenheit zugrunde liegen:

Zur Zeit der Traubenlese brachte ein Bauer, der mit seinem Besitz ein Stück in den des klösterlichen einschnitt, eine Kostprobe süßer Trauben zum Prior nach Bödingen. Als dieser kostete, sagte er überrascht: "Dem sei Gott gelobt" Der Bauer witterte eine Chance für den Namen seines Weines und nannte ihn: "Im Gottgelob".

Als der Bauer zur Lese seinen Weinberg betrat, sah er plötzlich ein Gespenst, das sich gruselnd auf ihn zubewegte; Angsterfüllt lief er zum Prior und flehte ihn an, ihm einen Mönch zu schicken, der das Gespenst bannen sollte. Der Prior willigte unter der Bedingung ein, wenn ihm der Bauer ein Stück seines Besitzes überließe. Als der Bauer paar Tage später wiedermal seinen Weinberg betrat, spukte es wieder zwischen den Reben.

Schreckensbleichlief er zum Prior und bat ihn, den bösen Geist zu vertreiben. Seine Zusage war wiederum mit einem Stück Weinberg verbunden.

Der Geisterschreck wiederholte sich solange, bis der Bauer sein "Im Gottlob" dem Kloster verschrieben hatte.

Als von nun ab die Geister verschwunden waren, wurde der Bauer misstrauisch, er wollte nicht mehr so recht an die Spukgestalten glauben.

Verärgert schaute er auf seinen Weinberg, der den Besitzer gewechselt hatte. Diese Begebenheit blieb für immer an der Scholle kleben. Noch heute nennt sich die Flurbezeichnung "Im Gottgelob und Priors Huddel".

Der Viehbestand entsprach den kärglichen Erträgen, die der Boden hergab. Immer wieder war der Bauer auf kleine Nebeneinkünfte angewiesen. Zu diesem Zwecke war er gezwungen, sein Vieh dem Dorfhirt anzuvertrauen, der es in geschlossener Herde zu den Weideplätzen trieb. Kam er abends zurück, bekam er das Zehrgeld, sowie das Abendbrot, nebst dem Tagesbrot für den kommenden Tag. Morgens früh stieß er ins Büffelhorn, worauf das Vieh aus den Ställen kam und sich zum Austrieb sammelte. Das Horn, das der Hirt benutzte, trägt die Jahreszahl 1831. Es befindet sich im Besitz einer alteingesessenen Bödinger Familie.

Auch die Wildschäden machten dem Bauer viel zu schaffen. Bis Anfang des 13. Jahrhunderts durften hier die Bauern das Wild auf ihren Äckern erlegen. Seit der neue Landesherr die Macht ausübte, führte er das verschärfte Jagdrecht ein. Diesem "Beispiel" folgte der ganze Adel.

Die einzige Möglichkeit, die Saaten zu schützen, bestand darin, die Äcker zu umzäunen, oder Feldwachen einzusetzen. Wehe dem, der ein Wild erlegte, ihm drohten harte Strafen.

Erst als Ende des 18. Jahrhunderts die Feudalherrschaft ins Wanken kam gab es für den Bauer merkliche Erleichterungen.

Die jährlich stattfindende Hubertusjagd fand unter Beteiligung der Männer des gesamten Ortes statt. Am Jahrmarktstag im November schloss sich dann das große Wildpretessen an, wozu alle eingeladen wurden.

Hierzu möchte ich ein Jagderlebnis in Erinnerung halten, das sich in den hiesigen Forsten ereignet haben soll:

Graf Heinsberg hatte zu einer Saujagd eingeladen, woran auch ein Teil der Geistlichkeit teilnahm.

Da am ersten Tag der Wettergott zürnte, musste vorzeitig zum Sammeln geblasen werden.

Als man abends gemeinsam an der Tafel saß und die Jungfer das Wildbret kredenzte, streifte der Graf in seiner Tischrede die Ereignisse des Tages, wobei er den einen oder anderen mit feinem Spott belegte. Der Wein floss, die Stimmung wuchs zusehends. Plötzlich sprang der Graf von Nesselrode auf und wettete mit dem Gastgeber um 10 Rh. Taler, dass er auf der kommenden Jagd nicht einen Eber erlegen würde. Der Graf, der dem Wein schon reichlich zugesprochen hatte, ging nichtsahnend die Wette ein.

Graf Nesselrode verließ in einem günstigen Augenblick unbemerkt die Tafel, gebot den Treibern unter allen Umständen ein Schwein aufzutreiben, es entsprechend mit Ruß zu schwärzen und in der Frühe ins Gehege einzusetzen. Anderen Tags hatten die Treiber die Aufgabe. Graf Heinsberg das Schwein in die Flanke zu treiben.

Alles kam, wie es sollte: Zielen und Abschuss waren für den Grafen ein Begriff! Schon ließ sich seine Stimme Vernehmen: "Ich habe die Wette gewonnen! Wo ist der Nesselrode?!"

Erst als der Graf das schallende Gelächter vernahm, bemerkte er seinen Reinfall.

Indes rief Graf Nesselrode: "Freund, du hast die Wette gewonnen! Hier sind die 10 Rh. Taler!"

Etwas verärgert rief der Heinsberger: "Ich will sie nicht! Verschreibe sie meinethalben dem Teufel! "

Doch wenden wir uns wieder Bödingen zu:

Man schrieb das Jahr 1803. Im Zuge der Säkularisation wurde die Aufhebung des Augustinerchorherrenstiftes befohlen. Demzufolge musste das Klostergebäude, die Kirche, 112 Morgen Ackerland, 600 Morgen Wald, 3 Weinberge und die 16 vorgenannte Höfe versteigert werden.

Dem damaligen Pfarrer, Pater Oberdörffer, hatte man ein kleines Gehalt gelassen, was aber bei weitem nicht reichte den Lebensunterhalt zu bestreiten. Für die Kultushandlung standen ganze 190 Mark im Jahre zur Verfügung. Vorübergehend übernahm Rektor Mohr und Pater Sugg die Schulleitung. Der Minorit, Gabriel Stock, der Seligenthal wegen Unstimmigkeiten mit den Behörden verlassen hatte, übernahm nach vorgenannten Herren die Stelle. Er starb im Jahre 1831.

Durch Kabinettsorder vom 29. November selbigen Jahres wurde dem Geistlichen eine Zulage 'von 81 Talern, sowie ein Sonderzuschuss von 169 Talern jährlich gewährt.

Mit den Versteigerungen waren auch alle Stiftungen einbezogen worden, was erhebliche Auswirkungen hatten.

Notgedrungen mussten jedem Hausmann Opfer auferlegt werden, um die Aufrechterhaltung des Gottesdienstes zu sichern.

Außer der üblichen Naturalienspende, die der Seelenzahl entsprechend umgelegt war, wurde vor Feiertagen eine besondere Haussammlung gehalten.

Rechts vor dem Kircheneingang stand die Opferkiste, in welche die Gläubigen zur Osterbeichte, je nach Sündenschwere, eine Bußgabe legen mussten, die in Roggen, Brote, Eier, Speck und dergleichen bestanden.

Darüber hinaus hatte jeder Hausmann (außer hohen Herren und des Kirchenpersonals) einen Tag Handarbeit zu leisten. Neben einer großen Karre Holz als Winterbrand, den Ostereiern, standen dem Geistlichen für die Proklamation (Aufgebot)Kopulation (Trauung) und Kondolenz (Begräbnis) etc., besondere Aufwendungen zu.

Schon seit Jahren waren Bemühungen im Gange, Bödingen zur selbständigen Pfarrei zu erheben, da es bisher, pfarrmäßig gesehen, zu Geistingen zählte. In Verbindung mit dem damaligen Bürgermeister, Peter Eich, kämpfte der Kirchenvorstand vereint um die Selbständigmachung.

Endlich, am 15. März 1834, war ihnen der Erfolg beschieden. Vikar Arnold Frings (1834 - 1868) wurde als erster Pfarrer von Bödingen bestallt.

Wie sein Vorgänger war auch er bemüht dessen Vermächtnis würdig weiterzuführen.

Das Innere der Kirche ließ er im Jahre 1850 neu restaurieren.

Ihm folgten die Pfarrer: Karl Anton Kremer (1868 - 1888), Joh. Heinr. Bolder (1888 - 1890), Franz Julius Lennartz. (1890 - 1894). Ab 1894 versah Heinrich Grommes die Pfarrstelle. Am 15. Mai 1908 konnte er mit Hochwürden, Abt von Marienstatt, unter großer Beteiligung des Volkes, den 500. Gründungstag der Kirche feiern.

Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1896 umfasste die Pfarrei dreizehn Ortschaften, die sich wie folgt zahlenmäßig auf die einzelnen Ortschaften aufgliederten:

(Zum Vergleich ist der Stand vom 1. Januar 1966 in Klammern angegeben).

 

 

Population 1896

Population 1.1.1966

1.       Bödingen

156

221

2.       Lauthausen

121

310

3.       Altenbödingen

139

231

4.       Oberauel

107

187

5.       Driesch

38

52

6.       Auel

113

35

7.       Oberhallberg

41

36

8.       Lochhallberg

6

41

9.       Klingelthal

47

42

10.   Berg

23

41

11.   Niederhallberg

68

41

12.   Oppelrath

31

6

13.   Müschmühle

72

124

 

962

1367

 

Zu Ehren Mariens wurde auf dem Kölner Provinzialkonzil (1423)für alle Kirchen eine Marienfeier angeordnet, die alljährlich am 4. Freitag nach Ostern gehalten werden sollte. Obwohl sie in allen übrigen Kirchen in Vergessenheit geriet, wird sie bis heute in Bödingen gehalten. Sie ist als Cornpassionsfest (Leidensfest) bekannt.

Die Räume des ehemaligen Klostergebäudes wurden nach der Säkularisation den verschiedensten Zwecken zugeführt. Ein Teil diente als Wohn- und Pfarrhaus, der andere zur Schule und Bürgermeisteramt. Ein 3. Klosterflügel, der parallel zum Pastorat stand, wurde abgerissen und das Holz an Privat verkauft. Behelfsmäßig versuchte Lehrer Anton von Berg im Jahre 1804 die Kinder erstmals regelmäßig im Klostergebäude zu unterrichten. Allein, die Lehrerbesoldung lag bei 80 Reichstaler, eine Besoldung, die zu wenig zum Leben und zu- viel zum Sterben war.

Man bat die Eltern um eine Bezuschussung von 7 ½ Stüber je Kind. Wie zu erwarten war, erschienen am ersten Schultag drei Kinder. Am zweiten und dritten Tag waren es nicht mehr.

Lehrer von Berg machte sich davon. Notgedrungen übernahm Pastor Sugg mit Wilh. Halft provisorisch den Unterricht. 1805 übernahm Kanonikus Anton Mohr die Lehrerstelle. Nachdem dieser versagte, trat an dessen Stelle Lehrer Canar, der sich aber bald als Versager erwies, da er der deutschen Sprache nicht gewachsen war.

1820 folgte Lehrer Willems, der 1833 von Lehrer Weeg abgelöst wurde, da dieser zusätzlich die Organistenstelle übernahm. Diesem folgte Lehrer Schell 1866. Immer wieder wechselten die Lehrer die Stellen, bis zum Jahre 1900 Lehrer Rettweiler die Stelle innehatte und bis 1937 besetzte.

Als im Jahre 1932, den 26. Oktober, die neue Schule in Bödingen eingeweiht wurde, konnte man aufatmend die alten Klosterräume verlassen.

Die steigende Kinderzahl machte einen Erweiterungsbau notwendig, der mit einer Pausenhalle im Sommer 1957 begonnen und Ostern 1958 bezogen werden konnte.

Mit Hilfe der Pfarrjugend, dem Kirchenchor und sonstigen Helfern, sowie mit vielen Geld- und Sachspenden, wurde der Bau eines Pfarrjugendheimes gesichert. Die Grundsteinlegung erfolgte am Sonntag, den 9. Juli 1952. Die fehlen- den Mittel finanzierte der Spar- und Dahrlehenskassenverein, die später von der Kirchengemeinde übernommen wurden. Nach vielen Mühen und Opfern wurde das Heim, das eine Größe von 8 x 16 m hat, am 7. Februar 1956 von Pastor Voigt eingeweiht.

Gut 1 ½ Jahre später, im Herbst 1955, wurde mit dem Bau einer Heizung in der Bödinger Kirche begonnen. Die Kosten wurden durch eine Haussammlung, die 4000 DM erbrachte, vorfinanziert. Der Rest wurde durch einen Zuschuss des Generalvikariats Köln bestritten.

Dem Bedürfnis der Jugend Rechnung tragend, wurde 1965 der Bau einer Sporthalle begonnen, welche im Jahre 1967 fertiggestellt wurde. Die Pfarrei Bödingen wird z. Zt. von den Patres der Salesianer, benannt nach dem hl. Franz von Sales (1567 - 1622) betreut.

Das Bemühen der Patres, der schönen, mittelalterlichen, im gotischen Stil er- bauten Kirche, die ursprüngliche Ansicht wiederzugeben, hatten in Köln Erfolg. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurden im Jahre 1960 begonnen. , Nachdem der Putz vom Mauerwerk entfernt war, wurde die Orgel mit der Empore abgebrochen, wodurch der Kirchenraum mehr Licht erhielt. .Nachdem die Steinmetzarbeiten abgeschlossen waren, die Orgel gründlich überholt, wurde sie im linken Querschiff wieder aufgebaut.

Beim Aufbruch des Bodenbelages wurden eine Anzahl Grabplatten freigelegt. Hierbei stieß man auf das Grab des Mitbegründers der Kirche: Peter Meisenbach.

Der barocke Hochaltar im rechten Seitenschiff, der aus der Bauzeit der Kirche stammt, zeigt das Gnadenbild der Madonna.

Der Altar ist aus rotem Lahn-Marmor, und die Kapitelle aus Trachyt gebaut. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurde der Gnadenaltar im Februar 1968 fertiggestellt. Das beschädigte mittlere Chor-fenster wurde gleichzeitig überarbeitet.

Der Kirchturm, der eben eine neue Bedachung erfahren hatte, wurde, nachdem man jetzt erst Wurmbefall feststellte, abgebrochen und neu gezimmert. Der Ärger unter der Bevölkerung machte sich in heftigen Diskussionen Luft.

Auf Anregung des Generalvikariats Köln, wurde um die Kirche eine hohe Mauer gezogen, die ihr einen mittelalterlichen, klösterlichen Charakter geben sollte. Über dieses Unterfangen gehen die Meinungen allerdings weit auseinander, zu- mal es mit einem riesigen Kostenaufwand verbunden war.

Die vorhin erwähnten 18 Grabplatten, die aus dem Bodenbelag der Kirche stammen, wurden in die Mauer sinnvoll eingefügt.

In der rechten Mauerecke, in Richtung Straßenfront gesehen, wurde ein neues Kriegerehrenmal errichtet, da das alte wegen Platzmangel abgebaut werden musste.

Das Altersheim in der Klosterstraße wurde seit 1904 vom Mutterhaus der Cellitinnen in Köln betreut. In dem von Frau Walterscheid, Bödingen, gestifteten Fachwerkbau wurde eine Koch- Handwerks- und Nähschule unterhalten.

Dann errichtete die damalige Schwester Oberin das große Mittelhaus, worin Erholungsbedürftige, alte und kranke Menschen Aufnahme fanden. Die beiden anliegenden Fachwerkhäuser wurden später erworben und dienten ebenfalls der Altenbetreuung.

Da das Heim den Erfordernissen der Neuzeit nicht mehr entsprach, entschloss sich das Mutterhaus in Köln, an der Straße Driesch-Altenbödingen ein neues Altersheim zu bauen. Der Haupttrakt soll 80 Betten beherbergen, hinzukommen die Gemeinschaftsräume, Schwesternzimmern, sowie Räume für das Pflegepersonal.

An den Hauptbau wird sich eine kleine Kapelle mit Glockentürmchen anreihen. Das Gesamtprojekt beziffert man auf 2, 5 Mill. DM.

Am 24. Okt. 1967 konnte Generalvikar Jansen den Grundstein zum Neubau legen. Nach knapp 1 ¾ jähriger Bauzeit, am 19. 6. 1969, konnte das Heim seiner Bestimmung übergeben werden.

Nachdem Pater Mölders das Allerheiligste aus der Wallfahrtskirche in die neue Kapelle übertragen hatte, richtete er herzliche Worte des Dankes an die Ordensschwestern für die gute Zusammenarbeit mit den Bürgern der Pfarre, und schloss in der Hoffnung, im neuen Heim dieselbe Bereitschaft zu pflegen.

Zu der Feier war das gesamte Kölner Noviziat erschienen, wobei die Bödinger Chöre, unter Leitung von Karl Müller, die Feier umrahmten. Die Konsekration der Hauskapelle soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Der unter Denkmalschutz stehende alte Fachwerkbau gegenüber der Kirche wird jeden fremden Blick auf sich lenken. In einem Balken der Giebelfront steht die stolze Jahreszahl Anno 1681. Ehedem diente es den Pilgern und Wallfahrern als Herberge.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts richtete der damalige Besitzer eine Schankwirtschaft ein, die nicht nur den Pilgern, sondern auch den fahrenden und reisenden Händlern und Kaufleuten als Rast- und Handelsstätte diente.

Abgesehen von den vielen Wallfahrern, die hier eine Bleibe für die Nacht fanden, waren es auch die "Küezebauern", die ihre Waren von Tür zu Tür, in Weiden- geflechteten Körben, die sie auf dem Rücken trugen, feilboten. Und nicht zuletzt die fahrenden Händler mit ihren langen Karren, die die bekannten Bödinger Märkte besuchten. Alle kehrten beim Wirt Calles ein, wo sie im kleinen Sälchen, das über der Wirtsstube lag, auf dem Strohsack übernachteten.

Nach dem Tode von Calles (1808) wurde die Schänke vorübergehend geschlossen. Später übernahm sie Bertram Breuer und richtete nebenbei ein Kolonialwarenbetrieb ein. Dessen Sohn, der das Bäckerhandwerk erlernte, wurde bekannt durch seine vorzüglichen Fastenbrezeln, die die Pilger als Wegzehrung oder Fastenmahl mit nach Hause nahmen.

In diesem Hause trafen sich am 12. März 1867 achtundzwanzig sangesfrohe- Männer, gründeten einen Gesangverein, dem sie den Namen "Heiterkeit" gaben. Als Grundstock zahlte jedes Mitglied 5 Silbergroschen. Erster Dirigent war Lehrer Wilhelm Pfeiffer. Mit Genehmigung des Bürgermeisters Eich, fanden die ersten Proben im Schulraum statt. Als "Anfangsgehalt" erhielt der Dirigent fünf Silbergroschen pro Probeabend.

Nach einigen Proben gesellten sich neun neue Mitglieder hinzu. So wie die Neulust aufflammte, ging sie im September selbigen Jahres zu Neige. 18 Sänger traten aus und verlangten ihren "Einsatz" zurück. So blieben 19 Sänger, die dem Liede ihre Stimme gaben. Pfarrer Cremer stand dem Verein wohlwollend gegenüber und regte diesen (1870) gleichzeitig zum Kirchengesang an, wozu ihm aus der Kirchenkasse ein Honorar von 24 Mark zugeleitet wurde. Der Verein nahm dieses Angebot an. 11 Jahre lang dauerte dieses Verhältnis.

Als dann am 2. 8. 1881 der Pfarr-Cäcilienchor gegründet wurde, trat ein Teil der Mitglieder diesem bei, was zu Folge hatte, dass sich paar Monate später die "Heiterkeit" auflöste. Der Kassenbestand von 31. 30 Mark wurde an die restlichen 10 Mitglieder verteilt.

 Unter den vielen Dirigenten die den Taktstock schwangen, hat sich einer besonders verdient gemacht: Karl Müller, Bödingen. Am 24. und 25. Mai 1931 konnte der Chor sein 50 jähriges Jubelfest im alten Saale Quadt feiern. (Der Saal wurde 1945 zerstört).

Spaßeshalber möchte ich eine aus dem Protokollbuch herausgegriffene Anekdote folgen lassen:

Der Chor hatte zwei Sänger mit Namen Wilhelm, die sich beide durch gute Stimmen auszeichneten. Beim "Ewigen Gebet", das einmal im Jahr stattfand, und dieses Mal auf den 28. Mai fiel, also auf beider Namenstag, sang der Chor zum Abschluss der Gebetstunde die Allerheiligen-Litanei. Hierin betätigten sich die beiden Wilhelms als Vorsänger, während der Chor den Nachgesang übernahm. Die beiden Wilhelms waren etwas aufgebracht, dass man alle Heiligen besang, nur nicht den hl. Wilhelm, den man anscheinend bei der Drucklegung des Gesangbuches vergessen hatte.

Um nun zu ihrem Recht zu kommen, hatten sich beide vorgenommen, diesmal den hl. Wilhelm zu besingen.

Als beide an die verabredete Stelle kamen, sangen sie mit Inbrunst: "Heiliger Wilhelm! " worauf der Chor teils ernst, teils heiter antwortete: "Ora pro nobis!" Jahrelang ist diese Anekdote in aller Munde geblieben, die manchen Lachsturm ausgelöst hat.

Die Vereinstätigkeit musste während des 2. Weltkrieges eingestellt werden. Schon im November 1945 wurden die Proben wieder aufgenommen. Auf Anregung des Cäcilienchor wurde ein Jahr später der Frauenchor, unter dem Namen "Marienchor" gegründet und vorgenanntem Verein angegliedert. Durch Allein- und Mischgesang wurden die Gottesdienste durch gefallende Abwechslungen bereichert.

Das am 5. August 1956 begangene 75-jährige Jubelfest, zeigte unter der Stabsführung von K. Müller das Können des Vereins.

Das Haus, rechts der Straße nach Oberauel, zählt auch zu den ältesten Fachwerkbeuten von Bödingen (1765). In diesem Hause fanden ehedem vorübergehend die Proben vorgenannten Chores statt.

Ein Stein mit dem Bildnis Jesu und den schlafenden Jünger am Ölberg, darunter die Inschrift: “Wachet und betet", ziert die Front.

Bei dieser Gelegenheit soll aber auch der Dorfbrunnen Erwähnung finden, der Jahrhunderte hindurch die Bewohner mit seinem klaren Nass versorgte. Darüber hinaus gab er den Frauen Anlass zu manchem Plauderstündchen. Später wurde der Brunnen geschlossen und der Aufzug des Wassers mittels Pumpe getätigt.

Die Spar- und Darlehenskasse Bödingen wurde 1879 gegründet. Sie zählt zurzeit 180 Mitglieder und hat einen Jahresumsatz von 4 ½ Millionen.

Der "Heimat und Verkehrsverein", Gründungsjahr 1937, hat sich durch aktive Einsätze viele Freunde erworben.

Der 2. Weltkrieg brachte auch ihn um seine Tätigkeit. Wenn er auch erst im Frühjahr 1953 wieder in Aktion trat, hat er manches Versäumte nachgeholt.

Der überbelegte Friedhof zwang die Gemeinde zu einer Neuanlage an der Oberaueler-Straße. Knapp 8 Jahre später konnte die Friedhofskapelle eingeweiht werden, die in Eigenleistung und Gemeindezuschüssen gebaut wurde.

Präses Pater Mölders gründete am 2.2. 1969 mit 14 aktiven Männern die Schützenbruderschaft "St. Augustin", benannt nach dem alten Kloster gleichen Namens, dessen Ordensfrauen auf das Jahr 1440 zurückblicken können. Seit Gründung der Bruderschaft hat sie eine rege Tätigkeit entfaltet.

Dem Umlegungsverfahren des Kulturamtes von 1948 - 49 verdankt Bödingen den Neubau der Straße Bödingen - Oberauel. Im gleichen Zuge wurde die Straße Oberauel - Oberhallberg begradigt und ausgebaut.

Zu den Arbeiten die das Kulturamt ausführte, verpflichtete sich die Gemeinde bis 1970 einen jährlichen Zuschuss von 1275 DM zu zahlen.

Die Wasserknappheit, die sich besonders in den trockenen Jahren bemerkbar machte, veranlasste den Wasserleitungsverein mit der Gemeinde Verhandlungen aufzunehmen, zwecks Anschluss an das Wasserleitungsnetz der Wahnbachtalsperre. Nach zähen Verhandlungen übernahm die Gemeinde die gesamte alte Anlage, einschließlich Quelle und Wasserturm für 10. 000 DM. Diesen Betrag Floss den acht Genossen, nebst dem Quelleninhaber zu.

Seit 1963 läuft aus den Hähnen das Wahnbachtalwasser.

Wir verlassen Bödingen und wandern auf der im Jahre 1835 erbauten Selbachstraße nach LAUTHAUSEN