Lauthausen

Der ursprüngliche Weg war 2 m breit und verlief etwa 25-30 m links parallel mit der heutigen Selbachstraße.

Gräfin Maria Charlotte von der Hees zu Holdinghausen, die Gattin des Franz Wilh. Spiess, Besitzer von Schloss Allner, ließ im Jahre 1756 an diesem Weg die Stationen der sieben Schınerzen Mariens errichten.

Diesen Weg zogen die Pilger, an jeder Station haltmachend, Gebete verrichtend, zur Wallfahrtskirche nach Bödingen, um der schmerzhaften Muttergottes ihr An- liegen vorzutragen.

Der fromme Klausner, Christian von Lauthausen soll diesen Weg als erster beschritten haben, als er mit dem Gnadenbild nach Bödingen zog.

Nach 2 Jahrhunderten (1927) ließ Pfarrer Hartmann, dank der Opferfreudigkeit der Pilger, die sieben Stationshäuschen neu aus Beton errichten. Neue Reliefs wurden in Auftrag gegeben, die je Stück 200 DM kosteten.

Die von der Witterung angegriffenen Bilder wurden 1956 neu restauriert, mit Farbanstrich, sowie mit Schutzdrahtgitter versehen.

Der Name des Ortes Lauthausen wurde in mannigfaltigster Art auszulegen versucht, jedoch konnte eine bindende Bestimmung nicht festgelegt werden.

Fest steht, dass es sich hier um eine uralte Siedlung handelt, deren Name erstmals im Stadtarchiv zu Köln um 1311 genannt wird.

Um 1424 erscheint die Honschaft im Wechsel der Namen als Luythusen - Ludenhausen oder auf Plattdeutsch: "Lokkessen". Aus einer alten mündlichen Überlieferung soll die Auslegung des Namens folgenden Ursprung haben:

Alle bedeutsamen Orte, die auch fast immer an Wasserläufen lagen, bedienten sich zum Übersetzen einer Fähre. So auch in Lauthausen. Am südlichen Orts- teil am Ufer der Sieg, stand das Haus des Fährmanns, das sogenannte "Löckhuus". Rechts neben dem Türbalken war eine Glocke angebracht, mittels dessen man dem Fährmann ein Zeichen gab, wenn man übergesetzt werden wollte. Nach der Bezeichnung "Löckhuss" soll der Name "Luythuus" - später "Lokkessen" - oder ins Hochdeutsche übersetzt: “Läute-Haus" entstanden sein, woraus sich im Laufe der Jahrhunderte der Ortsnamen Lauthausen entwickelt haben soll (siehe auch Titelseite).

 Nach letztere Bezeichnung ist wohl nach Einführung der französischen Municipalfassung im Großherzogtum Berg, im Jahre 1805, aus dem vier Gemeinden: Lauthausen, Happerschoß, Altenbödingen und Braschoss, die Bürgermeisterei (Mairie) Lauthausen entstanden, deren Name der Maire Ennenbach beibehielt. Die Lauthausener Fähre war keine amtliche Einrichtung, sondern ein aus der Dorfgemeinschaft heraus gegründetes Unterfangen, wie aus einer Fährsatzung aus dem Jahre 1645 hervorgeht.

Die Gebührensätze für die Überfahrten bestanden für die umliegenden Flecken und Honschaften aus Naturalien, die jeweils zu Martini an den Fährmann zu entrichten waren.

Der Adel, der Schultheiß, sowie die geistlichen Herren, hatten die Überfahrt frei. Als Ausgleich wurde dem Fährmann eine jährliche Zuwendung in Form von Naturalien gemacht.

Bei geschlossenen Überfahrten: Jahrmärkte, Wallfahrten, Kirmessen oder ähnlichen Anlässen, wurde die Überfahrt in einer Pauschalgebühr entrichtet. Handelte es sich um eine beschränkte Personenzahl, Kleinvieh oder dergleichen, wurde mittels Kahn übergesetzt.

Die Arbeitszeit des Fährmanns betrug im Sommer ca. 16 Stunden, im Winter 12 Stunden. 1/3 der Einnahmen mussten in den Reparaturfond abgeführt werden. Oft hatte der Fährmann Sorge um die Beitreibung der Naturalien, da nur die Wenigsten sich zur freiwilligen Abgabe bequemten. Später übernahm die Gemeinde die Unterhaltung der Fähre. Hierzu wurden eigens für den 'Fährdienst erprobte Männer eingesetzt.

Eine Fährdienstordnung aus der Mitte des 17. Jahrhunderts läßt folgende Über- fahrtsgelder erkennen:

je Person

7 Heller

je Ziege, Schaf oder Schwein

5 Heller

je Kuh, Rind oder Pferd

2 Albus

 

bei anderen Dingen je nach Umstand und Größe zwischen 1-4 Albus.

Soweit der Fährbetrieb bei Hochwasser aufrechterhalten werden konnte, erhob man die doppelte Gebühr.

Viele der Alteingesessenen waren Fischer. Wie bekannt, waren die Fischfänge in der Sieg ehemals gut bis sehr gut. Da sich die Sieg früher in mehrere Arme teilte, wurde hierdurch der Fischfang günstig beeinflusst. An die Fänge mag die heutige Fischgasse erinnern.

Ca. 100 m von der Fähre entfernt lag einst der Furt durch den der Verbindungsweg über Dondorf Hossenberg zur Frankfurterstraße führte.

Lauthausen hat längst den mittelalterlichen Charakter verloren. Die Häuser, Wege und Gassen lassen den Fortschritt unseres Jahrhunderts erkennen. Nur noch vereinzelnd erinnert ein Fachwerkbau an das Geschehen frühere Tage.

Eine zu den bekanntesten Bauten Lauthausens zählte die Land' sche Bierbrauerei. 1870 von den Gebrüdern Land gegründet, fanden die Biere guten Absatz.

Wenn man überlegt, dass eine Flasche des "Lauthausener Lagerbiers" im Gründungsjahr 0,09 Mark kostete, mutet es wie ein Märchen an. Die Herstellung des Biers war im Anfang sehr beschwerlich, musste doch das Brauwasser anfänglich im Handbetrieb aus dem Selbach gepumpt werden, während man paar Jahre später im Keller einen Brunnen anlegen konnte.

Zum Kühlen der Lagerfässer wurde im Winter, wenn das Eis zu tauen begann, mit Ochsenkarren aus der Sieg geholt und im Eiskeller gelagert. Das Fassungsvermögen des Eiskellers lag bei 500 Karren. In den Lagerfässern lagerten 1800 l Bier auf Vorrat, so dass man den damaligen Verhältnissen entsprechend immerzu lieferfähig war.

Als im Jahre 1900 an die Brauerei eine Gastwirtschaft angebaut wurde, gründete man einen Gesangverein, der sich aber wegen der geringen Mitgliederzahl nicht als lebensfähig erwies.

Leider musste der Brauereibetrieb 1940 infolge erdrückender Konkurrenz eingestellt werden. Nachdem die Kellerräume im 2. Weltkrieg der Zivilbevölkerung als Luftschutzkeller gedient, wurde, des schlechten Zustandes wegen, der gesamte Trakt im Frühjahr 1965 abgebrochen. An seiner Stelle steht heute ein Wohnhaus.

Der einzige Verein, der gegenwärtig die dörfliche Gemeinschaft fördert, ist der Sportverein. Im Jahre 1929 gegründet, musste er sich jahrelang mit einem behelfsmäßigen Spielplatz begnügen. Da es an der nötigen Unterstützung fehlte, sah sich der Verein gezwungen, seine Tätigkeit einzustellen. Sportbegeisterte Männer riefen am 7. 10. 1949 eine Versammlung ein, zwecks Aufnahme der Spieltätigkeit. Ein Vorstand wurde gewählt, der das Vereinsgeschehen leitete. Erst nach fünfjähriger Tätigkeit konnte man den Westdeutschen Fußballverband zu einem Zuschuss von 18. 000, -- DM, zum Bau eines Sportheimes, bewegen. Am 20. 10. 1954 begann man in Eigenleistung mit den Fundamenten, Erd-und Planungsbewegungen, sowie Ausheben des Grabens für die Wasserleitung.

Die bebaute Fläche ist 80 qm groß, umfasst einen Dusch-, Lese-, Geräte- und Gemeinschaftsraum.

Die Vereinstätigkeit verbesserte sich von Jahr zu Jahr, so dass man schließlich Land, Kreis und Gemeinde zur Finanzierung einer mustergültigen Anlage bewegen konnte.

Am Samstag und Sonntag, den 24. und 25. August 1963 wurde der Lauthausener Sportplatz eingeweiht. Die Zeremonie vollzog Pater Heinen, unter großer Beteiligung der Dorfgemeinschaft und den geladenen Vereinen.

Die Kapelle, die in Ortsmitte steht, stammt aus den Jahren 1850 - 60 und war dem hl. Augustinus gewidmet. Ehedem stand hinter der Kapelle eine riesige Linde, die ihre Fittiche schützend über sie ausbreitete. Der Zustand der Kapelle war, trotz mehrerer Restaurierungen, abbruchreif. Begreiflicherweise wurden bald Stimmen laut, die Kapelle von Grund auf neu zu restaurieren.

Durch Spenden der Dorfbewohner, ferner einem Geldbetrag aus dem Fond des örtlichen Wasserleitungsvereins, nebst einem Zuschuss aus dem Waldvermögen, wurde die Kapelle in eigener Regie wieder würdig hergerichtet. Die Kosten beliefen sich auf 2000, -- DM. Am 11. 7. 1965 wurde die Kapelle, zu Ehren des hl. Josefs, eingeweiht. Während Pater Langenbusch die Weihungszeremonie vornahm, zelebrierte Pater Lürkens die erste hl. Messe.

An den sonnigen Hängen von Müschmühle bis Lauthausen, von der Stachelhart bis zum Nutscheid hin, waren Weinreben angebaut. Meist handelte es sich um einen Rotwein, der wegen seines feinherben Geschmacks sehr beliebt war. Die Wüchse der Auelshecke und des Silberlings waren besonders beliebt. Noch um die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde hier Wein erfolgreich angebaut.

Der Stachelharter Wein soll eine besondere Note gehabt haben. Man pochte hier auf die laufenden Bestellungen des großen Komponisten Franz Liszt. Als er in den Jahren 1840 - 43 auf Nonnenwerth wohnte, ließ er sich den Wein nach dort kommen. Wie er später nach Weimar zog, blieb er auch dort dem "Stachelharter" treu. Er starb am 31. 7. 1886.

 Im Keller unter dem alten Tanzsaal in Bröl, da, wo jetzt die Kirche steht, wurde 1898 vom damaligen Besitz er Junkersfeld noch Trauben aus der Auelsheck gekeltert und vergoren. Auch hier spricht der Chronist von einem Qualitätswein! Nachdem er vom Fass abgezogen war, wurde er auf Flaschen abgefüllt. Die Flasche wurde mit 0. 75 Mark verkauft.

Für den Rückgang des Anbaues werden zwei Faktoren genannt:

1.       der Mehltau und Befall von der Reblaus,

2.       die erdrückende Konkurrenzpreise von Rhein, Mosel und Ahr.

Der sonnige Berghang unterhalb Lauthausens trägt den Flurnamen Auelsheck, Der Auelsheckerhof war dem Klostergut Bödingen lehenspflichtig. Wenn die Lese begann, mussten die Mönche Arbeiter einstellen, um die Lese, die oft in eine Schlechtwetterperiode fiel, zu beschleunigen

Im Bungert zu Bödingen waren immer Arbeiter und Bettler anzutreffen, sie sich für ein kräftiges Essen und paar Stüber den Mönchen verdungen.

Im Bröltaler Schulbericht von 1865 berichtet Lehrer Küppers: der Sommer war heiß, so dass die Traubenernte schon Mitte September beginnen konnte. Es war der Wein des Jahrhunderts! Aus diesem Grunde beschlossen die Schulpfleger die nächste Konferenz nach Bödingen zu verlegen.

An anderer Stelle heißt es: die Lehrerschaft besuchte die Auelsheck, um die Qualität der Trauben zu überprüfen.

Und: 1867 war wieder ein gutes Weinjahr. Die Konferenz wurde wieder nach Bödingen verlegt.

Am 14. 6. 1887 wurde eine Klage an die Schulpflegschaft geführt, in der es hieß: dass Schulkinder aus Müschmühle im Weinberg Erdbeeren suchten und dabei die Triebe der Reben beschädigten. Wir bitten um entsprechende Bestrafung der Kinder.

Vor dem Ausbau der Straße Müschmühle - Lauthausen zeugten am Berghang noch die Mauerreste des alten Kelterhauses aus der Auelsheck.

Ehe ich dieses Kapitel schließe, möchte ich noch eine kleine Episode anknüpfen, die es wert ist, erhalten zu bleiben:

Meister Halfen, der den Auelsheckerhof bewirtschaftete, wusste dem Boden durch seinen Fleiß ersprießliche Erträge abzuringen. Um jene Zeit zog ein fahrender Musikant über Dörfer und Jahrmärkte, um seine ewig hungrige Kasse zu stillen. Sein Geburtsort war Eschmar, von Beruf war er Leinenweber. Da er in regel- mäßigen Abständen wiederkehrte, nannte man ihn den "Spielbernhard" oder mit Spitznamen "Spielbähnchen".

Bei diesen Umzügen brachte er immer allerlei Neuigkeiten mit, wusste manchen Schnurren zu erzählen, wahrsagte Wo es angebracht war, kurz: er wusste sich in jeder Lage zu helfen.

So weissagte er, dass es bald Krieg gäbe, wobei die Entscheidungsschlacht an der Sieg fallen würde, und zwar an einem alten Birkenbaum.

Dann prophezeite er eine Plage von Heuschreckenschwärmen, ein andermal Scharen von weißen Mäusen. Dann sollte die Pestilenz das Land überfallen und die Hälfte der Menschen da- hinraffen.

Spielbähnchen wusste die Abergläubigkeit der Menschen zu nutzen, hingegen be- lachten ihn die anderen, da sich seine Weissagungen nie erfüllten! Trotz seinen Narreteien, er war immer wieder ein gern gesehener Gast. Wenn er auf die Höfe kam, lachten die Frauen und riefen, da kommt der "Lügbähnchen".

Als ihn wiedermal der Weg zum Auelsheckerhof führte, kehrte er gewohnheits- mäßig beim Kelter Halfen ein. Er kannte seine Leute, wusste nur zu gut, dass dessen Frau als mildtätig bekannt War. Sie gab ihm zu essen und richtete ihm immer eine Bleibe für die Nacht.

Kelter Halfen war ein Frühaufsteher. Als er des Morgens wie von ungefähr nach seinem Gaste schaute, war dieser schon längst ausgeflogen. Im Begriff, die mit Wein gefüllten Krüge umzufüllen, stellte er fest, dass ein Krug statt Wein Wasser enthielt.

Kelter Halfen schaltete sofort; den konnte nur Spielbähn ausgetrunken haben. Halfen sattelte sofort sein Pferd und ritt ihm nach. Gerade als der Fährmann in Lauthausen zur Überfahrt ansetzen wollte, erwischte er ihn im vollberauschten Zustand. . Als Strafe brachte er ihn zum Schultheiß, der ihm fünf Rutenstreiche verpassen ließ, worauf er anschließend einen Tag lang, zum Gespött der Bürger, am Dorfpranger stehen musste.

Werfen wir noch rasch einen Blick zurück und wandern den Gesetzweg entlang in Richtung Oberauel.