Oberauel

Vorgenannter Weg wurde in den Jahren 1923 - 24 gebaut und war drei Meter breit. Wegen der Enge wurde er ab 1968 zur Einbahnstraße erklärt. Im April 1972 wurde mit dem Aus- und Erweiterungsbau begonnen und im Oktober 1973 fertig- gestellt. Nun misst die Straße sieben Meter Breite, führt über die Oberauelerbrücke weiter zur Bahnüberführung, die im gleichen Zuge gebaut wurde.

Am Anfang des Ortes steht ein altes Kapellchen, das 1735 erbaut und dem hl. Antonius von Padua geweiht wurde. Einst war die Kapelle das Ziel vieler Verehrer. Aus Dankbarkeit für die Erhörung eines Anliegens wurden viele Opfer gespendet. Anlässlich ihrer Verlobung stifteten die Brautleute Anton Müller und Katharina Heuser eine jährliche Lesemesse zu Ehren des Heiligen.

Die Gründung des Ortes reicht bis ins Mittelalter zurück. Im Memorienbuch der Bödinger Augustiner Chorherren wird der Ort urkundlich um 1425 erwähnt. Des- gleichen im Blankenberger Archiv um 1550 als zum Kirchspiel Hossenberg gehörend.

In einer anderen Urkunde um das Jahr 1131 heißt es: dass Innozenz II. einen Hof dem Kassius Stift in Bonn zuerkennt. Dieser Hof soll im benachbarten Halberg gelegen haben. Andere Quellen besagen, der Hof hätte zwischen Halberg und Oberhalberg gestanden. Letztere Annahme wird durch die erste Flurkarte des Amtes Lauthausen unterstrichen (1827). Hierin heißt es: "Auf dem großen Hof", und ist an vorgenannter Stelle eingezeichnet.

Die alter Oberaueler Mahlmühle, die dem Kloster Bödingen gehörte, büßte schon bei den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts immer mehr an Rentabilität ein. Als diese im 2. Weltkrieg noch schwer beschädigt wurde, wurde der noch erhaltene Teil zum Wohnhaus umgebaut.

Die älteren Bürger von Oberauel werden sich erinnern, als noch Fähre und Kahn zum Übersetzen über die Sieg bereitstanden. Am Siegufer stand eine Hütte, in welcher sich der Fährmann in Ruhezeiten aufhielt. Die Einkünfte aus dem Fähr- betrieb waren gering, deshalb war er gezwungen nebenberuflich tätig zu sein. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Kosten zur Überfahrt meist mit Naturalien bestritten. Bessergestellte zahlten pro Person 2 Pfennig, später 3 Pfennig dann 5 Pfennig.

Der letzte Fährmann soll ein Korbmacher gewesen sein, dessen Frau die Erzeugnisse an die Höfler und Dörfler verkaufte, oder gegen Naturalien eintauschte.

Auf Drängen der Dorfbewohner und Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Eich, konnte beim Kreis der Bau einer festen Brücke erwirkt werden. Nach gut einjähriger Bauzeit konnte sie im August- 1908 eingeweiht werden. Die Brücke hatte eine Gesamtlänge von 186 m. Der große Bogen eine Spannweite von 34 m. Die Breite der Fahrbahn betrug 2, 50 m, woran sich rechts und links ein Bürgersteig von 0, 55 m anschloss.

Schon 1 Jahr später (1909) wurde die Brücke durch das Hochwasser schwer beschädigt. Nach schwierigen Reparaturarbeiten konnte sie bald für die Benutzung wieder freigegeben werden.

Als zu Anfang des Jahres 1945 das deutsche Militär zurückwich, sprengte es zwei Bogen, um dem nachdrängenden Feind die Überfahrt abzuschneiden. Für die Übergangszeit musste wieder ein Fähr- und Nachendienst eingerichtet werden. Alle Bemühungen die Brücke Wiederherzustellen, scheiterten. Wer sich den Hungerjahren 1945 - 48 erinnern kann, weiß auch mit welchen Schwierigkeiten die Baufirmen zu kämpfen hatten. Arbeiter und Baumaterial waren Mangelware! Nur der, der Nahrungsmittel einzusetzen hatte, hatte Aussicht auf Erfolg. So schritt man zur Selbsthilfe, um den Aufbau voranzutreiben. Der Erfolg blieb nicht aus. In den Jahren 1948 - 49 konnten die Bogen wieder eingebaut werden. Im November selbigen Jahres weihte Dr. Warsch, Regierungspräsident, unter großer Teilnahme der Bevölkerung, die Brücke ein.

Der fortschreitende Aufbau der letzten zwanzig Jahre vollzog sich so schnell, dass auch die Straßen und Brücken dem zunehmenden Verkehr nicht mehr gewachsen waren. Man beschloss den Bau einer neuen Brücke. Unmittelbar neben der alten begann man im August 1967 mit dem Bau einer neuen Brücke.

Für die Übergangszeit sollte eine Notbrücke errichtet werden, da sich am linken Ufer die alte mit der neuen schnitt.

Aus diesem Anlass wandte sich Bürgermeister Horstmann, Allner, an das Pionierregiment 705 Wuppertal, um den Bau der Notbrücke in Form einer Übung kostensparend zu erwirken. Das hierzu benötigte Holz sollte aus dem Gemeindewald beschafft werden.

Der Kommandeur der Truppe sagte zu. Als nun auch der Kreis seine Zustimmung gab, stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Bilder zum Bau können HIER eingesehen werden.

In siebentätiger Bauzeit konnte die Behelfsbrücke am 16. 5. 1968 dem Verkehr übergeben werden. Am 27.5. 1968 wurde die alte Brücke gesprengt und der letzten Phase des Neubaus grünes Licht gegeben.

31 Tage später setzte nach tagelangem Regen das erwartete Hochwasser ein. Das Wasser stieg von Stunde zu Stunde. Am Mittag des 16. Juni wurde die Brücke überspült, wonach sie gegen 16 Uhr auseinanderbrach und flussabwärts trieb. Die 8 Tonnen schwere, 35 m lange, 4, 35 m breite Notbrücke war nicht mehr. Die Not der Oberaueler Bevölkerung war groß!

Musste man doch, um über die Sieg zu kommen, den Weg über Hennef nehmen. Ein Notruf an das Pionierregiment Wuppertal hatte 2 Tage später Erfolg. In einer Rekordzeit von 4 ½ Stunden bauten 60 Soldaten des Pionierbataillons 716 Köln-Longerich eine Schwimmbrücke mit 18 Pontons über die Sieg. Unter der Leitung von Oberleutnant Stemler, begannen die Arbeiten am Donnerstag, den 20. 6. um 22. 30 Uhr und endeten in der folgenden Nacht um 3. 00 Uhr. Gemeinde und Bevölkerung dankten dem Bataillon für ihren uneigennützigen Einsatz.

Die neue Brücke wurde im Herbst ohne Zeremoniell dem Verkehr übergeben. Wir wandern die schöne Hangstraße durch das Gesetz nach Lauthausen zurück, folgen der Kreisstraße 9, deren Verbreiterung und Ausbau im Sommer 1966 begonnen und am 9. 3. 1967 ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Man hegt die Annahme, dass sie den Anschluss an die Nutscheidstraße finden soll, die für die nächsten Jahre in der Planung steht.

Da, wo die Sieg an den Straßenhangherantritt, stehen wir vor unserem nächsten Ziel: dem stillen Dörfchen MÜSCHMÜHLE