Müschmühle

Der Ort ist erstmalig in einer Urkunde des Bödinger Chorherrenstiftes um 1410 vermerkt. Müschmühle verdankt seinen Namen einem gewissen Herrn Mousch, Moischoder auch Moesch genannt. Dieser Moesch soll im Mittelalter im oberen Ortsteil eine Mahlmühle betrieben haben. Das zum Betrieb benötigte Wasser wurde vom Brölbach abgeleitet und am Alten-Bödinger-Berg entlang zur Mühle geleitet. Die Stelle, wo sich das Wehr befand, wird heute noch die "Kluss" genannt.

An einer anderen Stelle ist von der Moeschmoele die Rede, die "ALLE JAHRS ZOM PASTORS HUIS MOLDER KORN LIFEN".

Und immer, wenn von dieser Mühle die Rede war, sagte man eben die "Möscher- Mühle", aus der sich im Laufe der Jahre der heutige Ortsname Müschmühle abwandelte.

Der von Mousch war im 15. Jahrhundert als Schöffen am Freigericht Happerschoß tätig. Am Hang der heutigen Altenbödinger Straße soll er eine Burg bewohnt haben. Spricht man von diesem Hang, so sagt man "Auf der Burg". Mousch betrieb um 1400 eine Eisenschmelze. Die Erze wurden im Allner- und Altenbödinger Berg gefördert. Das Erzvorkommen das zu Anfang so erfolgversprechend war, ließ im Laufe der Jahre die Rendite vermissen. Aber auch die Konkurrenz aus dem Siegerland wird zur Schließung der Gruben beigetragen haben. Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Mousch ohne Erben starb, wurde der gesamte Betrieb eingestellt und der Herrschaft des Schlosses Allner einverleibt.

Wenn man dem herzoglich-bergischen Dekret vom 18. 3. 1810 Glauben schenken darf, war die Sieg schiffbar. Hierin heißt es: "dass die Sieg von der Mündung bis Eitorf schiffbar sei". Und weiter: "da das veränderliche Bett der Sieg bei gewöhnlichem Wasserstand für die Schiffe zu flach sei, müsste in dieser Zeit der Betrieb ausfallen".

Als Fischerdorf hatte Müschmühle einst einen Namen. Die älteren Bürger wussten von einem Fischerei-Geding zu berichten, dass sich zu einer Bruderschaft zusammengeschlossen hatte.

Nach überliefertem Brauch trafen sich die Fischer alljährlich am St. Katharinentag und beteten um einen guten Fang. Dann brach der Zeremonienmeister den Fischerwecken, gab das Salz dazu und verteilte ihn an die Bruderschaft. Die Ausübung der Fischrechte erstreckte sich von Eitorf bis Buisdorf. Die Fänge in der Sieg sollen sehr gut gewesen sein, besonders an der Brölmündung, an der sogenannten "Domkuul". Die bezeichnete Stelle soll so tief gewesen sein, wie der Dom hoch.

Einer der letzten Fischer mit alter Familientradition war der Körfers Michel. In seinen Aufzeichnungen berichtet er von großen Fängen. So schrieb er, dass er am Mühlenwehr einen Lachs gefangen hätte, der 27 Pfund schwer und 132 cm lang gewesen wäre. Und das von Hand!

Er verstand sich nicht nur auf das Flechten von Netzen, sondern wusste auch da- mit umzugehen.

Nach der Jahrhundertwende wurden die Fischfänge nicht nur weniger, sondern auch unrentabler, teils durch zunehmende Verschmutzung der Gewässer, teils durch Beschickung der Fischmärkte von See her.

Nicht nur die Fischerei kam Müschmühle zu nutzen, auch die alte Herr- oder Römerstraße, die den Ort berührte, hat Müschmühle günstig beeinflusst. Ausgehend von Trier führte sie durch die Eifel nach Bonn zum Römerkastell, dann weiter nach Röttgen, Oberkassel, Dollendorf, Siegburg, Hennef“, Müschmühle, Bödingen, Stockum, Altenherfen, Heide, Wildenburg, Freudenburg nach Siegen. Am Hang der Heerstraße stand ein Wirtshaus, wo man zur Pferde- tränke anhielt, Rast machte, oder übernachtete.

Die großen Erzlager des Siegerlandes wurden ergiebig ausgeschöpft und über die Heerstraße zum Rhein geschafft, wo sie der Verarbeitung zugeführt wurden. Die volksmündliche Überlieferung besagt, dass römische Legionäre die Straße erbaut hätten, was man durch einen Fund zu beweisen suchte. Im Jahre 1889 fand man im Nutscheid, bei Eitorf, eine römische Gedenkmütze, die auf der einen Seite einen Römer mit Helm und auf der anderen Seite die lateinische Inschrift: "TREJECTUM PER ACTUM" mit der römischen Jahreszahl 278 trug. Hieraus bestärkte sich die Annahme, dass Kaiser Probus (275 - 78) n. Chr. die römische Heerstraße, auch Römerstraße, Eisenstraße oder heute Nutscheidstraße genannt, erbauen ließ.

Ob nun die Römer, die Germanen, Karl der Große oder wer, als Erbauer der Straße anzusehen ist, wird solange ein Rätsel bleiben, bis ein gegenteiliger Beweis erbracht ist.

Die Brücke, die den Brölbach überspannte, war den Sprengungen der letzten Kriegswochen 1945 zum Opfer gefallen. Wie überall griff man zur Selbsthilfe, um die Brücke notdürftig wieder fahrbereit zu machen. Mit zwei Kanonenrohre und Holzbohlen wurde das Ziel erreicht.

Ein Jahr nach der Währungsreform (1949) wurde sie mit Landesmittel wieder hergestellt. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die unübersichtlichen Auffahrten der Kreisstraßen 9 und 16 an der Brücke Müschmühle bereinigt. Die K 16 (nach Altenbödingen) wurde gleichzeitig erbreitert und ausgebaut.

Inzwischen wurde die Notbrücke abgerissen und mit dem Bau der Neuen Anfang Februar 1959 begonnen. Die Gesamtbausumme betrug 317.000, -- DM, davon floss der Gemeinde ein Zuschuss von 150. 000, -- DM zu. Nach fünfmonatiger Bau- zeit konnte Landrat Etzenbach am 14. August 1959 die Brückenweihe vornehmen.

Gehen wir ca. 350 m Brölbach aufwärts, stoßen wir auf den "Dich" (Teich), der früher eine große Fläche einnahm und durch verzweigte Arme in die Sieg mündete. Später wurde der Teich bis auf das Bachbett trockengelegt und gleichzeitig einen Mühlengraben ausgeworfen, dessen Wasserfluss die Allnermühle antrieb. Infolge Abbruch der Allnermühle am 7. 3. 1973 wurde der Mühlengraben im Frühjahr 1974 trockengelegt. Dessen Bett soll nunmehr zugeschüttet werden.

Nach Instandsetzung der Allnermühle im Jahre 1811 (wovon noch die Rede ist) erwies sich die Wasserzufuhr als zu gering, was sich besonders in trockenen Jahren bemerkbar machte.

Um diesem Übel zu begegnen, staute man den gesamten Brölbach durch eine Staumauer, hob den Mühlengraben entsprechend aus, so dass von nun ab reichlich Wasser für den Mühlenbetrieb zur Verfügung stand.

Wenn noch um die 20 er Jahre der Lachs zum Laichen stromaufwärts in Flüsse und Bäche wanderte, lauerten ihm die Fischer auf. Beim Versuch der Lachse gegen die starke Strömung anzuschnellen, wurden sie von den Wassern zurück- geworfen und gingen hierbei den Fischern buchstäblich ins Netz.

Folgte man dem Mühlengraben, stieß man an dessen Ende auf die ALLNER- MÜHLE